Bei all den Neuerungen, die im nächsten Jahrzehnt auf Liestal zukommen, ist das kombinierte Projekt Neubau der Post und Umgestaltung der Allee wohl das wichtigste: Es verbindet im Idealfall als Scharnier den neuen Bahnhof und die Altstadt. Fünf eingeladene Architekturbüros wagten sich an die nicht ganz einfache Planungsaufgabe. Am Montag gab nun der Jurypräsident und Basler Architekt Luca Selva bekannt, wer den von Post und Stadt Liestal aufgegleisten Studienauftrag gewonnen hat: «In der Gesamtschau hat uns das Projekt von Christ & Gantenbein mit einem einzigen, fünfeckigen Baukörper mit Innenhof am meisten überzeugt. Es vereinigt am meisten Qualitäten auf sich.»

Das aus Sicht vom Bahnhofplatz her siebenstöckige, 25 Meter hohe Gebäude ist im Erdgeschoss für die Post und andere kommerzielle Nutzungen reserviert, in den oberen Stockwerken ist Wohnen angesagt. Zwei Untergeschosse, die aufseiten der Allee Tageslicht haben, sind für Gewerbe und Büros vorgesehen, darunter gibt es ein zweistöckiges Parkhaus mit Einfahrt von der Allee her.

Thomas Hasse von der Post-Tochter Post Immobilien AG bezeichnete an der Medienkonferenz das heutige, aus den 1970er-Jahren stammende und sanierungsbedürftige Postgebäude «allenfalls als Fehlplanung». Der Bau sei nicht flexibel nutzbar und auf die damaligen Postbedürfnisse ausgerichtet. Deshalb habe die Post seit zwei Jahren an einem Projekt «herumgemacht», das eine zusätzliche Nutzung zulasse und für die Post zu einer «Renditeliegenschaft» werden solle.

Kein «Elefantenbrücklein»

Zum geplanten Neubau meinte Hasse: «Das Gebäude ist eine städtebauliche Aufwertung dank guter, schlichter Architektur und lässt vom Bahnhof her die Sicht frei auf die Altstadt.» Hasse rechnet damit, dass der Baustart des auf 50 Millionen Franken veranschlagten Gebäudes in drei Jahren erfolgt. Dem Bau weichen muss übrigens nicht nur die alte Post, sondern auch der McDonald’s und das Jugendhaus in der Allee. Als nächster Schritt steht nun die komplexe Quartierplanung an. Komplex deshalb, weil sie nicht nur den Neubau umfasst, sondern auch die Renaturierung des Orisbachs und die Aufwertung der Allee. Der Quartierplanprozess, bei dem nebst Post und Stadt auch noch zwei Private involviert sind, werde bis zu zwei Jahren dauern, kündete der Liestaler Stadtbaumeister Thomas Noack an.

Das fünfeckige Postgebäude im Modell aus Altstadtsicht, rechts Palazzo und Gericht.

Das fünfeckige Postgebäude im Modell aus Altstadtsicht, rechts Palazzo und Gericht.

Und was ist mit dem in Liestal immer wieder geforderten «Elefantenbrücklein» über die Allee, das die Fussgänger niveaulos vom Bahnhof zur Altstadt führen und damit die beiden so unterschiedlichen Gebilde einander näher bringen sollte? Diese Brücke sei keine Vorgabe im Studienauftrag gewesen und «mehr als Risiko denn als Chance» eingestuft worden, meinte Jurypräsident Selva dazu. Das Thema sei intensiv diskutiert worden, weil ein Architekturbüro – Rosenmund + Rieder aus Liestal – eine solche Fussgängerverbindung vorgeschlagen hat. Der Übergang hätte direkt zum Elefantentor geführt, von daher auch der Name.

Sieger vor Diätkur

Dieser Stadteingang ist für Selva aber nicht eben respektabel und aus denkmalschützerischen Gründen kaum veränderbar. Stadtrat Franz Kaufmann, der ebenfalls in der Jury sass, machte aber am Rande der Medienkonferenz kein Geheimnis daraus, dass er sich fürs Projekt mit dem «Elefantenbrücklein» eingesetzt habe. Schliesslich entschied sich aber die Jury einstimmig für den Christ & Gantenbein-Vorschlag; dieses Büro hat in Liestal bereits das Uno-Gebäude entworfen. Und auch Kaufmann sagte vor versammelter Medienschar: «Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und überzeugt, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind.»

Allerdings dürfte dem Siegerprojekt noch eine Diätkur bevorstehen. Denn Selva sagte: «Das Gebäude muss eventuell etwas schrumpfen.»