Zuhinterst im Diegtertal, eingebettet zwischen Belchenfluh, Ifleter Berg und den basel-landschaftlichen Jurahöhen, da ist die Welt auch in der Silvesternacht ruhig und friedlich. Kein Wunder, hat Evelyn Streiff vor zwölf Jahren beim Berggasthaus Oberbölchen auf knapp 900 Metern ihr Hundeparadies aufgebaut.

Zum dritten Mal haben sich dort oben 20 Personen getroffen, um gemeinsam das Neujahr anzugehen. Es ist vielmehr eine Schicksalsgemeinschaft, bestehend aus Leuten von überall her, die etwas bezwecken: Ihren Hunden eine knall- und damit stressfreie Nacht zu bereiten.

Priska Pfiffner aus dem Sankt-Gallischen ist zum zweiten Mal dabei. Sie habe im Internet «Silvester ohne Knallerei» gegoogelt und sei auf Evelyn Streiff gestossen. «Die Alternative wäre die Insel Rügen gewesen, wo Feuerwerk wegen der Strohdachhäuser verboten ist», sagt die Sankt-Gallerin. Von ihren beiden Labradorhündinnen verkraftet die 13-jährige Giora die Knallerei schlecht. Auch ihre Hundesport-Kollegin Rosmarie Rüber entzieht sich mit ihren beiden Hündinnen der Knallerei. Sie möchte Gina, der 14-jährigen Münsterländerin, diesen Stress nicht mehr zumuten.

Gäste aus mehreren Kantonen

Sie kommen auch aus dem Aargau, Bern und Solothurn sowie aus den beiden Basel. Einige kennen die Hundeinstruktorin Evelyn Streiff von einer Ausbildung, andere hatten schon ihren Hund im Triple-S-Hundeparadies in den Ferien platziert. Wer von weiter her angefahren ist, übernachtet zwei- oder dreimal. So auch Erna Bircher aus Aarau, denn sie ist sich sicher, dass in ihrer Nachbarschaft nach Neujahr noch Feuerwerk abgebrannt wird. Davor möchte sie ihre Lagotto-Hündin bewahren. Eine Gruppe aus dem nahen Langenbruck fährt erst am Abend ein; sie kehrt um 2 Uhr in der Nacht zurück, in der Hoffnung, dass dann in ihrer Gemeinde die Neujahrsruhe eingekehrt ist. Sie müssen den Umweg über Diegten fahren, denn ab Oberbölchen gibts keinen Winterdienst.

Die Rückfahrt auf vereister Strasse will ein Ehepaar aus dem nahen Diegten nicht riskieren. Es übernachtet und kann sich deshalb getrost ein Glas mehr genehmigen. Wer frühzeitig angekommen ist, wird belohnt: Auf 900 Metern öffnet sich der weite Blick über das Nebelmeer nach Norden. Ein herrlicher Spaziergang lockt zur Passhöhe und dann durch harstigen Schnee Richtung Belchenfluh. Von dort sieht man sogar die Alpen.

Die Hunde-Erziehungsberaterin Regula Hammerer und ihr Ehemann Frank greifen Evelyn Streiff und ihrem Bruder Eric Romann im Service unter die Arme, denn die Wirtsleute feiern Silvester bei Verwandten in Italien. Beim Fondue chinoise gibt es angeregte Gespräche, meist rund ums Thema Hund. Einige Gäste kennen sich bereits vom Silvester im vorigen Jahr. Unter den Tischen guckt da und dort eine Fellnase hervor, während ihre vierbeinigen Kumpanen es vorgezogen haben, im Zimmer die Ruhe zu geniessen.

Nur am Horizont blitzt es

Daran ändert der Jahreswechsel kaum etwas. Nur die Gläser klingen wegen des Neujahrsprosits. Rund ums Gasthaus bleibt es fast völlig ruhig. Nur am Horizont der Nebeldecke blitzt es noch lange auf. Man glaubt, ein nächtliches Feuergefecht aus der Ferne zu beobachten. Manchmal rollt ein Donnergrollen bis hierher aus.

Alle sind sich schnell einig: Für einen schönen Silvesterabend braucht es keine knallenden Raketen, erst recht nicht, wenn Hunde dabei sind. Darum sagt man sich anderntags beim Abschied: «Auf Wiedersehen bis spätestens nächsten Silvester.»