Sissach startet traditionell mit dem sonntäglichen Umzug in die Fasnacht. Auch heuer säumen Tausende die Trottoirs entlang der Route von der Rheinstrasse durch die Begegnungszone bis zur Bahnhofstrasse. Wie immer stehen in der Bezirksmetropole die lokalen und regionalen Ereignisse im Vordergrund. Mehrere Guggen und Cliquen feiern sich am Umzug jeweils selber mit einem runden oder halbrunden Geburtstag ihres Bestehens. Dabei gäbe es genügend andere publikumsfreundlichere Themen.

Bevor die erste Formation um zwei Uhr startet, ist bei den 73 Wagen, Guggen, Cliquen und anderen Formationen Geduld in den Bereitstellungsräumen gefragt. Die organisierende Fasnachtsgesellschaft Sissach erbringt einmal mehr eine logistische Meisterleistung, um den Umzug ohne Stau und grössere Lücken abzuwickeln.

Zwei Drittel der Gruppen, genau 50, paradieren mit einem Wagen durch die Sissacher Gassen. 18 Guggen sorgen mit ihren schrägen Tönen für einen gewaltigen Sound. Schliesslich bereichern auch noch fünf Cliquen die Machtdemonstration.

Den Sonnenuntergang schreiben sich gleich mehrere Gruppierungen auf die Fahnen, wie etwa die einheimische Nuggi-Clique samt Junger Garde im Schlepptau. Die Clique widmet dem inzwischen wegen Umbauarbeiten geschlossenen Traditionshaus ein ganzes Dutzend Verse, verbunden mit einer Bitte an den neuen Besitzer Michele Linsalata:

Hesch gemerkt, was mir gärn hätte?
Gäll, Linsalata, sig e Nätte!
Lo d Sunne doch, sie ghört dohi
als richtig gueti Beiz lo sii!
Denn bisch für eus dr Bescht,
mir chömme gärn als dini Gescht.

Die Guggä Rugger mit dem originellsten Gefährt

Etwas gar pessimistisch sieht das die Spoot-Zünder Clique, die befürchtet, dass der neue Besitzer die «Sonne» in eine Altersresidenz umwandeln könnte. Mit dem Vers auf dem Wagen und den Schlusssatz «Adie Sunne» scheinen sich die Spoot-Zünder mit dem Schicksal des Hauses abgefunden haben.

Die Rickenbacher Wüehlmüüs, bekannt für ihre direkte Sprache, nehmen auf ihrem Postauto den Skandal um die manipulierten Betriebsrechnungen von Postauto aufs Korn und stellen lakonisch fest: «D Subventione si für e Arsch.»

Um beim Geld zu bleiben: Die Wenslinger Die drümmlige Schwybogebrünzler nehmen sich ihres Gemeindeoberhaupts an, der in der Sendung «Bauer, ledig, sucht», eine Kandidatin an der Angel hatte, die sich dann doch nicht als das Gelbe vom Ei erwiesen hat. Die «Brünzler» kennen auch den Grund, wie am Wagen zu lesen ist:

Es Zürcher Fraueli mag er nit,
will s für die keini Subventione git.
Das Riesengefährt aus Buus


Gäbe es einen Preis für das originellste, nicht das grösste, Gefährt, so ginge die Auszeichnung zweifellos an die Guggä Rugger Buus. «Candyland» nennt sich die Kreation. An der Längsachse in der Fahrrichtung drehen sich gegenläufig etwa zehn karussellartige Räder, auf denen die Musikantinnen und Musikanten sitzen. Das Publikum quittiert den Auftritt der Buusner Gugge mit spontanem Applaus.

Auch die Wintersinger Räblüs und Räbäschränzer setzen sich publikumswirksam als Astronauten der Nasa und mit einer Rakete in Szene. Die einheimischen Bierstürzer laden die «Wystube zum Sydebändel» kurzerhand auf ihren Wagen. Sie finden es lobenswert, dass die Beiz bei der Aktion «Nette Toilette» mitmacht. Sie schreiben folgende Zeilen (Achtung, fürs Verständnis: Puvi heisst der Beizer):

Ich als Fasnächtler
weiss das schon lang,
dass ich nur wägem Cordon bleu
zum Puvi gang!

Die Schluckspechte aus Oltingen warnen vor dem Blitzkasten in Radarfluh und stellen die Geschichte mit dem gesprengten Kasten auf dem Wagen ziemlich echt eins zu eins nach. Die kommenden Wahlen sind am Umzug nur eine Randerscheinung, ebenso die Bauabrechnung der Kunsti mit dem anstehenden happigen Nachtragskredit.
Der zweistündige Sissacher Umzug ist der Publikumsmagnet der Oberbaselbieter Bauernfasnacht. Mit 73 Gruppen hat er aber eine Obergrenze erreicht.