Scherzhaft zeigte Ex-Wirtschaftskammerdirektor Hans Ruedi Gysin auf Landrat Sven Inäbnit. Doch dieser meldete sich nicht. Natürlich nicht. Als FDP-Kantonalpräsident Paul Hofer die rhetorische Frage in die Runde warf, ob sich noch jemand für eine Regierungskandidatur zur Verfügung stelle, blieben alle Hände unten. Nach intensiven Diskussionen im Parteivorstand hatten sich die Liberalen bereits vor Wochen dazu durchgerungen, den Regierungssitz der nicht mehr antretenden Sabine Pegoraro kampflos preiszugeben. Am heutigen Nominationsparteitag in der Grün 80 in Münchenstein gab es niemanden, der diesen Parteileitungsbeschluss hätte unterlaufen wollen.

So musste über die Nominierung der einzigen Kandidatin, Bildungsdirektorin Monica Gschwind, nicht einmal mehr abgestimmt werden. Mit Applaus und riesigem Blumenstrauss sprach ihr die FDP-Basis das Vertrauen aus. Alt Landrätin Marianne Hollinger gab zwar in ihrer Laudatio auf die Bisherige zu bedenken, dass ein «Jenachdemer» bessere Wahlchancen hätte als die «gradlinige» Gschwind. Darum benötige sich im März 2019 die volle Unterstützung der Partei. Ihr Leistungsausweis sei allerdings jetzt schon riesig. Der Marschhalt in der Lehrplan-21-Einführung unmittelbar nach Amtsantritt habe sich als «wahres Husarenstück» herausgestellt.

Gschwind habe das «Chaos im Bildungswesen» nach 20-jähriger SP-Vorherrschaft in den Griff gekriegt und die vorhandenen Ressourcen bestmöglich verteilt. Auch habe sie es gewagt, die zuvor unantastbare Finanzierung der Universität infrage zu stellen und für das Baselbiet eine neue, «tipptoppe» Leistungsvereinbarung mit tieferen Beiträgen herauszuholen.

Blieb die Überraschungskandidatur aus, so gab es ebenso wenig eine Diskussion über die Preisgabe des zweiten Regierungssitzes zugunsten eines zweiten SVP-Kandidaten. «2015 waren wir dran, jetzt ist es die SVP», begründete Hofer den Deal mit der SVP knapp. Im Gegenzug sei nie angezweifelt worden, dass die FDP im Herbst 2019 die bürgerliche Ständeratskandidatur bekommen werde. Als ein älteres Mitglied doch noch anmerkte, dass SVP-Regierungsrat Thomas Weber wegen der ZAK-Affäre «jetzt angreifbar» sei, fertigte Hofer diesen kurz angebunden ab: «Für Weber gilt die Unschuldsvermutung.»