Solidarität ist ein grosses Wort. Es steht für das Gefühl, zusammenzugehören und sich deshalb gegenseitig zu unterstützen. Sichtbar wurde es etwa am Sonntag, als alle Laufentaler Gemeinden die kantonale Richtplanänderung zur Einrichtung von Aushubdeponien in Blauen und Zwingen überdeutlich ablehnten. Doch am selben Tag entschied das Zwingner Stimmvolk auch, dass die zweitgrösste Laufentaler Gemeinde per Ende 2017 aus dem Zweckverband Sozialberatung Laufental (SBL) austreten soll. «Wo bleibt da die Solidarität?», fragen sich jetzt diverse Vertreter der anderen elf Verbandsgemeinden.

Zwingen hofft auf Spareffekt

Diesen Vorwurf kann Ermando Imondi nicht mehr hören. Für den Zwingner Gemeindepräsidenten darf man die beiden Abstimmungen nicht miteinander vergleichen: «Bei der Deponiefrage ging es um Quellenschutz. Dafür sind wir eingestanden.» Und Solidarität würde Zwingen ausserhalb der Sozialhilfe noch genug beweisen: «Wir bleiben ja weiter in anderen Zweckverbänden aktiv wie der Feuerwehr oder dem Wasserverbund.»

Man habe zwar gewusst, dass der Austritt zu emotionalen Reaktionen führen werde, doch seien die Gründe für den Austritt rein sachlich, versichert Imondi: «Es ist nichts Persönliches, es steckt keine Emotion und kein Krach dahinter.» Stattdessen habe der Gemeinderat bloss entschieden, was für Zwingen das Beste ist. «Allein sind wir schneller, haben kürzere Wege und sind näher an den betroffenen Menschen dran», ist Imondi überzeugt. Ebenso glaubt er, dass Zwingen mit einer eigenen Sozialhilfebehörde langfristig die Betriebs- und die Fallkosten senken kann.

Das glaubt Stephan Pabst nicht. Der Grellinger Gemeinderat ist Präsident der SBL und bedauert Zwingens Austritt sehr. Er könnte sich sogar vorstellen, dass sich die Gemeinde verkalkuliert hat: «Auf längere Zeit kann der Alleingang nicht effizienter und günstiger als eine Verbundlösung sein.» Alleine schon deswegen nicht, weil Zwingen die ganze Infrastruktur selbst stemmen muss. Ausserdem könnten Schwankungen bei der Anzahl Sozialfälle nicht gleich gut aufgefangen werden.

Die ersten drei Jahre der SBL hätten gezeigt, dass die Strukturen funktionieren. Das unterstreicht Remo Oser. Der Gemeindepräsident von Röschenz hat den Zweckverband mitaufgebaut. «Wir konnten die Verwaltungskosten um 25 Prozent senken. Vor allem aber können wir im ganzen Kanton die kürzeste Bezugsdauer pro Sozialhilfefall aufweisen.» Die Menschen sind also kürzer auf Sozialhilfe angewiesen als anderswo.

Personal- brachte Kurswechsel

Oser sorgt sich nun um die verbliebenen Gemeinden in der Sozialhilfebehörde 2 der SBL: «Es mag sein, dass es für Zwingen zumindest nicht teurer wird, aber für die anderen kleineren Gemeinden wird es härter.» Die SBL-Gruppe 2 mit Wahlen, Liesberg, Burg, Roggenburg und Dittingen werde auch ohne die Leitgemeinde Zwingen überleben. Doch müssten die Fixkosten jetzt auf weniger Schultern verteilt werden.

Könnte es also zu weiteren Austritten kommen? «Wenn, dann müssten wir wohl als erste austreten», sagt Burgs Gemeinderat Hans-Jörg Tobler. Sie seien eine rein zahlende Mitgliedsgemeinde. «Wir bleiben aber aus Solidarität dabei.» Da ist sie wieder, die Solidarität. Tobler stösst besonders sauer auf, dass Zwingen nie Anträge gestellt hat, etwas zu verändern, denn dann hätte man nach Lösungen suchen können. Im Gegenteil: Zwingen hätte sich beim Aufbau der SBL explizit für die dreigeteilte Struktur ohne zentrale Geschäftsleitung eingesetzt – also all das, was Zwingen nun kritisiert. Allerdings kamen Imondi und die zuständige Gemeinderätin Gertrud Schaub erst später dazu. «Als ich 2012 zur Arbeitsgruppe stiess, intervenierte ich sofort, doch da war es zu spät, um auszusteigen», sagt Imondi. Er verwehrt sich dagegen, nie das Gespräch gesucht zu haben: «Es war allen bekannt, dass wir seit Jahren kritisch eingestellt waren. Wirklich glücklich waren wir nie.»