«Verzweigung Augst – Basel Breite: 23 Minuten» – mit einer solchen Anzeige auf dem Handydisplay könnten Autofahrer in mittelfristiger Zukunft selbst entscheiden, ob sich nicht von Anfang an eine Fahrt mit der S-Bahn lohnt. Mittels Handydaten plant der Bund zusammen mit der Swisscom präzise Angaben über Fahr- und Stauzeiten zwischen zwei Punkten, die den Autofahrern via Radio, Handy und Navi direkt zugestellt werden könnten.

Die Swisscom erhielt das Projekt per öffentliche Ausschreibung. Genaue Aussagen zum Pilotprojekt will der Konzern erst im März 2014 machen. Seit Juli erhält das Amt für Strassen (Astra) aber bereits erste Daten von «neuralgischen Abschnitten der typischen Urlaubsautobahnen A13, A2 und A3». Wahrscheinlich, dass darunter auch die staugeplagte Region Basel ist, die zwischen Hagnau und Augst die meistbefahrene Autobahn der Schweiz hat. Genauere Informationen will auch Astra-Sprecher Thomas Rohrbach gegenüber der bz noch nicht geben. Er bestätigt jedoch, dass A2 und A3 in der Region technisch gut ausgerüstet sind für die Pilotphase ab kommendem März.

Erstmals Aussagen über Reisezeit

Die gesammelten Daten sollen nicht nur dem Autofahrer Informationen liefern, sondern auch dem Astra als «Beobachter» des Autobahnverkehrs. Bisher werde der Verkehr über Induktionsschleifen in der Strasse alle drei Minuten gemessen; Durchschnittsgeschwindigkeit und Fahrzeugmenge werden damit ermittelt.

Aussagen über die Fahrzeit von Punkt A nach B lieferten diese Daten aber bisher nicht. «Wenn wir jetzt sehen, dass sich die Reisezeit zum Beispiel auf 12 Kilometern stetig um eine Minute verlängert, wissen wir, dass ein Stau bevorsteht, und können das Tempo reduzieren», sagt Rohrbach.

Eine Temporeduktion könne die Kapazität der A2 um bis zu acht Prozent erhöhen; das seien 400 bis 500 Fahrzeuge pro Stunde. Die Fahrtzeit könnte dann fast in Echtzeit an den Autofahrer übermittelt werden, unter anderem über die vorhandenen Texttafeln auf der Autobahn. Ein ähnliches System wird im Ausland, zum Beispiel auf der A35 bei Strassburg, schon seit Jahren verwendet. Allerdings kann Rohrbach nicht sagen, wie präzise diese Daten sind.

Wechsel zwischen Handyantennen

Kompliziert ist es jedenfalls, die richtigen Daten aus den Unmengen von Handyübermittlungen zu filtern. «Theoretisch reichte ein einziges Handy für die Messung der Reisezeit», sagt Rohrbach. Doch müsse unterschieden werden, ob das Handy nicht etwa parallel zur Autobahn in einem Zug unterwegs ist. «Dafür sind in den letzten Jahrzehnten stabil funktionierende Technologien entwickelt worden», sagt Swisscom-Sprecherin Annina Merk. Die Swisscom verarbeite die Kundendaten in einer streng gesicherten Umgebung. Auf Basis dieser anonymisierten Daten berechne die Swisscom dann die Reisezeiten pro Abschnitt. Dabei werde die Zeit zwischen dem Wechsel von einer Handyantenne zur nächsten gemessen; überhöhte Geschwindigkeiten würden ausgefiltert.