Die psychiatrisch forensische Wohngruppe Horizonte liegt im Binninger Villenquartier hinter einer dichten grünen Hecke verborgen. Ein hölzerner Zaun dahinter bietet vollständigen Sichtschutz – und nährt die nachbarschaftliche Spekulation, was sich im Wohnheim wohl abspielt.

Vor zwei Wochen berichtete die «Schweiz am Wochenende» erstmals über das Unbehagen der Nachbarschaft und den unsicheren Wissensstand der Gemeinde, ob die Institution über die notwendigen Bewilligungen verfügt.

Nun ist bei der Gemeinde ein Baugesuch eingegangen. Gebaut wird allerdings nichts, wie sich aus den einsehbaren Plänen ergibt. Das Projekt ist vielmehr eine «Zweckänderung», die Umwandlung eines repräsentativen Einfamilienhauses mit grossem Umschwung in eine Wohngruppe.

Politischer Vorstoss

Die zuständige Gemeinderätin Barbara Jost (SP) erklärt, der Kanton fordere von den Betreibern die nachträgliche Zweckänderung. Der kantonale Bauinspektor Andreas Weis sagt, es werde geprüft, ob die Wohngruppe «bewilligungsfähig und -pflichtig» sei. Grund für die Klärung sei eine Anzeige. Wer diese eingereicht hat, will Weis aus «Datenschutzgründen» nicht sagen.

Der Quartierbevölkerung bietet das Baugesuch die Gelegenheit, um sich gegen die sie verunsichernde Nachbarschaft zu wehren. Bis zum 23. April kann sie Einsprache erheben.

Kommende Woche bereits muss der Gemeinderat an der Einwohnerratssitzung die Fragen von Einwohner- und Landrat Sven Inäbnit (FDP) beantworten. Dieser fordert nicht nur Auskunft über zonen- und bewilligungsrechtliche Fragen, sondern auch darüber, welchen Hintergrund die Wohnheimbewohner haben.

Der Binninger Gemeinderat habe sich noch keine Meinung gebildet, sagt Jost. Eine ablehnende Haltung ist aber wahrscheinlich: Bereits beim ersten Anlauf des Wohnheims Horizonte im November 2016, eine offizielle Heimbewilligung zu erhalten, votierte die Gemeinde dagegen. Die Wirkung blieb jedoch bekanntlich bescheiden.