Bankomatenbetrüger sind innovativ. In vier Baselbieter Bankfilialen der UBS und Raiffeisenkasse gelang es ihnen, zwischen dem 7. und 16. Oktober unbemerkt Geräte an die Bankomaten anzuschliessen, welche die Kartendaten registrierten. Bei diesem sogenannten Skimming gingen sie unerschrocken zu Werke. Schliesslich werden die betroffenen UBS-Filialen in Binningen und Birsfelden von Kameras überwacht. Die Bilder wurden aufgezeichnet und der Baselbieter Polizei zugespielt. Seitens der Raiffeisenbank wollte man gestern nicht bekannt geben, welche Filialen betroffen waren. Weil man nicht «noch mehr Unsicherheiten schaffen will», wie Mediensprecher Franz Würth gegenüber der bz sagte.

Das zeigt, dass die Banken die neue Serie des Bankkartenbetrugs besorgt zur Kenntnis nehmen. Bisher ging man davon aus, dass es als Geldbezüger reicht, die Hand schützend über den Zahlencode zu halten. Die angewandte Methode bezeichnet die Baselbieter Polizei denn auch als «neuen Modus» der Bankomatenbetrüger. Die Verbrecher schafften es, unbemerkt ein Loch in die Kunststoffabdeckung der Bankomaten zu brennen und das Gerät anzuschliessen. Weil dieses mit einem Kleber überdeckt wurde, war es für die Bankkunden kaum zu erkennen. Die Täter schafften es auch, die Geräte wieder abzumontieren, bevor die Manipulation bemerkt wurde.

Rechtzeitig interveniert

Die beiden betroffenen Banken legen Wert auf die Feststellung, dass keine Kunden zu Schaden gekommen seien. «Die Täter schafften es zwar, an die Daten zu kommen, aber sie konnten sie nicht vergolden», sagt UBS-Sprecher Samuel Brandner. Konkret: Die Bank konnte rechtzeitig intervenieren und jegliche Transaktionen verhindern. Die betroffenen UBS-Kunden seien mittlerweile im Besitz neuer Karten.

Welche Sicherheitsvorkehrungen wie griffen und warum es den Betrügern trotz Überwachungskameras gelang, Werkzeugarbeiten an den Bankomaten vorzunehmen: Darüber hüllt sich die UBS in Schweigen. «Sie werden verstehen, dass wir über unsere Sicherheitsmassnahmen keine Auskunft geben. Es ist ein aufwendiges Geflecht, dessen Details wir den Betrügern nicht auf dem Silbertablett servieren wollen», sagt Brandner. Er könne lediglich versichern, dass das Personal die Bankomaten täglich überprüfe. Angst um ihr Geld müssten die Kunden ohnehin nicht haben. Die UBS betont: Wer die Sorgfaltspflicht wahrnimmt, für den kommt die Bank im Schadensfall auf. Bei der Raiffeisenbank hebt man derweil hervor, dass die Betrugssummen durch Skimming in diesem Jahr lediglich ein Fünftel des Vorjahres ausmachten.

Meinrad Stöcklin, Sprecher der Baselbieter Polizei, geht davon aus, dass «ausgebuffte Betrüger» hinter dem Verbrechen stehen. Auf den Bildern der Überwachungskameras, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, sei eine professionelle Handschrift zu erkennen. Die Gesichter seien «partiell» erkennbar. In der Medienmitteilung der Polizei heisst es, dass die Täter über ausserordentlich gute Kenntnisse der Geräte verfügen mussten.

Wahrscheinlich aus Osteuropa

Die Bilder legen gemäss Stöcklin die Vermutung nahe, dass es sich um Osteuropäer handle. «Sie dürften mittlerweile über alle Berge sein.» Die Polizei geht davon aus, dass sämtliche vier Delikte von den gleichen Tätern verübt worden sind. Die Kantonsgrenzen verliessen sie währenddessen offenbar nicht. Basels Polizeisprecher Klaus Mannhart bestätigte, dass man in der fraglichen Periode keine Skimming-Fälle im Kanton Basel-Stadt verzeichnet habe.