Die Firma Denkstatt, die das Ziegelhofareal in Liestal im Auftrag der Eigentümerin, der Pensionskasse Coopera, seit drei Jahren weiterentwickelt, konnte in letzter Zeit nicht gerade mit Erfolgsmeldungen aufwarten. Hoffnungsträger wie die Velostation sprangen ab oder machten Konkurs wie die Firma Baselbieter Bier. Umso mehr freut sich Ivo Balmer, Projektbegleiter bei «Denkstatt», jetzt mit Erfolgsmeldungen aufwarten zu können. Die Grösste: Letzte Woche wurde mit dem neu gegründeten Verein Kletterei-Ziegelhof eine Absichtserklärung unterzeichnet. Dieser Verein will aus der ehemaligen Bier-Abfüllhalle eine Boulderhalle machen.

Bouldern ist klettern ohne Seil bis zu einer Höhe, von der ohne Verletzungsgefahr von einer Wand oder einem Fels abgesprungen werden kann. Diese Sportart ist stark im Trend. Chasper Kron von «Kletterei-Ziegelhof» ist voller Zuversicht: «Zu 99 Prozent kommt das Projekt. Bouldern ist die perfekte Nutzung für diese Halle, und die Lage nahe bei den Schulen und mitten in Liestal mit seinen vielen Pendlern ist ideal.»

Stadt prüft derzeit Quartierplan

Sein Verein plane, im Ziegelhof eine sechsstellige Summe zu investieren. Eine exakte Zahl kann Kron im Moment noch nicht nennen, weil deren Höhe wesentlich davon abhänge, wie viel Eigenleistungen der Verein erbringen könne. Als nächstes will der Kletter-Verein auf Investorensuche gehen und «Denkstatt» eine Baubewilligung für die Umnutzung der Halle einholen. Klar ist für Kron, dass die Nachfrage nach einer Boulderhalle vorhanden ist. Denn die nächstgelegenen Hallen in Pratteln und Basel seien sehr gut ausgelastet, manchmal sogar überfüllt. Zum Konzept des Kletter-Vereins gehört auch, die Abfüllhalle für andere Nutzungen zu öffnen, so für kulturelle oder fasnächtliche Events.

Allerdings müssen Kron und Konsorten noch ein Problem lösen: «Wir legen in der Halle einen Mattenboden aus, der Stürze von Kletterern auffängt. Dieser Boden ist heikel und muss bei andern Anlässen in der Halle geschützt werden. Da sind wir noch am Suchen nach der zweckmässigsten Lösung.» Kron hofft, die Boulderhalle nächsten Herbst eröffnen zu können.

Die zweite Erfolgsmeldung von «Denkstatt» betrifft den neuen Quartierplan (QP). Der alte, rechtlich immer noch gültige QP mit Coop als Ankermieter ist mit dem neuen Planungsansatz obsolet geworden und muss ersetzt werden. Denn der neue Ansatz heisst: statt vier Fünftel der bestehenden Gebäude abzureissen, vier Fünftel stehen zu lassen. Das betrifft die Wohngebäude entlang der Lindenstrasse, den Kopfbau an der Gerberstrasse und die Gebäude im untern Teil der Meyer-Wiggli-Strasse. Dazu kommt Neues: ein grösserer Neubau am oberen Ende der Meyer-Wiggli-Strasse, ein kleines, unterirdisches Parkhaus sowie zusätzliche, öffentliche Fusswegverbindungen. Den entsprechenden neuen QP hat «Denkstatt» nun vor kurzem bei der Stadt Liestal zur Vorprüfung eingereicht.

Der zuständige Stadtrat Franz Kaufmann sagt: «Ich war an dem von ‹Denkstatt› durchgeführten Workshop-Verfahren dabei und sehe beim QP keine grossen Probleme.» Auf Details möchte er im Moment nicht eingehen, weil er den QP nächste Woche seinen Stadtratskollegen zur Verabschiedung zuhanden der öffentlichen Mitwirkung vorlegen will. Kaufmann rechnet damit, dass der Einwohnerrat in etwa einem Jahr den QP behandeln kann. Die geplante Umnutzung eines Teils der bestehenden Gebäude sowie der Neubau sind zentral für «Coopera». Ivo Balmer sagt es so: «Der Ist-Zustand erfüllt die Vorgaben der Besitzerin zur langfristigen Refinanzierung des Projekts nicht. Deshalb besteht Handlungsbedarf.»

Archäologie in Poleposition

Der grosse Hoffnungsträger als Ankermieter im anvisierten Neubau heisst Kanton Baselland, konkreter Abteilung Archäologie und Museum BL. Der Leiter dieser Abteilung, Kantonsarchäologe Reto Marti, sagt zum Stand der Dinge: «Wir haben bei der Bau- und Umweltschutzdirektion eine Bedarfsmeldung eingereicht. Sie soll unser Anliegen jetzt vertieft prüfen.» Marti würde gerne die jetzigen zwölf, über den ganzen Kanton verstreuten und teils offenbar überfüllten Depots mit Exponaten seiner Abteilung im Ziegelhofareal und das Textile in der Hanro konzentrieren. Dazu braucht es allerdings zuerst einen Regierungsbeschluss und dann eine vom Landrat abgesegnete Einmietungsvorlage. Marti rechnet frühestens 2022 mit einem möglichen Einzug auf dem Ziegelhofareal.

Der von Balmer angesprochene Ist-Zustand heisst, dass auf dem Ziegelhofareal drei Dutzend Nutzer eingemietet sind. Das sind Wohnungsmieter, Dienstleister, Gewerbler und kulturelle Player. Der grössere Teil dieser Mietverhältnisse ist definitiver Art, der Rest sind zeitlich begrenzte Zwischennutzungen. Zudem steht ein Teil der Gebäude derzeit leer. Volumenmässig soll das neue Ziegelhofareal ein Mittelding werden zwischen dem, was heute steht, und dem, was einst mit Coop geplant gewesen und vom Stimmvolk abgesegnet worden ist.