Am 1. August wollten dieses Jahr nicht nur Herr und Frau Schweizer die Korken knallen lassen, sondern auch die Planer des grossen Bundesasylzentrums auf dem Muttenzer Feldreben-Areal. Vor zwei Monaten kündigte der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi in der bz nämlich an, dass das neue Registrierungszentrum für über 500 Asylsuchende nach zahlreichen Verzögerungen am Nationalfeiertag seine Tore öffnen werde. «Wenn denn auch wirklich alles rund läuft», merkte er wohlweislich an.

Nun steht praktisch fest: Der 1. August ist nicht zu schaffen. Rossi bezeichnet das Datum auf Anfrage als «nicht mehr so realistisch». Der Grund: Noch immer sind zehn Einsprachen gegen das Baugesuch des Kantons beim Bauinspektorat hängig. Rossi spricht aber von vier bis sechs Wochen, die es brauche, um jene Arbeiten auszuführen, für die das Baugesuch nötig war. Also etwa das Aufstellen der rund 100 Holz- und Steinhütten in den Feldrebenhallen.

Im Idealfall Start Mitte August

Der schnellstmögliche Fahrplan sieht hingegen so aus: «Wenn wir das Baugesuch noch diese Woche durchbringen und mit dem Bund eine gestaffelte Inbetriebnahme vereinbaren, könnten wir es wohl in drei Wochen schaffen.» Damit geht das optimistischste Szenario von einem Bezug der ersten Halle mit rund 250 Plätzen in der zweiten Augustwoche aus. Die Staffelung ist möglich, weil die Querhalle bezogen werden und gleichzeitig abgetrennt in der Längshalle die Bauarbeiten weitergehen könnten.

Dieser Zeitplan geht aber nur auf, wenn sämtliche Einsprachen zurückgezogen werden. Denn der kantonale Bauinspektor Andreas Weis anerkennt auf Anfrage zwar die Dringlichkeit des Begehrens, sagt aber auch: «Wir sind aktuell bloss auf Standby und warten auf das Signal des Kantons, eine Beurteilung der Einsprachen vorzunehmen.» Dies sei schnellstens innert gut einer Woche möglich. Darauf folgen zehn Tage Beschwerdefrist mit der Möglichkeit, den Entscheid an die Baurekurskommission und danach ans Kantonsgericht weiterzuziehen.

Klarheit in den nächsten Tagen

Deshalb erstaunt es nicht, dass Rossi mit allen Mitteln versucht, sich mit den Einsprechern zu einigen. Und hier zeichnet sich über fünf Wochen nach Aufnahme der Verhandlungen der Durchbruch ab. Wie die bz weiss, traf Rossi gestern den Rechtsvertreter jener sechs rund um das Feldreben-Areal angesiedelten Unternehmen, die eine Sammeleinsprache wegen Sicherheitsbedenken eingereicht haben. Den Lead hat dabei die Rennbahnklinik. Zwar haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart, doch die Zuversicht steigt. So sagt Rennbahnklinik-Direktor Philip Klopfenstein – noch vor dem Treffen – zur bz: «Stand heute verlaufen die Gespräche tendenziell positiv.» Es darf daher davon ausgegangen werden, dass der Kanton bereits Zugeständnisse gemacht hat. Im Zentrum steht dabei die Forderung nach einem Wachdienst, der nachts auch ausserhalb des Asylzentrums patrouilliert.

Auch Rossi schweigt zu den Inhalten, bezeichnet die Gespräche aber als «sehr konstruktiv». Er hofft, in den nächsten Tagen eine Einigung zu erzielen. Dasselbe gilt für die vier weiteren Einsprachen. Auch für jene, die als einzige nicht die Sicherheit, sondern mit der Zonenkonformität wirklich einen Bestandteil des Baugesuchs kritisiert (bz berichtete).

Auch Muttenz setzt Druck auf

Dass es wirklich noch im August losgeht, fordert auch Muttenz. Gemeindepräsident Peter Vogt: «Es muss jetzt vorwärtsgehen und darf nicht nochmal zwei bis drei Monate dauern.» Der Druck steige einerseits wegen der zunehmenden Asylzahlen. Andererseits aber auch wegen der auf zwei Jahre beschränkten Betriebsdauer des Asylzentrums. Denn für August kündigte der Kanton endlich die Sanierungsverfügung der Deponie Feldreben an. Und deren Umsetzung dürfte ebenfalls rund zwei Jahre dauern. Vogt sagt klar: «Dort darf es keine Verzögerung geben.» Auch möchte er vermeiden, dass wegen einer noch längeren Wartezeit wieder die Skepsis in der Muttenzer Bevölkerung zunimmt.