Werner Recher hat keine Freude am neuen Velostreifen auf der Oberen Hauensteinstrasse in Bubendorf. Vor zwei Monaten schloss der Kanton die letzten Arbeiten ab; seither hat der Garagist, der direkt an der Strasse sein Geschäft hat, nach eigener Aussage bereits zwei Velounfälle miterlebt. Schuld sei der neue Randstein, der das Kiesbett der Waldenburgerbahn von der parallel laufenden Oberen Hauensteinstrasse trennt.

Recher zeigt der bz vor Ort, wie hoch der neue Randstein aus Granit ist. Wer aus Versehen mit dem Pedal zu weit an den Rand komme, bleibe dort hängen und stürze. Ausserdem sei der Rand so scharf, dass sich seine Frau bereits den Reifen aufgeschlitzt habe, erklärt Recher: «Zwei Wochen darauf habe ich wieder einen Velofahrer von der Strasse aufgelesen.»

Kanton: «Kein Unfallschwerpunkt»

Besonders wenig Verständnis («Das ist hirnlos!») hat Recher dafür, dass der alte Randstein aus Beton entfernt wurde. Granit sei wie gezeigt nicht nur gefährlicher, sondern auch teurer: «Und ich höre immer, der Kanton müsse Geld sparen.» Auf seine Intervention beim Kanton sei lediglich die Antwort gekommen, man könne nichts weiter tun. «Ich bete, dass nie etwas Schlimmes passiert», sagt Recher. Der Kanton könne nun nicht mehr sagen, er habe von nichts gewusst.

Tatsächlich ist man sich im zuständigen Tiefbauamt keiner Gefahrenstellen bewusst. «Die Unfälle sind bedauerlich. Die Obere Hauensteinstrasse ist uns aber nicht als Unfallschwerpunkt bekannt», sagt Urs Hess, Verantwortlicher für die Kantonsstrassen. Die Polizei informiere das Tiefbauamt monatlich über Unfallschwerpunkte. Da der Velostreifen erst seit zwei Monaten in Betrieb sei, stehe er allerdings vermutlich erst beim nächsten Treffen auf der Tagesordnung. Der Kanton habe sich durchaus etwas überlegt bei der Auswahl des Materials, sagt Hess: «Granit ist dauerhafter als Beton. Langfristig sparen wir damit Geld.» Der Velostreifen sei ausserdem breit genug. Der Randstein sei absichtlich so hoch, um zu verhindern, dass Velofahrer auf das Gleis der Waldenburgerbahn gerieten.

Garagist Recher lässt das aber nicht gelten: «Es kann nicht sein, dass wegen eines Standards für den Bahnbau andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden. Da muss ich einfach intervenieren.» Auch für Fussgänger sei es «lebensgefährlich», die Strasse zu überqueren. Auch darüber hat sich der Kanton Gedanken gemacht.

Laut Hess gab es Fussgängerzählungen: «Es ist alles eine Frage der Verhältnismässigkeit. Wegen ein paar wenigen Leuten, die die Strasse am Tag queren, können wir nicht 150 000 Franken ausgeben. Das entspräche nicht den Richtlinien vom Bund.»