Bei der Elektra Birseck Münchenstein (EBM) herrscht Grund zur Freude. Gewinn, Umsatz, Zahl der Kunden, Eigenkapital: Bei allen wichtigen Kennzahlen erwirtschaftete die Energieversorgerin im vergangenen Jahr ein Plus, und die Weichen sind auf Expansion gestellt. Trotzdem wurde auch relativiert an der Bilanzmedienkonferenz am Montag.

Vor allem der Gewinn, den die Gruppe erzielt hat, sticht heraus. Waren es im Vorjahr noch 21 Millionen Franken, so betrug er 2017 aussergewöhnlich hohe 185 Millionen Franken. Der Löwenanteil rührt jedoch von einem einmaligen Effekt her: Die EBM veräusserte die Hälfte ihrer Beteiligung an der französischen Direct Energie, der Nummer drei im französischen Elektrizitätsgeschäft. So konnte die EBM-Gruppe 90 Millionen Franken lösen.

Doch selbst, wenn dieser ausserordentliche Ertrag abgezogen wird, hat die Genossenschaft in ihrem 120. Geschäftsjahr einen Gewinn von 42 Millionen Franken vor Steuern erwirtschaftet. «Auch ohne Ausreisser können wir ein ordentliches Ergebnis präsentieren», sagte Finanzchef Stephan Naef vor den Medien am EBM-Hauptsitz in Münchenstein. In allen vier Kernsegmenten – Elektrizität, Netz, Wärme, erneuerbare Energien – befinde man sich auf Kurs.

Schielen auf Marköffnung

Die Abstossung von Unternehmensbeteiligungen ist die Ausnahme in der jüngeren Geschichte der EBM-Gruppe. Sie will den eingeschlagenen Wachstumspfad weiter verfolgen, in ihren Stammgebieten in der Schweiz, aber auch in Frankreich. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 zu den Big-Five im Elektrizitätsgeschäft in der Schweiz vorzustossen. Heute bewegt sich die Gruppe in diesem Segment im hinteren Drittel der Top-Ten.

Die Zahl der Netzkunden vergrösserte sich alleine 2016 um einen Fünftel. Im Sommer jenes Jahres erwarb die EBM gemeinsam mit zwei Partnern die Energieversorgerin Aare Versorgungs AG (AVAG) mit gegen 30 000 Kunden. Ende 2017 zählte die EBM insgesamt rund 170’000 Private und Unternehmen zu ihren Bezügern, davon 18’000 in Frankreich. Hinzu kommen in beiden Ländern gegen 29’000 Wärmekunden.

Auch im vergangenen Jahr wurden Zukäufe getätigt. So erhielten die Münchensteiner den Zuschlag für die Übernahme des Multi-Energy-Billing-Geschäftes der Swisspower Energy AG. In Frankreich kam es zu einem Joint Venture mit Direct Energie, seit Anfang Jahr firmiert es unter dem Namen EBM Energie France SAS. «Mit der Integration der EBM Energie France will die EBM im französischen Stromgeschäft weiter wachsen», heisst es im Geschäftsbericht.

Die EBM bereitet sich auf die vollständige Liberalisierung des Schweizer Strommarkts vor. Seit 2009 können Grosskunden ihren Anbieter frei wählen, also Bezüger mit einem Verbrauch von 100 000 Kilowattstunden und mehr, wozu bereits Hotels zählen. In einigen Jahren könnten auch «normale» Kunden in den Genuss dieser Wahlfreiheit kommen. Die EBM rechnet mit einer vollständigen Öffnung des Strommarktes in der Schweiz im Jahr 2023.

3er fährt mit EBM-Strom

Schon heute geraten die Anbieter zunehmend unter Preisdruck. Das geht auch aus dem Geschäftsbericht hervor. Darin heisst es, die Differenz zwischen den Produktionskosten der Kraftwerke und den Preisen am Markt hätte sich «deutlich verringert». Bei einzelnen Kraftwerken lägen die Produktionskosten sogar höher als der aktuelle Marktpreis. Das bedeutet: Bei einem Weiterverkauf der nicht benötigten Menge bezahlt die EBM drauf.

Neuerdings liefert die EBM auf der anderen Seite der Grenze Strom für ein bekanntes Unternehmen. Die Trams der Basler Verkehrs-Betriebe, die auf dem Ende 2017 eingeweihten französischen Abschnitt der Linie 3 unterwegs sind, fahren mit Strom der EBM. Dass sie zum Handkuss kam, hat einen naheliegenden Grund: Die Geleise wurden grösstenteils im Netzgebiet der EBM Réseau de Distribution verlegt – das ist ein EBM-Tochterunternehmen im Elsass.