Die Laufner Badigäste liegen auf dem Affenfelsen. So nennen jene Gäste, die regelmässig im Schwimmbad Nau ein- und ausgehen die aus Zement gebaute Liegepyramide. Der Affenfelsen gilt als jener Ort, wo sich die Stammgäste der Badi und die Hardcore-Sünneler tummeln. Er ist weit über Laufen hinaus bekannt.

Mit schnellen Schritten läuft Matthias Jermann durch die Badi, die sich für ihn wie sein Garten anfühlen muss. Bereits seit 29 Jahren arbeitet er im Laufner Schwimmbad. Er ist einer der wenigen Badmeister, die noch im Bad selbst wohnen. Direkt über dem Badi-Kiosk bezog er damals mit seiner Frau die Wohnung.

Die Gemeinde hatte dies bei seiner Anstellung als Bedingung gestellt. Heute ist der aus Dittingen stammende Jermann ein Badmeister wie aus dem Bilderbuch. Weisses T-Shirt, Sonnenbrille und weisse Mütze – braun gebrannte Unterarme. Selbst an freien Tagen schnappt sich Jermann bei schönem Wetter einen Liegestuhl und ruht sich unter einem Baum in seiner Badi aus.

Das Duo Hueber und Jermann

Es war 1993. Eines Tages klingelte das Telefon. Mäni Hueber sprach am anderen Ende der Leitung. Ob er ihn nicht als Badmeister assistieren wolle, fragte Hueber. Da Jermanns Frau damals in der Badi als Ferienablösung putzte, hatte er Badmeister Hueber bereits kennen gelernt. Zunächst dachte Jermann, das sei nichts für ihn.

Aber Hueber überzeugte den handwerklich begabten Laufentaler, der zwar Schwimmen konnte, dies aber nicht als Passion ausübte. Jermann hatte eine Landschaftsgärtnerlehre hingeschmissen und sich danach durchgejobbt. So wurden Hueber und Jermann für rund fünf Jahre ein Duo, ehe Ersterer 1997 nach rund 35 Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste. Jermann trat sein Erbe an und übernahm die Betriebsleitung. Mäni Hueber ist noch immer vielen Laufnern ein Begriff. Gemeinsam könnten die beiden Badmeister die gesamte Geschichte der Badi erzählen.

Der Wunsch nach einer Badi wuchs in Laufen schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Schon im ersten Jahresbericht des 1906 gegründeten Verkehrsvereins Laufen war die «Errichtung einer öffentlichen Badeanstalt» als Vorhaben aufgeführt. Das lange Warten begann. Bis es zum Bau des Bades kam, verging noch über ein halbes Jahrhundert. «Im Anschluss an den schönen Sommer» werde in Laufen der Wunsch nach einer Badeanstalt laut, hiess es im Jahresbericht 1928 erneut.

«Das alles aber kostet viel Geld», schrieb der Verkehrsverein Laufen. Erst der wirtschaftliche Aufschwung der 1960er-Jahre brachte wieder Bewegung in die Sache. Zudem hatten die Behörden wegen der zunehmenden Gewässerverschmutzung seit dem Zweiten Weltkrieg das Baden in öffentlichen Gewässern an vielen Orten verboten. Die Birs war davon stark betroffen – sie gilt noch heute auf vielen Abschnitten als ungeeignet zum Baden.

Badi auf ehemaliger Deponie

Schon 1952 hatte die Einwohnergemeinde von der Stadtburgergemeinde Laufen für das geplante Bad ein Grundstück erworben. Dieses bestand zu einem Teil aus dem alten Bachbett der Birs – zum anderen Teil aus einem Schutthaufen der ehemaligen Steingruben. Dazwischen lag damals die Kehrichtdeponie des Städtchens. Was viele nicht wissen: Ein Teil der Deponie liegt unter dem Schwimmbad. «Als wir die Leitungen vor ein paar Jahren sanierten, begann es am dritten Tag furchtbar zu stinken», sagt Jermann.

Die Gemeindeversammlung hatte 1964 für den Schwimmbadbau einen Kredit von 2,5 Millionen Franken genehmigt. Wegen einem Konjunktureinbruch begann der Bau erst 1966 – zwei Jahre später badeten im neuen Schwimmbad die ersten Gäste. Matthias Jermann war damals 6-jährig. Mäni Hueber assistierte von Beginn weg dem ersten Badmeister. Abgesehen vom 2008 erbauten Garderoben- und Eingangsgebäude ist das Gerüst der Badi Laufen geblieben, wie es in den 1960er Jahren entstand. Auch den Affenfelsen gab es damals schon.

Gemessen an der Gemeindegrösse, lockte die Laufner Badi schon immer überdurchschnittlich viele Besucher an. Die Gäste kämen aus Liestal und gar aus Delsberg, sagt Jermann. Er erlebte im neuen Jahrhundert die Wetterkapriolen des Klimawandels. Da gab es zum einen den Hitzesommer 2003, als erstmals über 100'000 Gäste ins Schwimmbad Nau strömten.

Dieser Wert bleibt bis heute unerreicht. «Es war fast nicht auszuhalten», sagt Jermann. «Wir haben sieben Tage die Woche gearbeitet.» An einem einzigen Tag kamen in jenem Sommer 3600 Besucher. Jermann erinnert sich: «Es war wie in einem Bienenhaus.»

Das andere Extrem erlebte Jermann mit seinem Team bloss vier Jahre später. Beim Hochwasser 2007 wurde das Schwimmbad Nau mit Schlamm überschwemmt. Ausserdem war das Grundwasser verschmutzt, Jermann durfte kein Wasser pumpen und musste das Bad einige Zeit dichtmachen.

Bis zu 60 Stunden arbeitet Jermann im Sommer pro Woche. Zeit, sich auszuruhen, bleibt ihm im Herbst. Auch dann zieht es den Laufentaler ans Wasser. Meist reist er dann mit seiner spanischen Frau nach Alicante und geniesst ruhigere Stunden am Strand.