Es ging vor einem halben Jahr ein kritisches Rauschen durch den Schweizer Blätterwald, als das Projekt «Vivo bene» bekannt wurde: Schweizer Demenzkranke sollen ihren Lebensabend in einem neuen Resort in der Nähe der nordthailändischen Millionenstadt Chiang Mai verbringen können.

Seither ist es wieder ruhig geworden um das von Liestal aus geplante Projekt, doch «Vivo bene» ist auf Kurs, wenn auch mit etwas Verspätung, wie Bernhard Rutz (67) sagt.

Rutz ist ein Hans-Dampf-in-vielen-Gassen: ausgebildeter Heilpädagoge, Leiter von Trekking-Reisen, Mitarbeiter von Bundesrat Adolf Ogi bei der Schweizer Kandidatur für die Winter-Olympiade 2006, Berater der Swiss-Geschäftsleitung und vieles mehr.

Und jetzt ist der Therwiler Projektleiter von «Vivo bene». Der zweite Motor hinter dem Vorhaben ist Roger Holzer aus Liestal, der für die Finanzen zuständig ist und die privaten Investoren akquiriert hat.

Zusammen bilden die beiden den Verwaltungsrat der Vivo bene AG, die ihren Sitz in diesen Tagen von Baar ZG ins UNO-Gebäude nach Liestal verlegt.

Ein kleines Dorf für sich

Rutz lässt sich von der Kritik nicht von seinem Kurs abbringen, zu lange ist das Projekt in seinem Kopf herangereift. Vor sechs Jahren sei ihm die Idee gekommen zu dem, was heute so aussieht: Auf einem 36'000 Quadratmeter grossen, eingezäunten Gelände werden sechs Pavillons mit je zwölf sternförmig um einen Mittelteil mit Ess- und Aufenthaltsräumen angeordnete Zimmer gebaut.

Weiter entstehen auf der Anlage Hotelgebäude, ein Restaurant, eine Bäckerei, ein Personalhaus sowie Freizeitanlagen und ein Park. Die Kosten betragen nach momentanem Stand acht Millionen Franken.

Als Klientel sind maximal 60 Demenzkranke mit oder ohne Partner vorgesehen, die als Dauer- oder Feriengäste im Resort wohnen. Der Vollpensionstarif beträgt unabhängig von der Pflegestufe monatlich 5800 Franken für einen Gast mit Demenz, 1500 für den Partner im gleichen respektive 2800 Franken im separaten Zimmer.

Die ersten Gäste sollen im nächsten April einziehen, zwei Monate später als geplant. Zum Grund der Verzögerung sagt Rutz: «Das ist Thailand. Man kann thailändische Arbeiter nicht unter Druck setzen, sonst erscheinen sie am nächsten Tag nicht mehr auf der Baustelle.»

Trotzdem ist Rutz absolut überzeugt, dass Thailand der beste Standort für ein Demenz-Resort ist: «Es gibt weiche und harte Gründe dafür. Zu den harten zählt das vorhandene ausgebildete Fachpersonal, die Spitzenmedizin in unserem Partnerspital in Chiang Mai, das tiefe Lohnniveau, die günstigen Land-, Bau- und Unterhaltskosten und der gesetzliche Investitionsschutz.»

Unter den weichen Faktoren subsumiert Rutz vor allem die Mentalität: «Die Thailänder haben Respekt vor dem Alter, sind fröhlich und hilfsbereit, und die Familie hat für sie eine übergeordnete Stellung.» Deshalb sieht Rutz das Zusammenleben von Demenzkranken, ihren Angehörigen und dem Pflegepersonal in den einzelnen Pavillons wie das in einer grossen Familie. Und er fügt an: «Das Personal ist das A und O fürs Gelingen des Projekts.»

Zuerst Ferien, dann Dauergast

Die Thailänder sollen dereinst mit rund 120 Angestellten auch den Hauptteil des Personals bilden; etwa 20 Stellen in der Leitung sind für Schweizer vorgesehen respektive bereits besetzt. Im April beginnt alles auf kleinem Feuer. «Wir starten mit einem Pavillon mit acht Bewohnern. Monatlich werden wir dann einen zusätzlichen Pavillon eröffnen, sodass im Herbst das ganze Resort in Betrieb ist.»

Im Idealfall seien zwei Drittel Dauer- und ein Drittel Feriengäste. Denn in der Regel sollten potenzielle Dauergäste zuerst ferienhalber ausloten, ob ihnen das Ganze behagt. Rutz: «‹Vivo bene› ist nicht für alle geeignet, sondern vor allem für flexible, reisegewohnte Personen.»

Bis heute hat sich laut Rutz ein Ehepaar definitiv angemeldet und «zahlreiche Leute» hätten ihr Interesse bekundet. Rutz bezweifelt nicht, dass das Resort schnell voll ist: «Eine Marketingstudie der Fachhochschule Nordwestschweiz hat einen klaren Bedarf festgestellt.»