Wer im Landrat mitbestimmen und die Wähler und Wählerinnen vertreten will, sollte zumindest anwesend sein. Die bz hat die Anwesenheitsmoral der Landratsfraktionen ausgewertet. Dabei wurden die Anzahl Fraktionsmitglieder und die 144 Sitzungen seit den letzten Wahlen mit den im Protokoll festgehaltenen Absenzen verrechnet. Es zeigt sich: Die Fraktionen liegen in puncto Abwesenheiten sehr nahe zusammen, zwei heben sich aber ab.

Fraktion Grüne-EVP: 2,4 Prozent

Mit einer Abwesenheitsquote von unter drei Prozent ist die Fraktion der Grünen und der EVP (zehn Mitglieder) Spitzenreiterin – im positiven Sinne. Fraktionspräsident Klaus Kirchmayr (GP) erklärt sich die hohe Präsenz wie folgt: «Bei den aktuell schwierigen Mehrheitsverhältnissen im Landrat sollen Geschäfte nicht an unserer Abwesenheit scheitern. Ausserdem haben wir ein sehr gutes Klima innerhalb der Fraktion, die Zusammenarbeit macht Spass.» Kirchmayr selbst fehlte in der Fraktion am häufigsten: sechsmal. An allen Sitzungen der Legislatur war von dieser Fraktion niemand dabei.

CVP-BDP-Fraktion: 5,1 Prozent


Die gemeinsame Fraktion der CVP und BDP (neun Mitglieder) weist in der laufenden Legislatur eine Abwesenheitsquote von 5,1 Prozent auf. Franz Meyer (CVP) sticht heraus: Er war an allen 144 Sitzungen. Simon Oberbeck (CVP) verpasste 22 Sitzungen und damit mehr als der Rest seiner Fraktion.

SP: 5,1 Prozent


Die SP (21 Fraktionsmitglieder) hat von den grossen Fraktionen die beste Anwesenheitsdisziplin, auch wenn der Abstand zur SVP und FDP minimal ist. Regierungskandidatin Kathrin Schweizer fehlte nie, ebenso Bianca Maag-Streit. Am häufigsten (22 Mal) war Diego Stoll nicht da.

SVP: 5,8 Prozent

Bei der SVP, der grössten Fraktion im Landrat (28 Mitglieder, die AVP wurde mitgerechnet), fallen einzelne Absenzen weniger stark ins Gewicht als bei kleineren Fraktionen. Sie liegt mit einer Abwesenheitsquote von 5,8 Prozent im soliden Mittelfeld. Von den Landratsmitgliedern der SVP fehlten alle in der laufenden Legislatur mindestens einmal. Am häufigsten glänzten Christoph Häring und Hansruedi Wirz durch Abwesenheit: je 21 Mal.

FDP: 6,1 Prozent

Die FDP-Fraktion (17 Mitglieder) fällt mit ihrer Abwesenheit nicht sonderlich auf. Gleich drei Mitglieder der Fraktion haben nie gefehlt: Andrea Kaufmann-Werthmüller, Marc Schinzel und Jürg Vogt. FDP-Absenzenkönig ist Balz Stückelberger: 22 Mal hat er gefehlt.

GLP-GU: 12,3 Prozent

Die GLP-GU-Fraktion (fünf Mitglieder) hat mit 12,3 Prozent mit Abstand die höchste Abwesenheitsquote. Bei der kleinsten Fraktion fallen Abwesenheiten prozentual am stärksten ins Gewicht. Alle Fraktionsmitglieder waren an mindestens einer Sitzung abwesend. Regula Steinemann (GLP) fehlte an 37 Sitzungen und damit öfter, als die ganze GP-EVP-Fraktion zusammengerechnet. Ein Grund dafür: Steinemann war im Mutterschaftsurlaub. Hätte sie an den bezahlten Sitzungen teilgenommen, wäre ihr das Taggeld gestrichen worden, erklärt die Partei auf Nachfrage.