Die Baselbieter Regierung hat ihre Vorlage für die Neukonzeption der Brückenangebote in die Vernehmlassung gegeben, wie sie am Donnerstag mitteilte. Geändert werden sollen die Bestimmungen für das kantonale Angebot im Bildungsgesetz. Anstösse dazu gaben Harmonisierung, Berufsbildungsgesetz und Auswirkungen des Neuen Finanzausgleichs.

Absicht bleibt ein gemeinsamer Angebotsraum beider Basel. Für deren Zusammenarbeit braucht es eine neue Kooperationsvereinbarung anstelle des heutigen Staatsvertrages, wie der Landratsvorlage zu entnehmen ist. Die Baselbieter Angebote sollen künftig in Zusammenarbeit mit dem baselstädtischen Zentrum für Brückenangebote weiter entwickelt werden - für die Jugendlichen gilt indes neu das Wohnsitzprinzip: Baselbieter besuchen Brückenangebote nur im eigenen Kanton.

Überbrückungsjahre zur berufsvorbereitenden Unterstützung gibt es seit 20 Jahren; die beiden Basel arbeiten eng zusammen. Nun soll der Landkanton alle seine Angebote in Muttenz zusammenfassen; sein neues Zentrum führen soll der Kaufmännische Verband Baselland.

Individueller

Angestrebt werde eine zeitgemässe Organisation, mit der der Kanton "am Übergang von der Schule in den Beruf noch passgenauer auf die individuellen Bedürfnisse und Stärken der einzelnen Jugendlichen" eingehen kann. Bildungspolitisch übergeordnetes Ziel sei, 95 Prozent der Jugendlichen zu einem Abschluss der Sek-Stufe II zu verhelfen.

Der Start ist im August 2019 geplant; mittel- bis langfristig soll räumlich alles ins Muttenzer Polyfeld kommen. Die Zentralisierung soll laut Mitteilung das Fachwissen bündeln. Heute sind die Ressourcen gemäss Vorlage "auf viele und oft kleine Angebote verteilt".

Neu geregelt wird der Zugang. Brückenangebote sollen künftig allen offen stehen, unabhängig vom Notendurchschnitt. Vorgesehen sind drei Profile: ein "schulisches", ein praxisorientiertes "kombiniertes" inklusive Vorlehren sowie ein "integratives" für fremdsprachige Jugendliche - letzteres kann auch zwei Jahre dauern. Versprochen werden Durchlässigkeit und spezielle Förderung bei Bedarf. Die Jugendlichen sollen in der Regel nur ein Brückenangebot besuchen.

Billiger

Ins Brückenjahr integriert werden soll die bisherige zweijährige Berufsvorbereitende Schule 2 (BVS2), die derzeit von 167 Personen besucht wird. Das ist eine Massnahme des letzten regierungsrätlichen Sparpaketes alias Finanzstrategie 2016-19. Den Personalbestand soll die Reform unter dem Strich jedoch nicht verändern.

Die Regierung hofft zudem mit Verweis auf die Lehrstellensituation auf eine künftig sinkende Zahl von Jugendlichen, die ein Brückenjahr absolvieren. Per 2020 wird mit 605 Brücken-Lernenden gerechnet, gegenüber 746 heute.

Die Regierung schreibt von einem "effizienten und schlanken Gesamtsystem". Ab 2020 soll dieses jährlich 11,1 Millionen Franken kosten, was einen Minderaufwand von 3,2 Millionen bedeute.

Basel-Stadt schneller

Die operative Trennung der Brückenangebote der beiden Basel hat für den Stadtkanton keine absehbaren finanziellen oder personellen Folgen, wie im Erziehungsdepartement (ED) zu erfahren war. Bisher hätten BaselbieterJugendliche zwei Brückenangebote von insgesamt einem runden Dutzend baselstädtischen genutzt, was künftig wegfalle. Baselstädter nutzten keine Brückenangebote des Landkantons.

Basel-Stadt arbeitet derzeit an einer parallelen Reform für drei Profile. Sein Zentrum für Brückenangebote bleibt dabei bestehen. Im Stadtkanton sollen die neuen Strukturen laut ED schon Mitte 2018 gelten - also ein Jahr vor dem Baselbiet.

Im Übrigen war es Basel-Stadt gewesen, das aus einer Notlage heraus Ende 2015, Anfang 2016 die Reform respektive Trennung ausgelöst hatte: Angesichts der damaligen Flüchtlingswelle gingen dem Stadtkanton rasant Plätze und Lehrkräfte für Brückenangebote aus, weshalb er den Landkanton anregte, etwas Eigenes aufzubauen.