Die unter anderem mit Chemiemüll belastete Alt-Deponie Feldreben in Muttenz soll für rund 165 Millionen Franken saniert werden. Das am Montag bei der Genehmigungsbehörde eingereichte Sanierungsprojekt sieht eine Grundwasserbehandlung und einen Teilaushub vor.

Zur Genehmigung eingereicht wurde das Projekt am Montag beim Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie (AUE), wie Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektor Thomas Weber vor den Medien sagte. Um Interessenskonflikte zu entschärfen, ist in der Regierung die Verantwortung für das Projekt bei Webers Direktion, die Aufsicht jedoch beim AUE in der Baudirektion angesiedelt.

Teilaushub und Grundwasser

Träger der Sanierung im Muttenzer Gewerbegebiet sind die Kantone Baselland und Basel-Stadt, die Chemie- und Pharmafirmen BASF, Novartis und Syngenta sowie die Gemeinde Muttenz. Das Führungsorgan der Trägerschaft, der "Runde Tisch", habe das Sanierungsprojekt einstimmig verabschiedet, sagte Weber.

Vorgesehen sind ein Teilaushub und eine Grundwasserbehandlung. Vom 500'000 Kubikmeter umfassenden Deponievolumen sollen etwa 115 Kubikmeter ausgehoben werden. Entfernen wollen die Verantwortlichen so den grössten Teil der Chlorkohlenwasserstoffe, um nach Sanierungsschluss ohne weitere Massnahmen die zulässigen Grenzwerte gemäss Altlastenverordnung des Bundes einhalten zu können.

70 Prozent des Aushubs sollen per Schiff oder Bahn zur thermischen Behandlung in die Niederlande, nach Deutschland oder Frankreich und der Rest in lokale Deponien gebracht werden, sagte Bernhard Matter, Geschäftsführer des Sanierungskonsortiums. Der bis 15 Meter tief reichende Aushub soll unter versetzbaren Leichtbauhallen mit Unterdruck sowie Abluftreinigung durch Staub- und Aktivkohlefilter erfolgen.

Lange Sanierungsdauer

Mit der Grundwasserbehandlung sollen die Schadstoffe aus dem Fels unter der Deponie entfernt werden, die dort über mehr als 50 Jahre lang eingesickert sind. Im Umfeld des am stärksten belasteten Deponieteils soll die Behandlung zudem im Lockergestein erfolgen. Geplant sind 11 Brunnen von 70 Meter und 13 Brunnen von 35 Meter Tiefe.

Der Aushub dürfte gemäss Projekt etwa sieben Jahre dauern. Falls möglich, soll er mit einer Bebauung des Geländes kombiniert werden; andernfalls werde er separat geplant. Schwierig vorauszusagen ist laut Matter aber die Dauer der Grundwasserbehandlung: Diese könne fünf oder 15 Jahre benötigen, bei der Kostenberechnung seien 20 Jahre eingerechnet worden.

Noch Gegenstand von Verhandlungen sei die Kostenaufteilung. Laut Weber dürfte von den 165 Millionen Franken aber der Bund gut ein Drittel übernehmen. Der Rest entfalle schwergewichtig auf die Industrie mit über 50 Millionen und den Kanton Baselland in der Grössenordnung von 30 Millionen; im einstelligen Millionenbereich bewegten sich die Anteile von Basel-Stadt und Muttenz.

Seit Jahren ein Politikum

Die Deponie Feldreben und die weiteren Muttenzer Alt-Deponien Rothausstrasse und Margelacker sind seit Jahren ein Politikum. Die in der Allianz Deponien Muttenz (ADM) zusammengeschlossenen Kritiker haben die bisherigen Feldreben-Arbeiten wiederholt bemängelt und den Einbezug auch der nahe liegenden Trinkwassergewinnung verlangt.

Nicht zustande kam 2012 eine geplante Begleitkommission für die Sanierung, da ADM und Gemeinden fernblieben. Volksinitiativen der Grünen, die die Totalsanierung der drei Muttenzer Alt-Deponien und die Überwälzung der Kosten auf die Chemie- und Pharmaindustrie wollten, sind allerdings 2010 vom Volk verworfen worden.

Die Deponie Feldreben war ursprünglich eine Kiesgrube und wurde von 1918 bis 1967 betrieben. Bis 1967 wurde die Grube mit Hauskehricht, Bauschutt und Gewerbeabfällen aufgefüllt. Von 1940 bis 1957 lagerten auch Basler Chemie- und Pharmafirmen darin Abfälle ab. Nach der Deponieschliessung wurde das rund 52'000 Quadratmeter grosse Gelände von Gewerbebetrieben überbaut.