Vielleicht war es sogar ein geschichtsträchtiger Moment gestern Abend an einem auf jeden Fall geschichtsträchtigen Ort: Vertreter von Liestal und neun Gemeinden aus den beiden Frenkentälern und Umgebung unterzeichneten in feierlichem Rahmen auf Schloss Wildenstein eine Charta für eine engere Zusammenarbeit.

Diese Charta hat zwar den unverbindlichen Charakter einer Absichtserklärung, trotzdem ist sie mehr: Sie ist das Ende eines vierjährigen Planungsprozesses mit Testplanung, Zukunfts- und Ergebniskonferenz und der Anfang eines regionalen Zusammenrückens in praktisch allen öffentlichen Bereichen von der Infrastruktur über die Planung bis hin zur Naturpflege. Dies soll sich, so hoffen die Beteiligten, finanziell und qualitativ für die Gemeinden lohnen, sie aber auch gegenüber dem Kanton stärken.

Viele legten schon los

Das neue Gebilde nennt sich Region Liestal Frenkentäler Plus und wird von einer Arbeitsgruppe mit Vertretern aller zehn beteiligten Gemeinden geleitet. Als nächster Schritt, so erklären der Bubendörfer Gemeinderat Thomas Noack und der Titterter Gemeindepräsident Heinrich Schweizer, werde eine Trägerschaft in Form eines Vereins oder Zweckverbands gegründet, danach eine Agentur als eine Art Geschäftsstelle.

Doch die meisten Gemeinden wollen nicht warten, bis diese strukturellen Arbeiten abgeschlossen sind und dann als Härtetest auch noch die Gemeindeversammlungen der beteiligten Orte respektive in Liestal den Einwohnerrat passiert haben. Sie haben in Subgruppen bereits zu wirken begonnen. So arbeiten Bubendorf, Hölstein, Lupsingen, Ramlinsburg, Reigoldswil und Titterten an einem Musterreglement für die Zonenplanung. Aus diesem können dann die einzelnen Gemeinden bei der nächsten Zonenplanrevision einzelne Module übernehmen, wie Noack sagt. Und er ergänzt: «Da gibt es ganz spannende Themen. So etwa der Umgang mit Nutzungszonen ‹am falschen Ort›.»

Noack macht ein Beispiel: In Reigoldswil kann eingezontes Gewerbeland mangels Interessenten nicht verkauft werden, das Bubendörfer Gewerbe will wachsen, es gibt aber kein geeignetes Land. Also könnte Reigoldswil Gewerbeland auszonen, Bubendorf im Gegenzug einzonen mit entsprechender Transferzahlung an Reigoldswil. So ein Mechanismus sei neu fürs Baselbiet. Noack hofft auch, dass eine möglichst einheitliche Zonenplanung eines Tages zu einer gemeinsamen Bauverwaltung führt. Denn obwohl Bubendorf einen eigenen Bauverwalter habe, stosse die Gemeinde wegen der Komplexität und Vielfalt der Aufgaben im Bauwesen an Grenzen. Und Heinrich Schweizer ergänzt: «Die Alternative wäre noch mehr Zentralisierung beim Kanton. Doch das halte ich für ein Auslaufmodell.»

Es hat Platz für mehr

Auch die Gemeinden Reigoldswil, Titterten und Ziefen sowie die «zugewandten Orte» Arboldswil, Bretzwil und Lauwil haben sich schon mehrmals getroffen, um die Effizienz ihrer Verwaltungen zu steigern. Angesprochene Themen waren laut Schweizer ein gemeinsames Beschaffungswesen, die gemeinsame Bewirtschaftung von Infrastruktur wie Turnhallen oder der Aufbau eines Finanzkompetenz-Zentrums. Schweizer: «Wir stehen am Anfang. Wir erwarten innert der nächsten zwei Jahre konkrete Resultate.»

Mit «zugewandten Orten» sind Gemeinden gemeint, die die Charta noch nicht unterzeichnet haben. Diesbezüglich zeigt der Name «Liestal Frenkentäler Plus» die künftige Marschrichtung: «Plus» steht nicht nur für Orte auf den Höhenzügen, die nicht zu den Frenkentälern gehören, sondern deutet auch an, dass man offen für Zuwachs ist.

Zuwachsfördernd könnte sich das vor zwei Wochen vom Landrat verabschiedete Altersbetreuungs- und Pflegegesetz (APG) auswirken. Es verpflichtet die Gemeinden, sich innerhalb der nächsten drei Jahre in Regionen zu organisieren. Es gelte jetzt auszuloten, ob die Zusammenarbeit der Gemeinden und die Umsetzung des APG über ein und denselben Zweckverband gelöst werden könne, sagt Noack. Finanziell steht die Region Liestal Frenkentäler Plus derzeit auf eigenen Beinen: Die für den vierjährigen Planungsprozess budgetierten 750 000 Franken wurden nicht ausgeschöpft; rund 130'000 Franken stehen noch zur Verfügung.

Bei der Charta-Unterzeichnung auf Schloss Wildenstein gab es Lob von Bund und Kanton. Eric Jakob, Leiter der Standortförderung beim Seco, sprach von einem Beispiel, das Schule machen könne. Denn Regionen, die sich zusammenschliessen, nähmen das Heft in die Hand. Und Regierungsrat Anton Lauber sagte: «Sie gehen mit einem Superbeispiel für den ganzen Kanton voran.» Regionen seien «das künftige Bollwerk für Gemeindeautonomie».