160 Quadratmeter können ganz schön klein sein. Jedenfalls dann, wenn sich weit über 100 Personen diese Fläche mit einem Boxring, zehn Boxsäcken und diversen Fitnessutensilien teilen. Genau das ist am Samstagnachmittag kurz vor halb drei im «Arnold Boxfit» in Pratteln der Fall. Zwar erstreckt sich die feierliche Eröffnung des neuen Boxklubs auf mehrere Stunden, doch die Begrüssungsrede von Inhaber und Namensgeber Arnold Gjergjaj steht kurz bevor. Und die will keiner der Gäste verpassen.

Der Profiboxer, der sportlich-elegant Sakko und T-Shirt kombiniert, tritt dorthin, wo er sich am wohlsten fühlt – in den Ring. Er bedankt sich bei Familie und Freunden, die in den letzten vier Monaten praktisch rund um die Uhr an seiner Seite gearbeitet haben, um bei der Fertigstellung seines Herzensprojekts mitzuhelfen. «Ein eigener Boxklub war schon immer mein Traum», sagt der 31-Jährige.

Nach einer passenden Lokalität in Pratteln hat Gjergjaj für sein «Arnold Boxfit» länger gesucht. «Ich habe mir viele Immobilien im Internet angeschaut», erzählt der Schwergewichtseuropameister der Nicht-EU-Staaten. Die meisten leerstehenden Räume seien aber im Industriegebiet gewesen, was dem Boxer missfiel. «Die Leute sollen gern herkommen – und wer geht schon gerne ins Industriegebiet?» Als der unter dem Kampfnamen «The Cobra» bekannte Sportler vom Gebäude an der Hertnerstrasse erfuhr, und sich dafür zu interessieren begann, bekam er zunächst Sätze zu hören, wie: «Was? Eine Boxschule in einem Wohnviertel?» Doch am Ende sei alles gut herausgekommen, auch weil der Boxer sich die Räumlichkeiten mit einer Naturärztin teilt.

150 Anmeldungen sind nötig

In der Zwischenzeit ist Angelo Gallina angekommen und richtet ein paar Worte an die Menge. «Ich kenne keinen Profi, der so nachhaltig denkt wie Arnold», sagt Gjergjajs langjähriger Trainer und guter Freund. Er lässt seinen Blick durch den Saal schweifen und meint: «Das ist einer der edelsten Boxklubs der Region.» Der Inhaber unterbricht ihn und grinst: «Du meinst wohl der Schweiz.»

Nach seiner Ansprache läuft er entspannt durch sein «Arnold Boxfit», begrüsst jeden Anwesenden persönlich, nimmt Glückwünsche entgegen, posiert für Erinnerungsfotos. 150 Anmeldungen braucht der Klub, um schwarze Zahlen zu schreiben. In den nächsten Wochen wird Arnold Gjergjaj, der zwei Boxtrainer beschäftigt, täglich anwesend sein und den neuen Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

In etwas weiterer Zukunft wird er sich aufgrund seiner Karriere ab und zu rar machen müssen. Im Juni oder Juli, so schätzt er, wird er das nächste Mal selbst im Ring stehen. Ort, Gegner und Art seines nächsten Fights stehen allerdings noch nicht fest. «Es gab in letzter Zeit zwar viele Angebote, doch wichtig ist, dass es für mich stimmt», hält der Prattler fest.