Seit die bz vor Wochenfrist erstmals über den geplanten Ausbau der Rheinfelderstrasse zwischen Birsfelden und Pratteln berichtet hat, ist das rot-grüne Lager in Aufruhr. Bereits hat die SP eine Petition gestartet unter dem Motto «Keine vierspurige Schnellstrasse – für den Schutz unseres Hardwaldes. Der Baselbieter Kantonsingenieur schüttelt den Kopf über den Wirbel. In gewissen Kreisen sei der Eindruck erweckt worden, der Kanton wolle eine vierspurige Autobahn durch den Hardwald pflügen, sagt er. Das sei nicht der Fall. So spricht die Bau- und Umweltschutzdirektion in einer Mitteilung von einer «Sanierung» der Rheinfelderstrasse.

Streit um Bypass-Funktion

Zwar soll die Strasse aus den 1950er-Jahren tatsächlich ausgebaut werden. So werde die Verkehrsfläche gegenüber heute vergrössert, sagt Sehu. «Damit wollen wir den Verkehrsfluss verbessern. Es wird aber nicht durchgehend vier Fahrspuren geben», stellt er klar. Die zusätzliche Strassenbreite soll laut dem Kantonsingenieur dazu genutzt werden, abschnittsweise eine Busspur und im Bereich von Kreuzungen separate Links- oder Rechtsabbiegespuren zu bauen.

Drohnenflug über den Hardwald

Drohnenflug über den Hardwald

Damit soll sichergestellt werden, dass auf einer Fahrspur pro Richtung der Verkehr ungehindert fliessen kann. Zudem soll die Fahrplanstabilität der AAGL-Buslinie 80 erhöht werden. «Eine Kapazitätserweiterung, wie in den letzten Tagen teilweise behauptet, ist also nicht vorgesehen», stellt Sehu klar. Befürchtungen, wonach ein Ausbau der Strasse eine Verkehrszunahme zur Folge habe, seien somit unbegründet. Heute wird die Rheinfelderstrasse zweispurig, auf gewissen Überholstrecken auch dreispurig geführt.

Die Kantonsstrasse soll aber wie kommuniziert als Bypass fungieren, sollte auf der A 2 der Verkehr kollabieren. «Dann könnte der Kanton die Busspur auf der Rheinfelderstrasse freigeben, wobei die Polizei den Verkehr regeln müsste.» Diese Freigabe der Busspur soll laut Sehu nicht bei gewöhnlichen Staus, sondern nur bei «ausserordentlichen Lagen» erfolgen wie etwa am 14. März 2018. Damals ging auf dem Hochleistungsstrassennetz wegen eines Lastwagenbrands auf der Basler Osttangente für Stunden gar nichts mehr.

Just mit dieser Bypass-Funktion hadert das Petitionskomitee: Das deute eben doch auf eine Erhöhung der Kapazität hin. Nichts hat das Komitee demgegenüber gegen die im Rahmen der Strassensanierung geplanten Verbesserungen beim Grundwasserschutz. Unter anderem fehlen heute ein Fahrzeugrückhaltesystem und ein Havariebecken; die Strasse entspricht nicht mehr bundesrechtlichen Vorgaben. Im Hardwald wird mittels Bodenfilterung Trinkwasser für Zehntausende Einwohner der Region gewonnen. Grundwasserschutz-Massnahmen und Priorisierung des Busverkehrs könnten jedoch ohne Erweiterung der Verkehrsflächen und ohne «zerstörerischen Eingriff in die Flora und Fauna» umgesetzt werden, findet das Petitionskomitee.

Strasse hat noch kein Preisschild

Von zerstörerischen Eingriffen könne keine Rede sein, kontert Drangu Sehu: «Wir werden für den Ausbau der Strasse keinen einzigen Baum fällen». Die heutige Schneise durch den Hardwald sei bereits genügend breit. Der Strassenraum im Hardwald ist heute durchschnittlich 21 Meter breit. Davon entfallen 11 Meter auf die Fahrspuren sowie zwei Meter auf ein Veloweg, der Rest auf Grünbankette. Der Kanton kann demnach die Strasse verbreitern, ohne seitlich zusätzliche Flächen in Anspruch zu nehmen. Laut Sehu soll die Sanierung Ende 2019 an die Hand genommen werden. Fertig sein soll die «neue» Strasse innert eines Jahrzehnts, also bis spätestens 2030. Verbindliche Kostenangaben liegen noch nicht vor.