Es ist wahrlich keine leichte Aufgabe, die der Bund von den Kantonen einfordert: Bereits Ende Jahr soll das Standort-Konzept der neuen Bundes-Asylzentren stehen. Doch die Suche läuft vielerorts erst an. So auch in der Nordwestschweiz, die insgesamt 840 Plätze für Asylsuchende bereitstellen muss. «Die zeitliche Vorgabe ist ziemlich ehrgeizig», sagt etwa Anton Lauber auf Anfrage. Der zuständige Baselbieter Regierungsrat sieht drei Hürden: die Klärung der rechtlichen, raumplanerischen Fragen, die nötigen baulichen Massnahmen sowie – nicht zuletzt – die gesellschaftliche und politische Akzeptanz.

Lauber bestätigt, dass die drei Kantone Baselland, Solothurn und Aargau mittlerweile die Suche aufgenommen haben und unter der Leitung des Bundes Standorte prüfen. Basel-Stadt hingegen kommt wegen des bestehenden Empfangs- und Verfahrenszentrums Bässlergut mit seinen rund 350 Plätzen nicht mehr infrage. Es verbleibt also ein Platzbedarf von rund 500 Plätzen, wobei der Bund für die Ausreisezentren die Mindestgrösse von 250 Plätzen vorgibt. Im Wissen, dass ein neues Asylzentrum des Bundes bei der Bevölkerung auf viel Skepsis stossen dürfte, wolle man «subtil vorgehen», wie es Lauber ausdrückt. Namen von potenziellen Standortgemeinden wolle er deshalb noch nicht offenlegen.

Pratteln ist gesprächsbereit

Aber: «Mit einer Baselbieter Gemeinde haben wir bereits konkrete Gespräche geführt, mit einer weiteren haben informelle Vorabklärungen stattgefunden.» Auch in der Arbeitsgruppe der vier Kantone und des Bundes hätte man an zwei Sitzungen bereits einige Objekte diskutiert. Der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi ergänzt, welche Kriterien entscheidend sind: «Der Standort muss in die Region eingebettet sein, nicht aber mitten im Zentrum einer Gemeinde, sondern eher peripher liegen. Kurze Wege und ein guter öV-Anschluss sind wichtig.» Er geht davon aus, dass man in einigen Wochen mit den Gesprächen bereits deutlich weiter fortgeschritten sein wird. Fest steht für Rossi eines: «Ohne den Willen der betroffenen Gemeinde geht nichts.»

Diesen Willen zeigt momentan vor allem Pratteln. Bereits im Mai signalisierte Gemeindepräsident Beat Stingelin gegenüber der bz Gesprächsbereitschaft. Doch bis jetzt hat der Kanton nicht angeklopft, wie der zuständige Gemeinderat Emanuel Trueb bestätigt. Dabei sagt er: «Wir stehen Gewehr bei Fuss und würden einen Prattler Standort sicher vertieft prüfen.» Um bereits loslegen zu können, fehle es der Gemeinde aber an genaueren Informationen, was für Bedingungen der Standort erfüllen muss und wer dort einquartiert werden soll. Trueb: «Das Gebiet Schweizerhalle ist zwar geografisch sicher interessant, doch beispielsweise für Familien mit Kindern kaum geeignet.»

Solothurn überrascht

Auch wenn Baselland die Suche vorantreibt, bedeutet das nicht, dass ein neues Asylzentrum tatsächlich dort realisiert wird. Balz Bruder, Sprecher des Departements Gesundheit und Soziales des Kantons Aargau, sagt auf Anfrage: «Wir haben auch bereits Abklärungen gemacht und verlassen uns nicht einfach auf Baselland. Schliesslich ist es nicht ganz unattraktiv, ein Bundeszentrum im eigenen Kanton zu haben.» Ein Standortkanton muss dafür nämlich weniger andere Asylsuchende oder Asylanten aufnehmen. Bloss der Kanton Solothurn scheint aus der Reihe zu tanzen: «Wir haben keinen Auftrag, selbst Standorte zu prüfen. Das ist Aufgabe des Bundes», sagt die zuständige Amtsleiterin Claudia Hänzi nach Rücksprache mit Regierungsrat Peter Gomm. Eine Aussage, die im Widerspruch zum Baselbieter Regierungsrat Lauber steht und die die Partnerkantone verwundert zur Kenntnis nehmen dürften.