Hiobsbotschaft für die 70 Mitarbeitenden der Firma List in Arisdorf: Die Firma schliesst. Seit der akuten Zuspitzung der wirtschaftlichen Notlage habe Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der List AG intensive Verhandlungen mit zahlreichen möglichen Partnern im In- und Ausland geführt, heisst es in einer Medienmitteilung. Die Gründung einer Auffanggesellschaft für Teile des Unternehmens mit einem Industriepartner erwies sich als nicht gangbar. Und trotz verbindlich zugesagter Mittel einer Investorengruppe im Umfang von 6 Millionen Franken gelang es nicht, eine «für die involvierten Finanzinstitute akzlieptable Lösung» für das zahlungsunfähige Unternehmen zu finden. Aus diesem Grund sei List gezwungen, die Bilanz beim zuständigen Gericht zu deponieren. Der endgültige Wegfall aller 70 Arbeitsplätze am Hauptsitz in Arisdorf sei unvermeidlich. Die Firma stellte hoch spezialisierte Knetmaschinen für die Öl- und Chemieindustrie her. Die Rührwerke haben ganz besondere Designs, die das Mischen von trockenen oder sehr klebrigen Massen überhaupt erst möglich macht oder zumindest optimiert.

«Herbe Enttäuschung»

«Für mich ist der Entscheid, unser 50-jähriges Traditionsunternehmen zu schliessen, sehr traurig. Ich bedaure insbesondere, dass wir trotz aller Anstrengungen den Verlust der Arbeitsplätze nicht abwenden konnten», so Klaus R. List, Präsident des Verwaltungsrates. Karsten Güdemann, CEO, fügt an: «Das Ende der List AG ist eine herbe Enttäuschung für alle Mitarbeitenden. Sie haben sich bis zuletzt hoffnungsvoll und vorbildlich für die Zukunft des Unternehmens eingesetzt. Dafür gebührt ihnen unser aufrichtiger Dank.» Für die Entlassenen gibt es keinen Sozialplan, gemäss Auskunft der Medienstelle hat die Firma keine finanziellen Reserven mehr. Die Angestellten sind praktisch alle sehr gut ausgebildete Technologen und Ingenieure.

Der Hightech-Knetmaschinenhersteller kämpfte seit einiger Zeit mit ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten und konnte die Löhne im März nur verspätet zahlen. Das Unternehmen hatte im Herbst 2015 Kurzarbeit eingeführt und weitere tief greifende Sparmassnahmen eingeleitet, die aber nicht den erhofften Turnaround brachten.

Keine Franken-Problematik

Das Unternehmen entwickelte nahezu ausschliesslich in der Schweiz und erwirtschaftete annähernd 100 Prozent der Erträge im Ausland. Erstaunlich: Das Ende der List hat nichts mit der Frankenstärke zu tun. Vielmehr seien erwartete Aufträge der Öl- und Chemiebranche nicht ausgelöst worden. Die Investitionen in der Ölbranche sind wegen des tiefen Ölpreises nahezu vollständig eingebrochen. Die Problematik des List-Geschäftes war, dass die Einzelaufträge wohl sehr gross waren, aber unregelmässig hereinkamen.

Christ&Gantenbein-Gebäude

Das Ende von List ist insofern tragisch, dass die Firma 2013 in Basel den Swiss Venture Capital Preis gewonnen hatte. 25 Millionen investierte List in einen markanten Neubau für Verwaltung und Kundenempfang mit Demonstrationsmaschinen. Die Architekten waren die Museumusbauer Christ&Gantenbein.

Die Firma wurde 1966 von Heinz List gegründet, der zuvor bei der Buss AG in Pratteln arbeitete.