Der einzigartige Liestaler Gemischtwarenbetrieb Guggenheim ist fünf Jahre nach dem Start im Hoch: Das Konzept hat sich bewährt, die Anfangsfehler sind ausgebügelt, von allen Seiten gibt es Lob und am Donnerstag Abend durften die unermüdlichen Tätschmeister Eric und Yvonne Rütsche zusammen mit ihrer Architektin Sibylle Hartmann an einer kleinen Feier auch noch die diesjährige Auszeichnung des Baselbieter Heimatschutzes entgegennehmen.

Wobei Gemischtwarenbetrieb nicht abwertend, sondern als Umschreibung der grossen Vielfalt zu verstehen ist. Denn hinter den teils uralten Guggenheim-Maurern finden sich heute ein Hotelbetrieb, ein Restaurant, eine Musikschule und ein Eventsaal. Und genau das ist für den Heimatschutz der Kern der Preiswürdigkeit, wie er in seinem Einladungsschreiben festhielt: «Das ‹Guggenheim› wird vom Baselbieter Heimatschutz dafür ausgezeichnet, dass es den Erhalt eines Stückes altes Stedtli mit der kulturellen Neubelebung eines ganzen Quartiers verbindet.»

Altes Stedtli bedeutete bezüglich «Guggenheim» bis vor einem Vierteljahrhundert, dass im Stall des dreiteiligen Gebäudeensembles noch die letzten Kühe im Liestaler Ortskern muhten; alle andern waren ausgesiedelt. Vier Generationen der aus dem Ort Gougenheim bei Strassburg zugewanderten Familie Guggenheim betrieben hier am Wasserturmplatz eine Viehhandlung. Später wurden Stall, Garage und Wohnhaus zwischengenutzt.

Spekulant trieb Preis hoch

Dann kam Eric Rütsche ins Spiel. Er betrieb in seinem Wohnhaus jenseits der Bahngleise, der Villa Burggarten, eine Musikschule. Weil die Familie Rütsche und die Musikschule wuchsen, wurde es eng. Rütsches schielten über die Bahngleise und machten für das Guggenheim-Ensemble eine Kaufofferte. Dies mit dem Ziel, hier die Musikschule mit einem kleinen Café für die wartenden Eltern einzuquartieren, wie Heimatschutz-Vizepräsident Angelo Tomaselli in seiner Laudatio ausführte.

Aber auch ein Immobilien-Händler hatte ein Auge auf die Gebäude geworfen und überbot Rütsche; er wollte sie abreissen und stattdessen einen Wohnblock aufstellen. Der gelernte Bankkaufmann Rütsche begann neu zu rechnen, grösser zu planen und erhöhte schliesslich sein Angebot. Der Besitzer schlug ein und die Grundlage fürs heutige «Guggenheim» war gelegt.

Statt abgerissen wurde nun umgebaut, aufgestockt, alte Bauschichten hervorgeholt, restauriert und neue Elemente beigefügt, was ganz der Philosophie des Heimatschutzes entspricht. Dass die Rütsches dann das fertige Haus auch noch mit einer Vielfalt an kulturellem Leben füllten, quittierte Tomaselli mit den Worten: «Die Familie Rütsche bietet hier am Wasserturmplatz auf relativ kleinem Raum Leben im Überfluss, ja es sprudelt förmlich.» Das bilde einen Kontrapunkt zu den Innenstädten, in denen nach Ladenschluss die grosse Stille einkehre.

«Schützen lohnt sich 1000 mal»

Tomaselli verwies auch auf den «Glücksfall», dass der Name Guggenheim dank des gleichnamigen Museums in New York positiv besetzt sei und kalauerte, dass man Guggenheim auch noch anders interpretieren könne: «Eine Gugge ist auf Baseldeutsch ein Sack, Heim ist der Stamm von Heimat. Also heisst Guggenheim mit viel Fantasie ein Sack voll Heimat.» Und das wiederum passe doch wunderbar zum Heimatschutz.

Auch der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott zog verbal den Hut vor Rütsches: «Ich bewundere Yvonne und Eric für ihre Risikobereitschaft, ohne dabei Hasardeure zu sein.» Sie brächten auch den für einen Kulturbetrieb notwendigen Pioniergeist mit und seien baulich behutsam vorgegangen. «Sie haben mit der Kombination von alt und neu den Charakter eines für Liestal identitätsstiftenden Gebäudes gestärkt», lobte Ott.

Das Schlusswort von Eric Rütsche dürfte insbesondere dem Heimatschutz gefallen haben: «Wir werden von Banken und Konzernen überrannt, die den Geist hier in den alten Mauern für ihre Seminare schätzen. Restaurieren und schützen lohnt sich geschäftlich 1000 mal.»