Ein Erdbeben wie im Jahr 1356 – es hatte eine Magnitude von 6,7 bis 7,1 – hätte für Basel auch im Jahr 2011 fatale Folgen. Die Basler Regierung rechnet bei einem Beben dieser Stärke mit 1000 bis 20000 Toten. Der Wirtschaftsstandort würde langfristig leiden: «Allein bei den direkten Schäden wird von einer Summe in der Grössenordnung von 50 Milliarden Franken ausgegangen.» Dies hält die Regierung im Ausgabenbericht für die Erdbebenvorsorge fest.

Messsysteme erweitern und flicken

Da die Region Basel in der Schweiz gemeinsam mit dem Wallis ein erhöhtes Erdbebenrisiko aufweist, möchte die Basler Regierung in den nächsten vier Jahren 870000 Franken in Messsysteme und Echtzeit-Schadensprognosen investieren. Veraltete Messstationen sollen erneuert und mit neuen Standorten ergänzt werden. Eigentlich hätte die Regierung das Projekt schon früher umsetzen wollen. Zu Verzögerung hat der Kanton Baselland geführt. Aufgegleist haben beide Basel die Erdbebenvorsorge gemeinsam. Inzwischen ist das Baselbiet aber abgesprungen.

Die Basler Regierung hat sich nun entschlossen, nicht länger auf das Baselbiet zu warten – etwa, weil das Erdbeben um Fukushima gezeigt habe, dass eine hinreichende Erdbebenvorsorge von grosser Bedeutung sei. Die Baselbieter Sicherheitsdirektion streitet dies nicht ab. Sie hat die Erdbebenvorsorge aus einem anderen Grund bis auf unbekannte Zeit sistiert: wegen der leeren Staatskasse.

Felix Meier (SVP), Präsident der Basler Sicherheitskommission, schüttelt den Kopf: «Der Ausstieg von Baselland ist unverständlich. Das wäre ein klassisches partnerschaftliches Projekt gewesen.» Dass der Basler Teil weiter verzögert wird, kann er sich nicht vorstellen: «Wir winken im Grossen Rat viele Beträge, die einiges höher sind, einfach durch.» Wann das Geschäft ins Parlament kommt, steht noch nicht fest.

Basler Stabschef bedauert Rückzug

Auch Martin Roth, Stabschef der Kantonalen Krisenorganisation Basel-Stadt, äussert Bedauern: «Es wäre schön, wenn Baselland auf dem gleichen Stand wie die Stadt wäre. Die Agglomeration als Ganzes hätte profitiert.» Dass Basel nun vorprescht, führt Roth auch auf die besondere Verantwortung des wirtschaftlich potenten Stadtkantons zurück: «Hier steht viel Infrastruktur auf engem Raum, die eine hohe Wertschöpfung für die Region und das Land generiert. Es gilt diese möglichst zu schützen – auch im Falle eines Erdbebens.»

Dies gilt eigentlich auch fürs Baselbiet. Marcus Müller, Leiter des Baselbieter Amts für Militär und Bevölkerungsschutz, gibt unumwunden zu, dass die Sistierung in seinem Kanton nicht ideal ist: «Es wäre schön gewesen, wenn wir die Erdbebenvorsorge synchronisiert mit Basel-Stadt hätten starten können. Dabei hätte man Synergien nutzen können.» Dass manche Baselbieter darauf irritiert reagieren, ist ihm bewusst: «Wir leben in einem gemeinsamen Lebensraum und sollten die gleichen Sicherheitsstandards haben. Ungleichheiten führen bei den Bürgerinnen und Bürgern zu berechtigten Fragen.»

Ein Stück weit dreht Müller den Spiess um: «Wir setzen auf die Eigenverantwortung der Hausbesitzer.» Betroffen sind vor allem Häuser, die älter als fünfzig Jahre sind. Damals gab es noch keine verbindlichen Erdbebennormen. Diese Hausherren müssen sich deshalb selber darum kümmern, ob ihr Haus dem aktuellen Standard gerecht wird.

Im Unterbaselbiet hat der Kanton zumindest die Mikrozonierung umgesetzt. Diese gibt Aufschluss über den Untergrund. Fürs Oberbaselbiet fehlen diese Informationen. Für den ganzen Kanton gilt wie für Basel-Stadt: Die Stationen des Starkbebenmessnetzes sind nicht auf dem aktuellen Stand. Basler dürfen sich bald sicherer fühlen als Baselbieter.