Mit ihrer scharfen Kritik an SP-Regierungskandidatin Kathrin Schweizer haben sechs bürgerliche Gemeindepräsidenten und -räte an einer Medienkonferenz am Montag den Wahlkampf so richtig lanciert. Dass Schweizer im Gegensatz zu ihrem Kontrahenten Thomas de Courten (SVP) nicht teamfähig sein soll, schlägt hohe Wellen.

«Das sind faktenfreie Behauptungen. Einfach abstrus», sagt SP-Präsident Adil Koller. Es gebe Belege für ihre Teamfähigkeit – im Gegensatz zu SVP-Nationalrat de Courten verfüge sie als Vizegemeindepräsidentin von Muttenz über Erfahrung in einer Kollegialbehörde, fügt Koller an.

Unqualifizierte Kritik

Nicht nur in der SP, auch in der politischen Mitte reagieren einige irritiert auf die Urteile der Gemeindepräsidenten Giorgio Lüthi (CVP, Münchenstein), Nicole Nüssli (FDP, Allschwil) und Ermando Imondi (SVP, Zwingen). So die Ettinger Gemeinderätin und ehemalige CVP-Landrätin Christine Gorrengourt: Sie hat im Gegensatz zu den Kritikern mehrere Jahre mit Schweizer und de Courten im gleichen Gremium – im Kantonsparlament – politisiert.

Die Attacke auf Schweizer finde auch sie als bürgerliche Politikerin nicht korrekt. «Wer beide kennt, kann kaum zum Schluss kommen, dass Thomas de Courten der bessere Teamplayer sei.» Sie habe sich im Landrat zum Ziel gesetzt, über die Parteien hinweg mit allen Gespräche zu führen.

Mit de Courten, der lange als SVP-Fraktionschef amtete, sei das schwierig gewesen: «Er hat den Kontakt zu Andersdenkenden nicht gesucht – als künftiger Regierungsrat müsste er sich heute aber so verhalten.» Gorrengourt hält SP-Kandidatin Schweizer im Gegensatz zu de Courten für wählbar; sie wird zudem, wie am CVP-Parteitag im Herbst beschlossen, die drei bürgerlichen Bisherigen Anton Lauber (CVP), Monica Gschwind (FDP) und Thomas Weber (SVP) unterstützen.

Auch Biel-Benkens Gemeindepräsident Peter Burch (CVP) hält die Kritik an Schweizer für unqualifiziert. Insbesondere die Behauptung, sie sei eine Parteisoldatin, hält Burch für «mutig», wo doch SVP-Kandidat de Courten bei der Personenfreizügigkeit eine Meinung vertrete, die den Interessen der regionalen Wirtschaft zuwiderlaufe. Burch begrüsst es, wenn alle massgebenden politischen Kräfte in die Regierung eingebunden sind – so auch die SP.

Gerne hätte die bz mit bürgerlichen Gemeinderatskollegen von Schweizer in Muttenz gesprochen. Alain Bai (FDP) will sich zur Kontroverse nicht äussern. Über Schweizer sagt er immerhin: «Auf der persönlichen Ebene habe ich es gut mit ihr.» Gemeindepräsident Peter Vogt (CVP) war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

«Mehr Führungskompetenzen»

Auf Anfrage präzisiert Münchensteins Gemeindepräsident Giorgio Lüthi (CVP) seine Aussagen: Er habe Schweizer nicht attackieren wollen und nicht gesagt, sie sei nicht teamfähig. «Wenn ich aber die Wahl habe zwischen Kathrin Schweizer und Thomas de Courten, dann wähle ich de Courten. Er hat grössere Führungskompetenzen und ist mehr der Teamplayer.» Er kenne beide gut – Schweizer als Gemeinderatskollegin der Nachbargemeinde im Planungsgremium Birsstadt. Er traue sich eine Beurteilung der Fähigkeiten zu, so Lüthi.

Kathrin Schweizer sagt hingegen, dass die Kontakte zu den Gemeindevertretern, die sie an der Medienkonferenz kritisiert hatten, eher flüchtig seien. Regelmässig treffe sie sich mit einer einzigen Gemeinderätin, mit allen anderen sitze sie nicht in einem Entscheidgremium. Die von Allschwils Gemeindepräsidentin Nüssli vorgebrachte Kritik, Schweizer fokussiere einseitig auf den öV, weist die SP-Kandidatin zurück: «Ich befürworte den Bau des Zubringers ins Bachgraben-Gebiet.» Hier liege sie auf der Linie Nüsslis. «Wenn ich im Gegensatz zu ihr den Bau des Westrings ablehne, so tue ich das im Einklang mit der Mehrheit der Baselbieter Bevölkerung.»