Er ist der einzige Dom der Schweiz. Aber dieser Titel besagt wenig, wenn man bedenkt, dass das deutlich ältere Basler Münster schon alle Bezeichnungen wie Dom, Münster und Kathedrale mitgemacht hat. Und von jener Kirche kamen ursprünglich die Basler Domherren, die sich 1678 den «überaus fruchtbaren, gesunden und lustigen Ort» Arlesheim als neues Domizil wählten, nachdem sie vor der Reformation von Basel nach Freiburg im Breisgau hatten fliehen müssen. Im Rekordtempo bauten sie dort nicht nur ihre zahlreichen Residenzen, die noch heute den Domplatz säumen, sondern von 1680 bis 1681 auch ihre neue, repräsentative Kirche im Barock-Stil.

Leseraktionen der Arlesheimer-Woche

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Deshalb ist es natürlich nicht nur die Bezeichnung Dom, die die Arlesheimer so stolz auf ihre Kirche macht. Der Name mag Schall und Rauch sein; die Mauern stehen aber da. Und das seit 334 Jahren, wenn man von der Umgestaltung der Turmkuppeln 1723 und der Chorerweiterung 1759 bis 1761 absieht. Und er steht in einer Pracht da, die in der Nordwestschweiz einzigartig ist, wenn man Alois Schmidlin glaubt – dem Mann, der sich während der jüngsten zweijährigen Sanierung intensiv mit dem Kirchenbauwerk beschäftigt hat.

«Eine solche Kirche ist für eine kleine Gemeinde wie Arlesheim eine Würde und eine Bürde», sagt er. Studenten, die regelmässig auf dem Domplatz stehen, sowie Deckenfresken, die heute nur zu vier Prozent von ihrem Originalzustand abweichen – «weil es immer mal kleine Risse auszubessern gab» – sind die eine Seite. Die andere sind rund sechs Millionen Franken Restaurationskosten, damit der Dom seit seiner Wiedereröffnung vor zwei Wochen neu erstrahlen kann (bz berichtete).

«Alle 30 Jahre ist im Dom eine Renovation fällig», sagt Schmidlin. Natürlich immer in unterschiedlichem Ausmass. Aber wie gross die Renovierung um das Jahr 2045 auch sein wird, Schmidlin hat laut eigener Aussage «gar keine Angst» vor der Summe: «Der Arlesheimer Dom ist so ein wichtiges Bauwerk; da findet sich auf jeden Fall ein Sponsor.» Auf den grossen Gewinn spekulierten im Jahre 1798 wohl auch die beiden Arlesheimer Privatleute, die den Dom ersteigerten. Die Franzosen hatten 1793 mit Beginn ihrer knapp 25-jährigen Herrschaft im Birstal die alten Domherren vertrieben; deren Versuch, das Gebäude aus dem Exil zurückzuerlangen, war gescheitert.

Doch ausser dem Ruf, habgierige Egoisten zu sein, brachte der Dom-Erwerb den beiden Investoren, unter ihnen der Schuhmacher Joseph Christ, lange Zeit nichts ein. Die Domherren waren 1803 gänzlich entmachtet worden; und obwohl der Dom zwischenzeitlich wieder für Gottesdienste genutzt wurde, hielt ihn der damalige Pfarrer für zu gross und favorisierte den angefangenen Ausbau der Arlesheimer Pfarrkirche St. Odilia. Ein Mann mit wenig Weitblick, würde Schmidlin wohl sagen, denn der Pfarrer hätte wohl nicht verhindert, dass Besitzer Joseph Christ den Dom abgetragen hätte, um wenigstens aus den Baumaterialien Kapital zu schlagen.

Wesentlich mehr nach Schmidlins Gusto handelte da Franz Xaver von Maler: Er war der einzige ehemalige Domherr, der sich 1801 zurück nach Arlesheim traute. Den Dom kaufte er zurück. Danach wechselte das Gotteshaus noch von Einwohner- zu Bürger- und 1904 schliesslich zur Kirchgemeinde Arlesheim. Seither dient es ohne Unterbruch seinem eigentlichen Zweck: als Ort für Gebet und Gottesdienste.

Widerlegte Rossstall-Legende

Und den «Rossstall», den die Franzosen zu Beginn ihrer Besetzung angeblich daraus machten, weist der Autor des «Kleinen Kunstführers», Claus Detjen, in das Reich der «historisch nicht belegten Legenden». Belegt sind hingegen die vier täglichen Gottesdienste, die zu Zeiten der Domherren in der Kirche abgehalten wurden. Ob die adligen Herren damals deshalb frömmer waren als die heutigen Arlesheimer Katholiken, die ihren Dom nun hegen und pflegen, darf bezweifelt werden.