Ein Kleinkind haben und gleichzeitig an der Politik teilnehmen, das ist nicht immer einfach. Das musste am Mittwoch die Basler Grossrätin Lea Steinle (Grüne) erfahren. Sie wurde aus dem Grossratssaal geschickt, weil sie ihr zwei Monate altes Baby dabei hatte, das sie stillen muss. Sie hatte keine Möglichkeit gehabt, ihr Kind wie üblich auswärts betreuen zu lassen.

In Duggingen hingegen haben es Stimmberechtigte mit Kindern einfacher. Die 1600-Seelen-Gemeinde im Laufental steht zwar nicht im Verdacht, gesellschaftspolitisch ein revolutionärer Flecken zu sein. Aber seit zwei Jahren bietet sie während allen Gemeindeversammlungen einen Kinderhort an, so auch am kommenden 5. Dezember. Erfahrungsgemäss werden dort jeweils zwei bis zwölf Kinder abgegeben, je nach Anzahl der Besucher an der Gemeindeversammlung, die wiederum abhängt von der Traktandenliste. Umsorgt werden die Kinder von professionellen Betreuerinnen.

Entstanden ist der Hort vor zwei Jahren aus einer Arbeitsgruppe, die sich Gedanken über den Pausenhof und einen Spielplatz machte. Mütter hätten immer wieder gesagt, sie würden gerne an den Gemeindeversammlungen teilnehmen, wüssten aber nicht wohin mit den Kindern, sagt Gemeindepräsident Beat Fankhauser. «Und wir im Gemeinderat sahen mit einem Hort die Möglichkeit, die Beteiligung an den Gemeindeversammlungen zu erhöhen.» Der Auftrag ging an die Schule weiter, und seither kümmern sich während den Versammlungen eine Praktikantin, ein Zivildienstleistender oder eine Kindergärtnerin der Gemeinde um die Kinder, jeweils zwei Personen zusammen. Die Eltern müssen die Kinder einige Stunden im Voraus anmelden.

«Das Angebot wird genutzt», sagt Fankhauser. «Es kommen jetzt mehr Mütter an die Gemeindeversammlungen.» Dass sich deswegen andere politische Mehrheiten gebildet hätten und die Entscheide anders ausgefallen wären als ohne Hort, das glaubt Gemeindeverwalter Christian Friedli nicht. «Bei uns wird sachlich entschieden», sagt er. Die Kosten betragen bei zwei Gemeindeversammlungen, die jeweils höchstens zwei Stunden dauern, weniger als tausend Franken.

«Der Hort in Duggingen ist eine sehr originelle Idee», sagt Caroline Rietschi, Präsidentin des Gemeindefachverbands Basel-Landschaft. «Meines Wissens hat keine andere Gemeinde ein solches Angebot.» Auch in Basel ist man weit von den Dugginger Verhältnissen entfernt. Man könne sich nicht daran erinnern, dass jemals über einen Hort am Grossen Rat diskutiert worden sei, heisst es auf Anfrage bei den Parlamentsdiensten Basel-Stadt.

An der mangelnden Grösse des Parlaments kann das nicht liegen: Der Grosse Rat hat 100 Sitze. In Duggingen nehmen im Durchschnitt 30 bis 40 Stimmbürger an den Gemeindeversammlungen teil. Allerdings ist unklar, ob die Laufentaler Gemeinde mit der Situation umgehen könnte, in der sich der Basler Grosse Rat befindet. Die Grossrätin Lea Steine hat nämlich nicht ein Kind, sondern einen Säugling.

Mit Kinderwagen im Saal

«Wir waren noch nie damit konfrontiert, dass jemand ein Kind im Wickelalter im Hort abgeben wollte», sagt Gemeindeverwalter Friedli. Deshalb kann er nicht mit Bestimmtheit sagen, was dann passieren würde. Man müsse die Lage wohl mit der Schule besprechen. «Vielleicht müssten wir den Eltern sagen: Es geht leider nicht.»

Handkehrum möchte Fankhauser niemanden von der politischen Teilnahme ausschliessen. Als Gemeindepräsident leitet er die Gemeindeversammlung und darf bestimmen, wer dabei sein darf. Für ihn ist auf jeden Fall klar: «Wenn eine Mutter neben ihrem Kinderwagen im Saal sitzt und das Kind ruhig ist, habe ich überhaupt kein Problem damit.»