Die Traubenernte beginnt erst in einigen Wochen. Doch der Weinbauverein Biel-Benken veranstaltet bereits heute Sonntag erstmals sein «Räbefescht» an den Rebhängen des Dorfes. Das ist etwas optimistisch, weil die Qualität des Weinjahrgangs 2013 noch ungewiss ist. Experte Andreas Buser vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain ist der Meinung, dass derzeit trotz nasskaltem Frühling noch alle Optionen offen seien.

«Räbefescht»-Mitorganisator Christian Jäggi, Landwirt in Biel-Benken, rechnet mit einer kleinen Ernte wie schon 2012. Damals setzte massiver Winterfrost im Februar den Rebstöcken so zu, dass die Baselbieter Traubenernte um 40 Prozent tiefer als 2011 ausfiel. Laut Jäggi haben die Pflanzen den letztjährigen Temperatursturz immer noch nicht ganz überwunden. Zudem sei die Blütezeit der Reben diesen Juni just in eine Zeit tiefer Temperaturen gefallen.

Inländische Weine haben schweren Stand

Mit den heissen Juli-Tagen konnten die Trauben ihren Entwicklungs-Rückstand etwas aufholen. Jäggi ist aber nicht unglücklich über eine kleine Ernte. So gebe es auch dank der hohen Qualität der Baselbieter Trauben – vor allem Blauburgunder sowie Riesling-Sylvaner und Gutedel – keine Absatzprobleme. «Die Kunden schätzen die Weine der Region und den direkten Kontakt zum Weinbauern», sagt Jäggi.

Das Weinbusiness macht ihm Freude. Er betreibt je zur Hälfte Milchwirtschaft und Weinbau. Jäggi besitzt rund 2,5 Hektaren Rebberge in Biel-Benken und kleinere Flächen in Oberwil und im elsässischen Leymen. Hier wachsen die Trauben für seinen «Jäggi-Wein», zum Beispiel «Benkemer Blauburgunder» oder «Wysse Benkemer».

Im Baselbiet befinden sich auf einer Fläche von 115 Hektaren Reben, die 300 Winzer pflegen. Sie sind heute damit konfrontiert, dass der Weinkonsum in der Schweiz laut Bundesamt 2012 um 2,2 Prozent abgenommen hat. Inländische Tropfen verzeichneten gar ein Minus von 3,5 Prozent. Zudem nehme die Konkurrenz für die etwas teureren Weine des Baselbiets zu, sagt Jäggi. Erst durch Billigaktionen ausländischer Weine und neuerdings von Westschweizer Anbietern, die so ihre vollen Lager leeren wollten.

Der Biel-Benkemer Landwirt sieht auch grundsätzliche Probleme für Schweizer Weinbauern: Weinbau bedeute viel Arbeit pro Hektare Land, die jedoch bei Konkurrenten im Ausland zu viel tieferen Löhnen der Mitarbeitenden möglich sei, sagt Jäggi. In der EU gebe es zudem im Gegensatz zur Schweiz Subventionen für die Produktion der Weine sowie für den Bau von Weinkellern und selbst für die Hagelversicherungen.

Der Weltmeister aus Muttenz

Auf einer Welle des Erfolgs surft Starweinbauer Urs Jauslin, der am Wartenberg von Muttenz seine Reben hat. Sein Pinot noir «Hohle Gasse» wurde letztes Jahr an der «Mondial du Pinot Noir» in Sierre zum Weltmeister gekürt. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» bestätigt Jauslin, dass er derzeit sehr gut verkaufe. Sein Rosé sei zum Beispiel bald ausverkauft. Er zähle auf eine Privatkundschaft und auf Chefs von Spitzenrestaurants in Davos, Zürich bis Basel, die qualitative Weine schätzten. Zudem wirke er innerhalb der bevölkerungsreichen Agglomeration von Basel. Er kenne Weinbauern in kleinen Dörfern, die wegen der geringen Anzahl Kunden in ihrem Umfeld Absatzsorgen hätten, sagt Jauslin.

Für Nicolas Neuhaus vom Liestaler Weinhändler «Siebe Dupf» ist Marketing für die Baselbieter Weine unabdingbar. Einen Aussendienst, wie er zum «Siebe Dupf» gehöre, könnten sich kleinere Betriebe aber nicht leisten. Der Trend gehe heute aber in der Gastronomie zu regionalen Speisen und Getränken, was für lokale Angebote ein Vorteil sei. Dies zeigt sich bei Coop, dem grössten Schweizer Weinhändler. Die Verkäufe der Baselbieter Weine – aus Aesch, Arlesheim, Biel-Benken bis Buus und Maisprach – seien derzeit «stabil» heisst es bei Coop. Die Baselbieter Weine seien in den regionalen Sortimenten von Basel und Umgebung sowie im Aargau gut vertreten. Der Anteil von Schweizer Weinen bei Coop liegt derzeit bei fast vierzig Prozent. Sie verzeichnen derzeit bei den Verkäufen «ein leichtes Plus» gegenüber dem Vorjahr.

Kleine Fläche an Reben auch in Basel-Stadt

Die Baselbieter Weinbauern und -händler sind im Weinproduzenten-Verband Baselland vereint. Sein Präsident Paul Leisi bleibt überzeugt, dass sich die Baselbieter Weine gut verkaufen lassen: «Wenn die Qualität weiterhin stimmt, ist der Absatz garantiert.» Da heutzutage nicht mehr Wein getrunken werde, müsse man sich aber im Wettbewerb durchsetzen. Auch gegenüber den Badischen Weinen jenseits der Grenze, die ähnliche Produkte anböten. Um gemeinsam in die Zukunft zu gehen, sind seit zwei Jahren auch Weinbauern aus den Kantonen Basel und Solothurn im Verband vertreten. Er soll darum noch dieses Jahr einen neuen Namen erhalten.

Im Gegensatz zu Baselland mit 115 Hektaren Reben hat Basel-Stadt kein grosses Weingebiet. Seine Rebfläche beträgt gemäss Bundesamt für Statistik gerade mal 4,8 Hektaren. Dort stehen Reben vor allem der Sorten Blauburgunder und Riesling-Sylvaner. Hauptweingebiet ist der Gemeinde-Rebberg von Riehen am «Schlipf» mit einer Fläche von rund 3,5 Hektaren. Dort ist kein eigentlicher Weinbauer tätig, sondern seit 1979 der Gemeinde-Rebmeister Jakob Kurz.

Seit über 1200 Jahren werden in Riehen Reben angebaut. Für begüterte Basler war der Weinbau in Riehen im 16. bis 18. Jahrhundert mit ein Grund dort ein Landgut zu halten, wie es in einem Aufsatz der Gemeinde heisst. Der Riehener Wein wurde vor allem in Basel kredenzt. Noch im Jahr 1770 betrug die Fläche über 70 Hektaren. Dank Rebmeister Kurz hat der Wein aus der Landgemeinde in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt: Pro Jahr wird Wein für 20 000 Flaschen vom Pinot blanc bis zum Marc de Schlipf hergestellt und an der Porte des Werkhofs verkauft.

Ende Jahr wird Kurz pensioniert. Um Kosten zu sparen, löst der Gemeinderat den speziellen Posten auf. Deshalb wird der Rebberg am Schlipf ab Januar 2014 verpachtet. Die Wahl fiel auf Thomas Jost und den deutschen Kellermeister Hanspeter Ziereisen. Jost wird in der noch zu gründenden Weingut Riehen GmbH Betriebsleiter. Ziereisen ist sein Berater und wird den Riehener Wein in der Region vermarkten.