Im Frühling, wenn in den meisten Gemeinden der Banntag stattfindet, sind die Vögel am Brüten, das Wild hat Junge bekommen.

«Menschenmassen, die durch den Wald strömen, sind bestimmt eine Störung für die Tiere», sagt Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland. Vögel und Wild würden auf alles, was sie nicht gewohnt seien, sensibel reagieren. Er wünscht sich, dass Banntag-Teilnehmer Wildruhezonen meiden, keine Gewehrschüsse ablassen, nur an unsensiblen Stellen Rast machen und die befestigten Wege nicht verlassen.

Bürgergemeinden sind unbesorgt

Wenigstens der letzte Punkt wird weitgehend berücksichtigt. Das zeigt eine Umfrage der bz bei einigen Bürgergemeinden. Diese übernehmen fast im ganzen Kanton die Organisation der Banntage. Weiter als die Beschränkung auf die befestigten Wege gehen die Tierschutzmassnahmen aber kaum.

«Wir schauen, dass niemand neben den Wegen geht», sagt der Muttenzer Bürgerratspräsident Hans-Ulrich Studer. In Biel-Benken sagt Waldchef Sämy Heyer, entlang der Waldwege seien Vögel und Wild Betrieb gewöhnt, «und diejenigen, die sich gestört fühlen, brüten woanders». Zudem sei dank des warmen März’ die Brutzeit der Vögel in diesem Jahr bereits vorbei.

Dem widerspricht Pascal Cueni, Präsident von Jagd Baselland. Aber auch er ist der Meinung, Banntage seien kein Problem, solange man nur die bekannten Wege benutze. Felix Heinis-Tschanz, in der Therwiler Bürgergemeinde für den Wald zuständig, meint: «Mehr als auf den Waldwegen zu bleiben kann man für den Tierschutz nicht machen – ausser man sagt den Banntag ganz ab.»

Es gilt eine Ausnahmeregelung

Auch in Pratteln heisst es, am Banntag laufe niemand kreuz und quer durch den Wald. Gleichzeitig lockt der Flyer mit «Böllerschüssen» zwischen 6 und 6 Uhr 30 morgens. Wie in vielen Gemeinden gehören hier Schüsse zum Banntag. Oft schreiten Pferde oder Trommler durch den Wald. Aus allen angefragten Bürgergemeinden ist zu vernehmen, gegen die Durchführung des Banntags während der Brutzeit gebe es höchst selten Kritik.

Rechtlich sind die Bürgergemeinden sowieso auf der sicheren Seite. Zwar müssen Anlässe im Wald mit mehr als 50 Teilnehmern dem Amt für Wald beider Basel gemeldet werden. Bei mehr als 300 Teilnehmern braucht es eine Bewilligung. Doch beide Bestimmungen gelten nicht für Banntage.

Denn laut einem Dekret des Kantons aus dem Jahre 1998 sind sie ausdrücklich nicht bewilligungspflichtig. «Ich kann nicht sagen, wie schädlich Banntage für die Tiere sind», sagt Ueli Meier, Vorsteher des Amts für Wald. «Denn wir mussten noch nie eine entsprechende Abwägung vornehmen.» Dementsprechend schreibt das Amt den Bürgergemeinden keine gesonderten Regelungen für die Durchführung von Banntagen vor.

Respekt vor der Tradition

Anfragen für Waldanlässe während der offiziellen Setz- und Brutzeit für Wild und Vögel (1. April bis 31. Juli) hätten durchaus Aussichten auf Erfolg, solange sie auf den Wegen blieben, betont Meier. «Aber wir fragen die Organisatoren, ob der Anlass unbedingt während der heiklen Jahreszeit stattfinden muss.»

Pro Natura-Geschäftsführer Chrétien hält es für «inkonsequent», wenn Bürgergemeinden selber Banntage während der Brutzeit durchführen würden, bei anderen Veranstaltungen im Wald aber restriktiv seien. «Das Bewusstsein, dass Banntage die Tiere stören, sollte grösser sein», meint er. Er anerkennt aber die Tradition der Banntage an. Pro Natura hat nicht vor, sich gegen die Durchführung von Banntagen zu wehren.