Ausgerechnet die sozialdemokratische Partei setzt im Wahlkampf auf Mauern.
Hat die SP der grenzenlosen Welt abgeschworen und kupfert jetzt auch bei den Rechten ab, um nach zusätzlichen Stimmen zu fischen? Oder frönt die Partei der Arbeiternostalgie?

Was bei der SVP als Kampfansage gesehen werden könnte, ist bei der SP wohl schlicht Dekorationselement und als unpolitisch zu verstehen.
Wer jetzt die Welt nicht mehr versteht, dem sei verraten: Es geht nur um die Wahlplakate.

Die Kandidierenden wurden vor eine leicht verschwommene Backsteinwand drapiert. Der Vorteil davon: Die Mauer könnte sowohl im oberen, als auch im unteren Baselbiet überall stehen. Der Nachteil: Die Mauer könnte sowohl im oberen, als auch im unteren Baselbiet überall stehen. Oder in New York.

Anders wäre mal was Neues

Die Grafikpläne gehen aus einem unvorsichtig im Internet abgespeicherten Dokument vor, das der bz vorliegt. Es handelt sich um die Einladung der Partei an ihre Landratskandidierenden, unter anderem mit Informationen zum Fotoshooting.

«Zu beachten: Mit unserer Kandidatur setzen wir uns für einen solidarischen, gerechteren und menschenfreundlichen Kanton Baselland ein. Zeigt dies auch auf dem Bild. Ein schönes Lächeln macht viel aus», steht in der Einladung.

Entweder geht das Parteisekretariat also davon aus, dass ihren Kandidierenden grundlegende soziale Skills nicht im Griff haben. Oder es wird befürchtet, dass sich die Kandidierenden auf den Plakaten so geben, wie die Oppositionspartei die letzten vier Jahre aufgetreten ist: angriffig, frech, pointiert, selbstbewusst und anti.

Wutverzerrte, geifernde Politikerinnen und Politiker in Übergrösse am Strassenrand, im Briefkasten und im Facebookfeed: Das wäre mal etwas Neues.
Und allemal spannender als die Lächelbilder, für die sich die SP offenbar entschieden hat.

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Mirjam Kohler beleuchtet in der Kolumne «Wahlfieber» Skurriles aus dem Baselbieter Wahlkampf.