Einen Tag vor Anmeldeschluss liegen bei der Parteileitung der Baselbieter SVP vier Bewerbungen für den frei werdenden Regierungsratssitz vor. Bereits bekannt waren die Ambitionen der Landräte Thomas Weber und Dominik Straumann. Nun hat die bz bei der SVP-Parteileitung in Erfahrung gebracht, dass sich auch Nationalrat Thomas de Courten und Landrat Paul Wenger zu einer Kandidatur durchgerungen haben. Damit dürfte das Kandidatenfeld im Hinblick auf die Nominationsveranstaltung vom 17. Januar fast komplett sein. Zu erwarten ist, dass womöglich noch ein Kandidat und eine Kandidatin dazu stösst. «Die Frauen haben sich ein bisschen länger Bedenkzeit ausbedungen», sagt Parteipräsident Oskar Kämpfer. Landrätin Sandra Sollberger, deren Name mehrmals durch die Presse kursierte, ringt derzeit mit sich selber - und mit ihrer Familie. Bis morgen will sie einen definitiven Entscheid treffen. Der ebenfalls als Kandidat gehandelte Ex-Landratspräsident Hanspeter Ryser will seinen Entscheid heute bekannt geben.

Konsens als Trumpf?

Während über de Courtens Regierungskandidatur schon länger spekuliert wird, kommt diejenige des Reinacher Gemeinderats Paul Wenger einer Überraschung gleich. Die Überlegung hinter seiner Bewerbung ist taktischer Natur: Die starke Reinacher Sektion, der Wenger angehört, will ein Zeichen setzen. Der Präsident der landrätlichen Bildungs- Kultur- und Sportkommission sagt denn auch deutlich: «Dies ist keine Alibikandidatur. Ich bin überzeugt, dass die Wahl im Unterbaselbiet entschieden wird.»

Eine erste kleine Spitze in der parteiinternen Ausmarchung? Schliesslich gelten auf der Liste der Bewerber insbesondere die Oberbaselbieter SVP-Vertreter als profiliert. Der Rünenberger Thomas de Courten, der gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, geniesst als Nationalrat und Baselbieter Wirtschaftsförderer hohe Medienpräsenz. Und der
Buusner Thomas Weber war 2004 bis 2005 Präsident seiner Partei. Einen Vorteil sieht Wenger neben seiner Herkunft in seinem konsensorientierten Politstil und seinem Mut, insbesondere in Bildungsfragen gegen die Fraktionsmehrheit zu argumentieren. «Und die CVP und FDP haben mehrfach klar gemacht, dass sie keinen Hardliner unterstützen werden.»

Zieht sich noch jemand zurück?

Inwieweit die SVP letztendlich auf die Befindlichkeiten der anderen Parteien Rücksicht nimmt, ist fraglich. Vor der Nominationsveranstaltung werden die Kandidaten parteiintern zu einem Gespräch eingeladen, wo ihnen ihre Chancen aufgezeigt werden. «Dabei wollen wir auf ihre Akzeptanz und auf ihre Fähigkeit der Mobilisierung eingehen», sagt Parteipräsident Oskar Kämpfer. Gut möglich, dass sich nach diesen persönlichen Gesprächen am 10. und 11. Januar noch jemand zurückzieht. Im Vordergrund steht gemäss Kämpfer die Suche nach jemandem, der die «Qualität der jetzigen Regierungsarbeit anhebt. Unser Wunschkandidat ist ein Manager, der auch mit leitenden Beamten umgehen kann.»