Für die meisten Menschen sind alltägliche Besorgungen wie Einkaufen oder Postgänge problemlos zu bewältigen. Doch mit zunehmendem Alter können derartige Tätigkeiten zu einem Hindernis werden. Susanne Schneider, Besitzerin des Sunneschyn-Taxi-Mo, ist sich sicher: «Alte Menschen vereinsamen lieber, als dass sie jemandem zur Last fallen.»

Gerade aus Hilflosigkeit und Vereinsamung im Alter – die Schneider während eines Jahres als Taxifahrerin in Arlesheim beobachten konnte – kam ihr die Idee, einen Shuttle-Fahrservice in Arlesheim zu gründen. «Ich möchte ein Angebot für alte Menschen schaffen, das ihnen hilft und sie aus ihrem Alltag holt», erklärt die 49-Jährige.

Zwar sind Senioren die eigentliche Zielgruppe von Schneider, dennoch wird ihr Fahrservice künftig drei unterschiedliche Bereiche abdecken. Neben dem Angebot, gehbehinderte Senioren von Zuhause abzuholen und sie an ein gemeinsames Ziel zu bringen, sollen auch Eltern entlastet werden. Schneider berichtet: «Ich fahre Kinder im Alter von vier bis sieben Jahre an Kindergeburtstage und hole sie dort wieder ab.» Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, mit einem Sammeltaxi von Arlesheim nach Basel in den Ausgang zu fahren und anschliessend wieder zurück.

Laut Schneider ist die Gemeinde Arlesheim ein sehr sozialer Ort, jedoch reicht ihrer Meinung nach das Engagement für ältere Menschen nicht aus. Ihre Erfahrung zeige, dass viele Senioren alleine seien und nicht wüssten, wie sie Bekanntschaft mit anderen machen könnten. Hier soll der Sammeltaxi-Service aushelfen. Dieser stelle nicht bloss eine Fahrdienstleistung dar, sondern eine neue Form, Senioren zu vernetzen. «Alte Leute können auf diese Weise mit Gleichgesinnten in Kontakt kommen. Ideal wäre, wenn dadurch neue Freundschaften entstehen und sich die Leute irgendwann auch selber organisieren.»

Seit mehreren Wochen verteilt Susanne Schneider in Arlesheim und Umgebung Flyer, um auf ihr neues Taxiunternehmen aufmerksam zu machen. Auf den Flugblättern befindet sich eine Wunschliste mit Unternehmungen wie beispielsweise zusammen essen gehen. Die Senioren können diese ausfüllen und an die Taxibesitzerin zurücksenden. Wenn sie die Flyer zurückerhalten habe, sei es ihre Aufgabe, die Senioren anhand der angekreuzten Wünsche miteinander zu verknüpfen.

Das Senioren-Taxi als Konkurrenz

Doch nicht alle in unmittelbarer Nähe sind mit dem, was Susanne Schneider macht, einverstanden. «Ich habe damit gerechnet, dass leichte Widerstände aufkommen werden, wenn ich mich mit einem Taxiunternehmen selbstständig mache», sagt die 49-Jährige. Gerade seitens ihrer ehemaligen Firma, bei der sie als Taxifahrerin gearbeitet hatte, konnte sie derartige Reaktionen nicht ausschliessen.

Und tatsächlich: Vorletzte Woche erhielt Schneider einen Anruf von ihrem ehemaligen Vorgesetzten Dieter Faller. «Er warf mir vor, dass ich schlecht über ihn und seine Taxifirma rede. Das tue ich aber auf keinen Fall.» Sie sei gerne bei ihm angestellt gewesen, konnte sich dort aber nicht verwirklichen, erzählt Schneider.

Auf Anfrage bestätigt Dieter Faller, Betriebsleiter von Faller Taxi, dass er Schneider vorletzte Woche kontaktierte: «Über mehrere Ecken habe ich erfahren, dass Frau Schneider schlecht über unsere Taxifirma spricht. In einem Telefonat habe ich sie damit konfrontiert.» Ein Streitgespräch wolle er nicht führen. Er fügt aber hinzu: «Sie bewegt sich mit ihrem Unternehmen nicht in der Gesetzesnorm. Gewissermassen führt sie ein Uber im kleinen Stil.»

Schneider sieht dies anders: «Ich handle gesetzeskonform.» So besitze sie bereits die Taxibewilligung, am 15. Mai führe sie ihr Auto bei der Motorfahrzeugkontrolle vor. «Ab dann bin ich mit meinem Fahrservice unterwegs. Ich kann also wie geplant starten.»

Markus Kümin, ehemaliger Taxifahrer und Mitglied der Taxi-Gruppe bei der Gewerkschaft Unia, kennt sich gut in der Taxiszene aus und versucht die Situation einzuordnen: «Für Herrn Faller mag das neue Unternehmen von Frau Schneider sicherlich eine Konkurrenz sein. Jahrelang war er mit seiner Taxifirma alleine in der Region Arlesheim unterwegs.» Der Seniorenfahrservice von Schneider treffe einen Taxihalter wie Faller doppelt, denn ältere Menschen machten schätzungsweise 60 bis 70 Prozent des Kundenstamms aus.

Ob sich Schneider tatsächlich in der Gesetzesnorm bewegt, kann Kümin – da er sie und ihr Unternehmen nicht persönlich kennt – nicht beurteilen. Er merkt aber an, welche Bedingungen von ihr erfüllt werden müssen, um als Taxifahrerin tätig zu sein: «Sie muss den Code 121 erwerben.» Das ist die nationale Bewilligung, die im Führerausweis eingetragen wird.

Neben dieser Bewilligung gelten die regionalen und kantonalen Gesetze, die zu berücksichtigen sind. Ausserdem benötige Schneider einen Tachograph, der die Arbeits- beziehungsweise Ruhephasen aufzeichnet. Nicht zuletzt müsse sie folgendes beachten, wie Kümin erklärt: «Wenn es in dem Auto eine Taxiuhr gibt, dann muss es auch entsprechend als Taxi angeschrieben werden. Wenn aber nur Pauschalfahrten gemacht werden, ist das nicht der Fall.»

Viele positive Erfahrungen

Trotz der «negativen Begebenheiten», wie sie Schneider nennt, gebe es auch viel Schönes zu berichten. Von den bald 9000 verteilten Flyern hat sie unterdessen sieben zurückerhalten. Mit diesen Senioren und Seniorinnen fand bereits ein erstes Treffen statt. Schneider erzählt: «Die Stimmung war ausgelassen und alle waren in voller Vorfreude, sich zu vernetzen.»

«Ich denke, Unannehmlichkeiten gehören zu einer Geschäftsführung. Nichtsdestotrotz geht es um eine wunderschöne Idee, für die sich der Einsatz und die Kraft lohnt», sagt Schneider. All die investierte Arbeit bisher mache sie nur der Sache wegen: «Ich bin selbst gespannt, was dabei herauskommt.»