Was in Basel-Stadt seit Jahren erlaubt ist, verbietet das Baselbiet: Asylsuchende im laufenden Verfahren (Status N) und vorläufig Aufgenommene (Status F) dürfen das Strassenmagazin Surprise nicht verkaufen. «Seit August ist das Baselbiet der einzige Kanton, der dermassen restriktiv ist. Selbst Kantone wie Zürich und Aargau bewilligen wieder den Verkauf von Surprise», sagt Surprise-Geschäftsleiterin Paola Gallo.

Der Grund: Das Baselbiet betrachtet die Verkäufer als Angestellte. Somit benötigen die Asylsuchenden eine Arbeitsbewilligung. Eine solche erhält Gallo für ihre Verkäufer wegen der restriktiven Gesetzesauslegung jedoch nicht.

Zwar schlug das Baselbiet letztes Jahr vor, dass Surprise in einem Pilotprojekt als Teil eines Beschäftigungsprogramms mitmachen dürfe. Doch dieses kam nicht zustande. Surprise zog das Projekt zurück. Dazu Gallo: «Die Verkäufer hätten das verdiente Geld wieder an Surprise abgeben müssen. Wir hätten dann zwar als Verein mehr Einnahmen gehabt, aber wir wollten unsere Leute nicht gratis arbeiten lassen.»

Landrat will Praxisänderung

Surprise versteht sich als soziales Projekt, das den Verkäufern Tagesstruktur und etwas Taschengeld ermöglicht. «Ignoriert man unseren sozialen Hintergrund, dann hat das Baselbiet recht. Aber alle anderen Kantone anerkennen unsere soziale Arbeit», betont Gallo. Surprise sieht sich als Ergänzung zu den Sozialwerken. Die Verkäufer entlasten durch ihren Lohn die Sozialhilfe.

Rudolf Schaffner, der Vorsteher des Baselbieter Sozialamts, gibt sich wortkarg. Auf seinem Schreibtisch liegt ein Landrats-Postulat vom Februar. Dieses wurde nicht nur von Linken eingereicht, sondern auch von FDP-Landrat Balz Stückelberger. «Man muss als Liberaler Surprise unterstützen», betont er. Der Verein benötige keine Steuergelder und setze auf Selbstverantwortung.

Basel hat seit 2004 eine grosszügigere Bewilligungspraxis für besagte Verkäufer. So werden beispielsweise die Bewilligungskosten erlassen.