Das Referendumskomitee «Für eine Kunsti mit Zukunft» sammelt in Sissach eifrig Unterschriften. Es will, dass an der Urne abgelehnt wird, was die Einwohner-Gemeindeversammlung am 9. April mit grossem Mehr genehmigt hat. Mit einem Kredit von maximal 700'000 Franken soll das Dach der Sissacher Kunsteisbahn saniert werden. Bedingung für den Start der Sanierung: Es dürfen keine «beweisrelevanten Tatsachen» verloren gehen.

Sissach möchte möglichst nicht auf Kosten sitzen bleiben, die es nicht verursacht hat. Im Oktober 2012 musste die Eishalle geschlossen werden, weil das Dach einzustürzen drohte. Kommt das Referendum zustande, wird frühestens am 9. Juni darüber abgestimmt

Terminplan gerät in Gefahr

Aus Sicht der zuständigen Sissacher Gemeinderätin Beatrice Mahrer würde ein Urnengang einen massiven Einschnitt in den straffen Terminplan darstellen. «In diesem Fall wird es bis dahin kaum mehr möglich sein, das ehrgeizige Ziel zu erreichen, im Herbst wieder Eis zu haben.» Und genau dies sei für die Vereine EHC Zunzgen-Sissach und Curling-Club Sissach überlebenswichtig, sagten ZS-Vorstandsmitglied Roman Auf der Mauer und Curling-Club-Präsident Hansjakob Speich schon an der Gemeindeversammlung unisono.

Für André Brunner vom Referendumskomitee ist klar: Der Gemeinderat sollte nun «endlich umgehend» die im Hinblick auf die baujuristischen Abklärungen notwendigen Schritte in die Wege leiten. «Weshalb während Monaten abgewartet wurde und noch kein entsprechendes Gerichtsverfahren hängig ist, kann nicht nachvollzogen werden.» Welches für das weitere Vorgehen die beste Lösung sei, könne ohne Kenntnis der notwendigen Informationen nicht abschliessend beurteilt werden. Sollte das Referendum scheitern, ist Brunner überzeugt, «entstehen erhebliche, unnötige Mehrkosten, die niemandem dienen».

Dachbauer will Gerichtsverfahren

Dem hält Beatrice Mahrer entgegen: «Der Gemeinderat hat für die Kunsti eine Zwischenlösung präsentiert, um den Eissport in der Region zu erhalten.» Es handle sich um einen Teil-Rückbau des sanierungsbedürftigen Daches, der sowieso anfalle. Das Dach könne nicht an Ort und Stelle über dem Eisfeld saniert werden. «Dieser Zwischenschritt sollte möglichst rasch umgesetzt werden, damit die Möglichkeit, im Herbst wieder auf der Kunsteisbahn Eis zu haben, überhaupt realistisch bleibt.»

Eine vollständige, umfassende Sanierung für die Kunsteisbahn zu planen, brauche Zeit und Geld, sagt Mahrer. «Wir stehen unter Zeitdruck, was den Sport anbelangt. Die finanziellen Ressourcen müssen beschafft werden. Diese Aufgabe ist sehr vielfältig und hängt von verschiedenen Faktoren ab, sodass keine schnelle Gesamtlösung in Sicht ist.»

Ein weiterer Krisenschauplatz ist die Auseinandersetzung mit der Erbauerin des heute maroden Dachs, der Ormalinger PM Holzbau AG. Diese pocht darauf, dass nicht – wie vom Gemeinderat beabsichtigt – ein privates Schiedsgerichtsverfahren die Beweislage klärt, sondern ein staatliches Gerichtsverfahren. «Dem Image von PM schaden vor allem Halbwahrheiten, die klar durch Akten widerlegt werden können», sagt Simone Bracher von PM Holzbau.

PM habe die Gemeinde Sissach in einem Brief vom 13. Februar 2013 aufgefordert, eine Richtigstellung auf ein Interview mit Gemeinderat Martin Hauswirth folgen zu lassen. «Die Gemeinde hat diese Möglichkeit jedoch ausgeschlagen.» Dabei gehe es um «zahlreiche unzutreffende Aussagen», was die PM durch Akten belegen könne.

Unabhängig vom Referendum sei es «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» mit dem gutgeheissenen Projekt im Herbst nicht möglich, Eis zu garantieren, sagt Anwalt Brunner. Er verweist auf juristische Abklärungen und weitere Hindernisse. «Für die vorsorgliche gerichtliche Beweisabnahme gemäss Zivilprozessordnung sind dafür mindestens drei bis vier Monate einzuplanen.» Ein wesentlicher Kritikpunkt sei, dass der Gemeinderat nur eine Variante zur Abstimmung unterbreitet hat.

Und: «Es wurden viele Fragen nicht oder nur oberflächlich beantwortet.» Schliesslich bestehe eine Interessenkollision. «Aufgrund der mir vorliegenden Informationen sind auch durch Mitglieder des Gemeinderates im Zusammenhang mit der Kunsti Fehler begangen worden, die eine Verantwortlichkeit begründen könnten», führt André Brunner aus, «Der Gemeinderat müsste also gegen sich selber vorgehen.»