Daniel Studer ist enttäuscht. Noch im vergangenen Frühling hatte sich der passionierte Harassenläufer über den Departementswechsel seiner Intimfeindin Sabine Pegoraro gefreut. Von ihrem Nachfolger Isaac Reber erhoffte er sich statt Repression mehr Kooperation. «Offenbar hat sich nun aber gar nichts verändert», beschwert sich Studer nun, nachdem er die Rahmenbedingungen für den nächstjährigen Bierlauf gelesen hat.

Nulltoleranzpolitik wird fortgesetzt

In der Tat scheint Reber an die Nulltoleranzpolitik seiner Vorgängerin in der Sicherheitsdirektion anzuknüpfen. Gemäss einem Schreiben verlangt der Kanton nämlich, dass die Harassenläufer bis 30 Tage vor dem Anlass bei den Gemeinden Reinach und Münchenstein eine Bewilligung beantragen. Wenn sich bis dahin kein Organisationskomitee finden lässt, sei der Lauf illegal. «Es ist einfach: Die Rahmenbedingungen sind klar und die Spielregeln fair», sagt der Generalsekretär der Sicherheitsdirektion, Stephan Mathis.

Eine etwas gar einfache Schuldzuweisung

Ein solcher Antrag kommt aber für Studer nicht infrage: «Wir werden nicht dafür geradestehen, wenn irgendwelche Typen Schäden anrichten.» Und genau dafür sei dieses Komitee da. Vor einem Jahr schloss er sich kurz einem solchen Gremium an, zog sich aber schliesslich zurück. Er wirft dem Kanton damit eine etwas gar einfach Schuldzuweisung vor. Schliesslich seien er und «seine Leute» es, die in der Vergangenheit den Abfall entsorgt hätten und Pöbeleien verhindert. Mathis glaubt genau hier das mangelnde Verantwortungsbewusstsein der Harassenläufer zu erkennen: «Das ist ja genau das Problem. Es gab in den vergangenen Jahren kein Organisationskomitee, das die Verantwortung übernimmt.»

Statt sich um die Bewilligung in den Gemeinden zu bemühen, will Studer nun stattdessen an einem «illegalen» Harassenlauf mitmarschieren. «Illegal» sei ein solcher Lauf ohnehin nicht, solange man in der Sperrzone keinen Alkohol trinke, weiss der Jus-Student.
Wieder populärer werden

Wie wiele werden sich auf den zweiten Marsch begeben

Klar ist nun, dass es auch am 1. Mai 2012 einen Harassenlauf geben wird. Offen ist, welche Route die Biertrinker wählen werden und vor allem: Wie viele sich dann noch auf den Marsch begeben wollen, der vor ein paar Jahren Volksfestcharakter hatte. In diesem Jahr waren von den einst Tausenden noch ein paar Dutzend übrig. Studer sagt, dass er sich für das nächste Jahr einen grösseren Anhang erhofft. Zudem schwebt ihm vor, wieder zur Originalroute zwischen Reinach und der Grün 80 zückzukehren.

Auf die Ansage der Bierläufer reagiert man bei der Sicherheitsdirektion gelassen. Die klaren Regeln und Polizei-Aufgebote der vergangenen Jahre hätten immerhin dazu geführt, dass sich keine Körperverletzungen und Sachbeschädigungen ereignet haben, findet Mathis.