In Arlesheim entsteht am Stollenrain neuer Wohnraum. Die Gemeindeversammlung genehmigte am Mittwoch den Quartierplan Stollenrain West mit grossem Mehr. Auf dem Areal der Gehörlosen- und Sprachheilschule Riehen (GSR) entstehen demnach drei Mehrfamilienhäuser, die alte Villa im Park bleibt bestehen. Für das Areal wurde bereits vor zwei Jahren eine Testplanung initiiert, auf die ein Mitwirkungsverfahren folgte, das als erster Stimmungstest gewertet werden konnte. Schon im Mitwirkungsverfahren wurde kaum Kritik an der Quartierplanung laut. Ähnlich war es nun auch an der Gemeindeversammlung. Einzig die SP beantragte die Rückweisung des Geschäfts, der Antrag war aber chancenlos. Parteisprecherin Lea Mani kritisierte die tiefe Ausnützungsziffer der geplanten Bebauung, die deutlich unter dem Maximalwert liegt. Insbesondere störte sich die Partei daran, dass in einem von drei Baufeldern nur geräumige «Luxuswohnungen» entstehen sollen. «Es gibt ein öffentliches Interesse an mehr Wohnraum», sagte Mani.

Langer Grüngürtel

Die tiefe Bebauungsziffer, die verschiedentlich als «Entdichtung» qualifiziert wurde, ist in der Tat aussergewöhnlich an der Lage. Auch Gemeindekommissionssprecher Marcel Liner (Frischluft) wies darauf hin, dass entlang der öV-Achsen eigentlich eine Verdichtung vorgesehen wäre. Allerdings gilt es beim Quartierplan Stollenrain West einige Besonderheiten zu berücksichtigen. So durfte der zusammenhängende Grüngürtel hin zum Dorf entlang des Stollenrains nicht tangiert werden. Weiter wies Hochbauchef Daniel Wyss darauf hin, dass die GSR als Grundeigentümerin nicht verpflichtet werden könne, überhaupt etwas auf der grossen Parzelle zu bauen.

Die GSR hat allerdings durchaus Interesse, dass gebaut werden kann. Wie ein Vertreter des Stiftungsrats erklärte, diene das Grundstück für die Schule als stille Reserve. Man wisse schliesslich nicht, wie es der GSR in 20 oder 30 Jahren gehe. Weil die Schule dort alles in ihrem Eigentum behalten wolle, stehe der Bau von Mietwohnungen im Vordergrund.

Weleda vergrössert Standort

Der anthroposophische Arzneimittelkonzern Weleda will an seinem Hauptsitz in Arlesheim den Forschungsstandort erweitern. Von den aktuell rund 2300 Mitarbeitenden des Unternehmens, sind zurzeit nur 380 in Arlesheim tätig. Die Standorte in Huningue (F) und Schwäbisch Gmünd (D) sind wesentlich grösser.

Für die Erweiterung erwirbt die Weleda eine Parzelle neben dem Werkhof für 2,4 Millionen Franken von der Gemeinde und kann den nebenstehenden Parkplatz zur Hälfte umnutzen. Sowohl die Mutation des Zonenplans für die Umnutzung des Parkplatzes wie auch der Kauf der Parzelle waren an der Gemeindeversammlung unbestritten.

«Es gibt Konkurrenzstandorte, da haben wir grosses Interesse, dass Weleda hier investiert. Schliesslich trägt das Unternehmen den Namen Arlesheims auch in die Welt hinaus», betonte der Sprecher der Gemeindekommission Stephan Kux (FDP). Dafür nimmt die Gemeinde auch eine Verletzung des Grundsatzes der Planungsbeständigkeit in Kauf. Die Weleda äusserte ihr Anliegen nämlich erst, nachdem der neue Zonenplan im April 2016 den bereits verabschiedet worden war. Das sei allerdings unproblematisch, meinte Hochbauchef Daniel Wyss (Frischluft).

Die Parzelle gehöre der Gemeinde und niemand erleide dadurch Nachteile. Zudem habe es im Mitwirkungsverfahren keine negativen Äusserungen dazu gegeben. Auch beim Kanton überwogen in der Vorprüfung die Überlegungen im Sinne der Standortförderung an einem Arbeitsplatzgebiet von kantonaler Bedeutung.