Wann hat es das im Kanton Baselland zuletzt gegeben? Kulturschaffende und Kulturfreunde demonstrierten am Mittwochnachmittag vor dem Baselbieter Regierungsgebäude in Liestal. Mit Plakaten, Reden und Gesangseinlagen protestierten sie gegen die geplanten Kürzungen im Baselbieter Kulturbudget.

Geschätzte 200 Personen aus Stadt und Land waren gekommen, um ihre Empörung und ihre Sorge kundzutun. Viele freischaffende Künstler und Kulturschaffende sowie die Leiterinnen und Leiter oder Vertreter zahlreicher wichtiger Kulturinstitutionen waren dabei: Kunsthaus Baselland, Kaserne Basel, Palazzo Liestal, Neues Theater, Junges Theater und einige mehr.

«Kulturfeindlicher Akt»

«Mit unserer Präsenz setzen wir ein deutliches Zeichen, dass Kultur grundlegend wichtig ist – für uns Bürgerinnen und Bürger, für den Kanton und für die ganze Region. Kultur ist unsere Identität», sagte die Künstlerin Irene Maag, Trägerin des Kulturpreises Baselland 2014, zur Begrüssung. Man sei heute gemeinsam hier, «um gegen den kulturfeindlichen Akt der Regierung zu protestieren und um das Budgetpostulat von SP-Landrat Jürg Degen zu unterstützen». Dessen Begehren fordert, dass das Abbauprogramm 2016 von minus 390 000 Franken in der Kunst- und Kulturförderung rückgängig gemacht werde. Es wird heute, als Teil der grossen Budgetdebatte, im Landrat behandelt.

Bis 2019 sollen weitere 395 000 Franken bei der Baselbieter Kultur gestrichen werden. Mehrere Rednerinnen und Redner erwähnten, wer alles vom geplanten Abbau betroffen ist und was das bedeutet (vgl. die bz von gestern). Besonders hart trifft es die bildende Kunst: Der Kunstkredit Baselland soll 2016 um 140 000 auf 50 000 gekürzt werden; das Atelier Mondiale bekommt ab 2017 120 000 Franken weniger für seine Künstler-Austauschprogramme. Fast alle Kulturschaffende sind zudem davon betroffen, dass ihnen Transport- und Reisespesen nicht mehr vergütet werden, dass sie sich bei der Videobasis nicht mehr zu günstigen Konditionen technische Geräte leihen können und dass der Internetsender art.tv nicht mehr über sie berichten können wird.

«Wird das sowieso schon zu kleine Budget für Kunst noch mehr zusammengestrichen, wird professionelles Kunstschaffen zum Hobby degradiert», sagte Irene Maag. Der Abbau stehe zudem «im kompletten Widerspruch zum eigentlichen Ansinnen des Kantons, respektive Frau Regierungsrätin Gschwind: nämlich insbesondere die basel-landschaftliche Kultur fördern zu wollen.»

Mehr Mitsprache gefordert

Künstlerin Nadine Seeger und Doris Weiller vom gleichnamigen Figurentheater lasen eine Resolution der Kulturschaffenden vor, die sie anschliessend Landschreiber Peter Vetter persönlich übergaben. Die Unterzeichnenden fordern, dass die Mittel für die Kultur nicht ab-, sondern in allen Bereichen ausgebaut werden. Sie möchten zudem, dass die Regierung künftig Sparmassnahmen begründe und über finanzielle Veränderungen informiere. Denn die jetzigen Kürzungen wurden am Schreibtisch ohne vorhergehende Gespräche mit den Betroffenen vorgenommen.

Theaterregisseur Kaspar Geiger las ein «Manifest für eine selbstbewusste Kultur im Baselland» vor, das unter anderen Nationalrätin Maya Graf (Grüne) sowie Ständerat Claude Janiak (SP) unterzeichnet haben. Gerade in wirtschaftlich und gesellschaftlich schwierigen Zeiten könne die Kultur den Weg weisen, «wie wir uns konstruktiv behaupten und Fremdes miteinbeziehen können.» Das Manifest betont: «Mehr denn je brauchen wir die Kunst, denn ihr ist es eigen, auf drängende Themen unserer Zeit zu reagieren, ohne gleich fertige Antworten zu liefern.»

Die meisten Protestierenden haben Kunst- und Realitätssinn. Ihnen ist klar: Eine Mehrheit des Landrats wird die Kürzungen heute unterstützen. Eine Künstlerin sagte resigniert: Es ist wie bei der UBS. Nicht die Mächtigen müssen am Ende für ihre Fehler bezahlen.

Doch ein Gutes hat diese Krise: Sie hat die Kunst- und Kulturschaffenden zusammengeschweisst. Auf diesem Wir-Gefühl soll weiter aufgebaut werden. Irene Maag kündete die Gründung eines Verbands an, der die Interessen der Kulturschaffenden wie der Kulturnutzenden vertreten soll. Am 3. Februar 2016 um 18 Uhr im Restaurant Schützenstube in Liestal ist die für alle Interessierten offene Gründungsversammlung. Vielleicht fahren die Künstler bald härteres Geschütz auf.