Jahrzehntelang war klar: Wer aus der Stadt wegzieht, der spart Steuern. Und so waren es in den 70er-Jahren tausende gut verdienende Familien, die sich im Speckgürtel rund um Basel niedergelassen haben – nicht nur, aber auch, um Steuern zu sparen. In den letzten Jahren konnte Basel dank den sprudelnden Steuereinnahmen der Life-Sciences-Firmen zunehmend mit den Agglomerationsgemeinden konkurrenzieren.

Doch noch sind die Steueroasen der Region im Baselbiet zu finden. Dies zeigt auch eine Auswertung beim Vergleichsdienst Comparis (Tabelle rechts). Eine Einzelperson mit steuerbarem Einkommen von 85'000 Franken zahlt heute in Binningen weniger Steuern als in Basel, ein gut verdienendes Ehepaar ebenfalls. Günstiger ist es auch in Arlesheim, Pfeffingen, Oberwil, Biel-Benken und in besonderem Masse in Bottmingen, der gemäss Comparis steuergünstigsten Speckgürtel-Gemeinde.

Doch das dürfte sich in naher Zukunft ändern. Am Mittwoch hat sich nach der Basler Regierung auch eine deutliche Mehrheit im Grossen Rat für eine spürbare Steuersenkung ausgesprochen. Im Kontext der nationalen Reform der Unternehmenssteuern will Basel-Stadt auch die Steuern für natürliche Personen senken. Im Baselbiet ist dies nicht geplant.

Dies wird das steuerliche Stadt-Land-Gefälle kräftig durcheinanderwirbeln, wie eine Auswertung der «Schweiz am Wochenende» mithilfe des Vergleichdienstes Comparis und offiziellen Zahlen des Basler Finanzdepartements zeigt. Die geplante Senkung des Steuersatzes um 0,75 Prozentpunkte sowie der neue Versicherungsabzug katapultieren Basel für die untersuchten Fälle (siehe Tabelle) vom Mittelfeld weit nach oben, bei einer gut verdienenden Einzelperson sogar auf Platz zwei hinter dem Steuerparadies Bottmingen. Auch bei anderen Rechenbeispielen lässt der Stadtkanton einen Grossteil des Speckgürtels hinter sich.

Wettbewerb wird weitergehen

Bürgerliche Baselbieter Politiker schlagen Alarm: «Wir geraten zunehmend ins Hintertreffen gegenüber Basel-Stadt», sagt der Binninger FDP-Landrat Sven Inäbnit. «Die hohen kantonalen Steuern bei den mittleren und hohen Einkommen schlagen sich auf die Attraktivität der Vorortgemeinden nieder.» Da bestehe die Gefahr, dass ein Standortvorteil in den Hintergrund trete und sich Steuerzahler stärker überlegen, gleich direkt in die Stadt zu ziehen.

Auch der Präsident der Finanzkommission Roman Klauser sagt: «Die geplanten Steuersenkungen in Basel-Stadt verschärfen die Situation fürs Baselbiet nochmals.» Man wisse, dass man die Hausaufgaben machen müsse und bei den besser und Gutverdienenden etwas unternehmen müsse, sagt Klauser. Dass nun in Basel eine Steuersenkung bevorstehe, verdeutliche nur, dass man das Thema schnell anpacken müsse.

Klar ist: Die geplanten Steuersenkungen setzen den Baselbieter Finanzdirektor Anton Lauber (CVP) unter Zugzwang. Dieser tönte das Thema vor wenigen Wochen in einem Gastbeitrag in der bz bereits an. Man habe an Konkurrenzfähigkeit verloren, so Lauber. Und zog damit bereits den Zorn der SP auf sich. Denn anders als in Basel-Stadt dürfte diese nicht bereitwillig bei Steuersenkungen mitmachen.

Und auch in Basel-Stadt ist die Steuerdiskussion mit den geplanten Senkungen nicht beendet. «Man darf nicht den Fehler machen und nur die Region anschauen», sagt der Basler FDP-Präsident Luca Urgese. Die Städte Zürich oder Bern seien teils deutlich günstiger. «Da wird es weitere Anpassungen brauchen», sagt Urgese.