Im Oktober gehts richtig los mit der Sanierung des Schänzlitunnels. Es lässt sich leicht voraussagen, dass die Staus noch länger werden, als sie es zu Stosszeiten bereits sind. Um Linderung zu schaffen, wollen die kantonale Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) und das Bundesamt für Strassen (Astra) wenigstens einen Teil der Pendler zum Benutzen alternativer Verkehrsmittel bringen. Zentrales Element der vorgestern angekündeten Massnahmen: Autofahrer sollen aufs Velo oder E-Bike umsteigen. Dafür werden 150 E-Bikes zur Verfügung stehen, die man «in stark vergünstigter Langzeitmiete» benutzen kann.

Die Bedingungen dafür hält der Kanton für gegeben, wenn er schreibt: «Im Raum Birseck steht ein attraktives und dichtes Netz an Radwegen zur Verfügung.» Doch den Pendlern wird das Umsteigen nicht leicht gemacht. Denn ausgerechnet eine der beliebtesten Radrouten vom Birseck Richtung Basel, diejenige entlang der Birs, steht ihnen ab dem 14. August nicht zur Verfügung. Dann beginnt das Wasserwerk Reinach und Umgebung (WWR) mit dem Bau der Transitleitung Birstal. Ein Jahr lang ist diese Radroute gesperrt.

«Das ist für die Velofahrer mühsam», findet die Muttenzer SP-Landrätin Kathrin Schweizer. Zwar wird eine Alternativroute ausgeschildert sein. «Doch diese ist weniger sicher, weniger komfortabel und weniger direkt.» Zudem gebe es mehr Höhenmeter zu überwinden. Die E-Bike-Aktion des Kantons hält sie an sich für sinnvoll. «Aber es ist für Pendler eine recht grosse Hürde, vom Auto aufs E-Bike umzusteigen. Deshalb sollte man direkt und bequem Richtung Basel fahren können.» Sie weist zudem darauf hin, dass die direkteste Veloverbindung zwischen Muttenz und Münchenstein wegfalle. Schweizers Fazit auf Twitter: «Schlechtes Timing.»

Parallel zu bestehenden Radrouten

Doch beim WWR ist man überzeugt: Es ging nicht anders. Sprecher Adrian Heuss erklärt: Die Transitleitung wird die Trinkwassernetze von Hardwasser AG, Industrieller Werke Basel (IWB) und WWR besser miteinander verbinden. Erstere beziehen ihr Wasser aus dem Rhein, das WWR aus der Birs. «Wenn der Rhein verschmutzt ist oder Öl in die Birs fliesst, kann der eine vom anderen Wasser beziehen», sagt Heuss. Das mache die Versorgung von 250 000 Trinkwasserbezügern in der Region sicherer. «Die Sicherheit der Wasserversorgung hat Gewicht und Priorität.» Deshalb könne das WWR mit dem Bau der Leitung nicht fünf oder mehr Jahre warten, bis die Schänzli-Sanierung abgeschlossen sei. Und die Leitung nicht unter, sondern neben dem Weg zu bauen, hätte unter anderem bedeutet, Bäume fällen zu müssen.

Die Umleitung hat das WWR zusammen mit dem Kanton erarbeitet. «Sie verläuft teilweise auf anderen Radrouten und ist deshalb sicher», sagt Martin Schaffer, Projektleiter Mobilitätsmassnahmen Schänzli bei der BUD. Weil sie parallel zur gesperrten Route führt, sieht er «keine gravierenden Einschränkung für die Radfahrer.»

Doch dass es überhaupt Baustellen gibt, widerspricht einer Strategie, die sich die BUD selber gesetzt hat. Diese hat in den vergangenen Jahren in Hinblick auf die Schänzli-Sanierung die Baustellen auf Kantonsstrassen vorgezogen. Diesem Beispiel sind auch Gemeinden gefolgt. «Wir haben geschaut, dass wir möglichst viel im Vorfeld erledigen können», sagt der Muttenzer Gemeinderat Joachim Hausammann.

Und in Hinblick auf die erwartete (und gewünschte) Zunahme des Veloverkehrs rund um die Schänzli-Baustelle hat die BUD den Gemeinden im Frühling einen Brief geschrieben. Dazu Schaffer: «Wir haben die Gemeinden gebeten, auf Radrouten nur dann Baustellen durchzuführen, wenn es nicht anders geht.»