Samstagmorgen, kurz vor 11, in der Sporthalle in Aesch. Die Red Eagles und ihr Betreuungsteam treffen die letzten Vorbereitungen für ihr Training. Die Spieler sind lange vor dem Anpfiff in der Halle eingetroffen. Kurz vorher reinplatzen geht nicht: Es braucht Zeit, bis alle parat sind. Jeder Spieler muss von seinem normalen Rollstuhl in einen Sportrollstuhl gehoben werden. Vereinspräsidentin Anneli Cattelan strahlt: «Das ist grossartig. Bis letzte Saison mussten wir bei den Turnieren mit den normalen Rollstühlen spielen. Das war echt deprimierend. Die Technik hat gestimmt, aber die Rollstühle waren einfach zu langsam.»

Die Red Eagles sind das einzige Elektro-Hockey-Team der beiden Basel. Mittlerweile sind alle bereit, rollen durch die Halle und Spielen Bälle hin- und her. Elf Spieler gehören zum Team, einmal in der Woche trainieren sie unter der Leitung von Trainer Hansjörg «Böbu» Bopst. Er ist ein strenger Trainer. «Das war der denkbar schlechteste Pass, den du spielen konntest», ruft er durch die Halle. Und: «Redet nicht so viel! Wenn wir plaudern wollen, dann machen wir eine Teamsitzung. Jetzt geben wir Gas!»

Die Hockeyaner beim Spiel.

Die Hockeyaner beim Spiel.

E-Hockey - oder Powerchair Hockey – wird von körperbehinderten Personen gespielt, die im Alltag auf einen Elektrorollstuhl angewiesen sind. Frauen und Männer spielen in gemischten Teams, Alterskategorien gibt es keine. Ein Team besteht aus vier Feldspielern und einem Torhüter. Nicht alle Spieler sind gleich ausgerüstet: Je nach Grad der Behinderung halten sie einen Hockeyschläger in der Hand, oder sie spielen mit einer am Rollstuhl befestigten Schaufel, dem Festschläger. Eine wichtige Regel lautet, dass sich immer mindestens zwei Spieler mit einem Festschläger auf dem Feld befinden müssen. Dazu werden unterschiedliche Behinderungen berücksichtigt. Jeder Spieler hat eine bestimmte Punktzahl, je nach Grad seiner Beeinträchtigung. Die am wenigsten beeinträchtigten Spieler auf dem Feld haben vier Punkte, die schwächsten einen Punkt. Insgesamt dürfen sich elf Punkte auf dem Feld befinden. Ein Spiel dauerte zweimal zwanzig Minuten.

Anneli Cattelan steht am Spielfeldrand und schaut zu, zusammen mit Eltern und Betreuern. Ihr Sohn spielt ebenfalls im Team der Red Eagles. Vor rund fünf Jahren hatte Cattelan die Idee, das Hockeyteam zu gründen. «Es gab damals einfach keinen Verein in der Region, indem Menschen mit Elektrorollstuhl Sport treiben konnten», erinnert sie sich. Mittlerweile wird in der Schweiz in sieben Städten Powerchair-Hockey gespielt. Es gibt rund 140 aktive Spielerinnen und Spieler. Das bedingt aber auch einiges an Organisation: Das regionale Team reist gemeinsam im Mannschaftsbus an die Auswärtsspiele und dieser Teamgeist ist ansteckend: Der Busfahrer, der die Mannschaft an die Turniere fährt, liess sich beispielsweise erst kürzlich zum Schiedsrichter ausbilden. Auch die sportliche Leistung der Red Eagles stimmt: Im Schweizer Cup wurden sie in der letzten Saison Fünfte, waren das bestklassierte Team aus der Nationalliga B. Diese Saison wollen sie diese Leistung bestätigen, und wenn möglich sogar verbessern. Dafür geben sie im Training alles. «Spielt nach vorne!», ruft Böbu. «Ich will keinen sehen, der hinten hockt und das Tor hütet!».

Die Spieler schwitzen, sind konzentriert, geben alles. Verbissene Gesichter sind aber keine zu sehen, im Gegenteil: Viele strahlen, freuen sich über gelungene Pässe und Block-Aktionen. Für Anneli Cattelan ist das das Beste am Training der Red Eagles: «Alle können hier ihre Behinderung vergessen, und einfach ein ganz normales Sportteam sein.»