Ob auf Pausenplätzen, in Fabriken oder abends am Familientisch. Die Süssgetränke aus Meltingen erfreuten sich im Schwarzbubenland grosser Beliebtheit. Jedes Kind kannte die Limonaden, für die Wasser aus den Quellen in der Thiersteiner Gemeinde verwendet wurde. Als Ende der 1980er Jahre die gesetzlichen Anforderungen erhöht wurden, fielen die Getränke ihrer hohen Bakterienzahl zum Opfer. Die Meltinger Mineral- und Heilquellen AG musste ihren Betrieb einstellen und ihre Blöterliwasser verschwanden von der Bildfläche. Noch immer erinnern sich viele Menschen in der Region ein wenig wehmütig an eine Zeit, in der Sport Kola und Meltina Citro in aller Munde waren.

Nach beinahe einem Vierteljahrhundert können die beiden Sorten heute wieder getrunken werden. Im Frühling 2012 holte eine Kleinstbrauerei im zürcherischen Nürensdorf die einst populären Brausen aus der Versenkung hervor. Aus Meltinger Wasser werden mehr als hundert Kilometer von der Quelle entfernt diverse Erfrischungsgetränke hergestellt. Rund 20 verschiedene Geschmacksrichtungen bietet die Schlossbraui mittlerweile an, erklärt Adrian Gnos, der zusammen mit seiner Frau Joanna das Unternehmen führt.

Softdrinks, Mineralwasser und Bier

Aber auch das klassische Meltinger Mineralwasser gehört zum Sortiment. «Wobei wir es nicht so nennen dürfen», sagt Adrian Gnos. Der Name Mineralwasser stehe nämlich nur Wassern zu, die dort abgefüllt werden, wo sich auch die Quelle befindet. Die Bezeichnung sei jedoch nicht wichtig, da es vor allem auf den Geschmack ankomme. Und der ist derselbe wie zu den Hochzeiten des Getränks vor einigen Jahrzehnten, ist er überzeugt.

Der einfallsreiche Mikrobrauer muss es wissen. Schliesslich ist Gnos mit dem Blöterliwasser aus dem Schwarzbubenland aufgewachsen. «Während meiner Zeit als Teenager in Wädenswil am Zürichsee trank ich das Wasser aus Meltingen sehr häufig», erinnert er sich. Als er Jahre später mit seiner Frau zum ersten Mal den Ort im Thierstein besuchte, stellte er fest, dass der inzwischen stillgelegte Betrieb früher das schweizweit mineralreichste, in Flaschen erhältliche Wasser produzierte. «Ich fand es schade, dass das Lieblingsgetränk meiner Jugend nicht mehr existierte», sagt er. Dem Ehepaar war klar, dass es etwas unternehmen musste. Gnos begann, in seiner eigenen Brauerei das gehaltvolle Wasser doppelt zu filtrieren, zu entkeimen und in Flaschen abzufüllen. Mehrmals pro Jahr fährt er seitdem nach Meltingen und kehrt jeweils mit rund vierhundert Litern Wasser zurück nach Nürensdorf.

Neuerdings hat er bei seinen Abstechern in die Region immer auch einige der hergestellten Getränke dabei. Seit vorletzter Woche können die Softdrinks und das Mineralwasser in der Chesi in Meltingen gekauft werden. Ausserdem ist dort das sogenannte Nachtchappe-Bier erhältlich, für das Adrian Gnos ebenfalls Wasser aus Meltingen benutzt. Beim Gerstensaft handelt es sich um eine Exklusivität, wie der Brauer mitteilt. «Wir sind die Einzigen in der Schweiz, die Mineralwasser zur Bierherstellung verwenden.» In naher Zukunft hat er vor, die Getränke auch Restaurants in Meltingen anzubieten.

Weitere Expansionspläne hegt der Zürcher aber nicht. «Unsere Produkte gibt es nur in Nürensdorf, wo sie hergestellt werden und in Meltingen, woher das Wasser stammt.» Mit dem dortigen Brunnenmeister steht die Kleinstbrauerei in regem Kontakt und weiss deshalb immer über den Mineralgehalt des Wassers Bescheid.

Bei Feierlichkeiten in Meltingen werden die Getränke aus Zürich schon seit einiger Zeit ausgeschenkt. Jeanne Jeger, die ehemalige Besitzerin des Kurhauses Bad Meltingen, wo sich eine Mineralquelle befindet, freut sich zwar, dass das einst populäre Mineralwasser wieder produziert wird. Noch schöner wäre es allerdings, wenn es in Meltingen selbst abgefüllt würde, gibt sie zu bedenken. Es gebe auch mehrere Interessenten, meistens scheitere es jedoch letztlich am Geld.