Das gibt Anlass zu Kritik. In einer Anfrage wollte Grossrätin Heidi Mück (Grünes Bündnis) vom Regierungsrat wissen, ob es künftig noch genügend sonderschulische Angebote für die Kinder gibt, die trotz Integration nicht in Regelklassen unterrichtet werden können.

Es gibt weiterhin Sonderschulen

In seiner Antwort versucht der Regierungsrat ihre Bedenken auszuräumen - mit einer umständlichen Mitteilung: «Auch in Zukunft wird es genügend Plätze in den staatlichen Spezialangeboten (Sonderschulen) geben.»

Diese werden mit der Verlängerung der Primarschule und der Einführung der Sekundarschule ab Sommer 2015 an den Standorten Bachgraben, Richter Linder/Wettstein, Christoph Merian/Gellert und im Alt- und Neubau Sandgruben konzentriert. Zwei Angebote, die Mück speziell betont, laufen im Rahmen der Neuorganisation aus:

Die Mädchenkleinklasse und die Schule Sunnegarte, beide richten sich an die 5. bis 7. Klasse. Den Sunnegarte ersetzen soll das Angebot im Bachgraben.

Lehrer nicht überfordern

Die integrative Schule wird seit dem Schuljahr 2011/12 umgesetzt. Nach Schätzung der Erziehungsdirektion erhalten 800 Schüler verstärkte Massnahmen, davon werden gut 200 integrativ geschult.

Noch habe Basel-Stadt verglichen mit anderen Kantonen eine eher hohe Zahl von Schülern, die nicht in Regelklassen unterrichtet würden, heisst es in der Mitteilung.

Diese Quote soll von 6,9 auf fünf Prozent sinken. «Wir wollen die Integration bedacht angehen, sonst werden Lehrpersonen und Eltern überfordert», sagt Pierre Felder, Leiter der Basler Volksschulen, auf Anfrage.

Natürlich gebe es Kinder, die sich in Regelklassen nicht wohlfühlten. «Es braucht jedoch Sonderschulen, die auf multiple Störungen, Behinderungen und Verhaltensauffälligkeiten ausgerichtet sind», sagt Felder. Es sei nicht sinnvoll, das neu eingeführte System mit Klein- und Einführungsklassen zu überlagern.»

«Abschieben nicht sinnvoll»

Mit der Antwort der Regierung ist Mück nicht zufrieden: «Ich glaube, die Regierung will meine Frage nicht verstehen.» Es gehe nicht um Kinder mit einer Behinderung, sondern um die, die in einer normal grossen Klasse mit bis zu 25 Kindern dauerhaft überfordert seien. «Es gibt Kinder, die eine kleine Gruppe brauchen.»

Die integrative Schule aber werde diesen nicht gerecht, sondern sei auf Kinder mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung ausgerichtet. «Es ist nicht sinnvoll, dass der Kanton funktionierende Angebote wie die Mädchenkleinklasse oder den Sunnegarte schliesst und danach den Schulen die Aufgabe überlässt, diese Lücken zu stopfen», sagt Mück.

Sie bezieht sich dabei auf die Aussage der Regierung, dass es den Primar- wie Sekundarstufen auch nach der Auflösung der Mädchenklasse offen steht, weiterhin geschlechtergetrennte Angebote anzubieten. «So wird die Lösungssuche auf die Schulleitungen abgeschoben und die hätten anderes zu tun», sagt Mück.