Herr Csontos, Ihre Partei ist gegen den neuen Flugzug an den Euro-Airport, Sie sind gegen den Vorschlag der Antistau-Taskforce, Park&Ride-Anlagen im Baselbiet zu bauen. Ist das Ihre Verkehrspolitik? Verhindern, was neu gebaut werden soll?

Bàlint Csontos: Ja. Das ist ein Teil unserer Verkehrspolitik und wir müssen so funktionieren. Das Baselbiet hat eine rechte Mehrheit, die just mit jenen Mitteln versucht, die Probleme zu bekämpfen, die ja genau die Probleme geschaffen haben. Allein beim Thema Flugzug ist klar: Es wird mit dem Zug auch mehr Flugbewegungen morgens und abends geben. Das heisst, es kommt erstens zu mehr Lärmbelastung für die Anwohner und zweitens zu einer höheren CO2-Belastung. Wer mir also mit ökologischen Argumenten diesen Zug verkaufen will, soll dies erst wissenschaftlich belegen, denn davon haben wir in allen Vernehmlassungen bisher noch gar nichts gesehen.

Mit Ihrer Opposition deckeln Sie aber die Entwicklung des trinationalen Flughafens.

Der Flughafen braucht dringend eine Deckelung. Wir haben eine Bevölkerung, die enorm belastet wird, und statt etwas dagegen zu tun, präsentieren Flughafen, Kantone und Bund nur Ausbaustrategien. Das ist nicht mehr zeitgemäss. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir in diesem Bereich auch eine Initiative lancieren werden.

Das ist forsch. Dasselbe wie beim Strassenbau: Sie sagen Nein. Besonders zur Haltung der Bürgerlichen, einen Ausbau der Infrastruktur voranzutreiben, um die Überlastung auf den Hochleistungsstrassen zu bekämpfen. Können Sie nur Nein sagen oder haben Sie einen Plan?

Erst einmal eine allgemeine Bemerkung: Wir sind im Baselbiet wieder in einem finanziellen Bereich, in dem wir Investitionen tätigen können. Und was passiert? Von rechts werden Aufträge an die Tiefbaufirmen verteilt, die ihre Kapazitäten nutzen oder sogar erweitern wollen. Und dafür muss man halt Strassen bauen. So lange wir uns in einer so krassen parlamentarischen Minderheit befinden – wir stellen 6 von 90 Landräten –, gibt es nichts anderes, als diesen Kreislauf zu bekämpfen.

Ein schöner Slogan für den Wahlkampf. Aber was ist Ihre konkrete Forderung an die Verkehrsplanung?

Das Baselbiet hat mehrere Verkehrs-Hotspots. Einer der wichtigsten Hotspots ist das Leimental. Hier gehört keine lange Tramlinie hin, sondern eine S-Bahn. Die kann gerne auch teilweise unterirdisch fahren. Wenn wir in dieser Generation ein grosses Projekt auf die Beine stellen, dann wäre das eines, hinter dem die Grünen stehen würden. Weiter müssen wir die Menschen auch an die bestehenden S-Bahnhöfe bringen. Das heisst: Wir müssen erstens die Buszubringer verbessern, mit einem dichteren Takt und einem besseren Netz, gerade im Unterbaselbiet. Und wir brauchen an allen S-Bahnhöfen zwischen Angenstein und Hülftenschanz Veloparkings für mindestens 1000 Velos. Sicher, gut erreichbar, günstig, überdacht und nah am Perron.

Sie wollen den Baselbietern also das Autofahren vergraulen.

Nein. Das zeigen auch die zwei Vorstösse zur E-Mobilität von Landrätin Florence Brenzikofer von vergangener Woche. Da stehen wir hinter denen, die sich mit dem motorisierten Individualverkehr beschäftigen. Zumal wir in diesem Bereich ein Entwicklungskanton sind. Aber es ist eben so: Mit den E-Bikes haben wir ein ganz neues Mobilitäts-Potenzial. Zumal jeder mit dem Velo zurückgelegte Kilometer eine Entlastung für die Krankenkassenprämien bedeutet und weniger milliardenteure Autostrassen bei tieferem CO2-Ausstoss. Deshalb fordern wir ein Velo-Schnellstrassennetz im Unterbaselbiet.

Wie soll das aussehen?

Da geht es darum, dass wir auf den zentralen Achsen kreuzungsfrei direkt in die Stadt fahren können, ohne Angst vor Lastwagen zu haben, die einen überholen. Das Konzept steht bereits und heisst «V 0 bis V 6». V 1 führt von Allschwil in die Stadt, V 2 vom Leimental via Dorenbach, V 3 mündet in der Heuwaage, V 4 kommt vom Birseck bis zum Viertelkreis im Dreispitz, V 5 geht vom Oberbaselbiet bis zum St. Jakob-Stadion, V 6 von Birsfelden entlang des Rheins. V 0 wiederum ist die Verbindung dieser Eingangspunkte rund um die Stadt.

Also ein Baselbieter Veloring rund um den Kanton, dessen Bevölkerung einen eigenen Veloring abgelehnt hat?

Es ist aus unserer Sicht erstaunlich, dass sich auch der Basler Grosse Rat keine grossen Gedanken dazu macht, wie der Verkehr künftig aussehen soll. Insbesondere, weil sehr viele Berufspendler vom Baselbiet nach Basel-Stadt zur Arbeit fahren. Das bedeutet nun einfach mal viel Verkehr. Das Baselbiet sagte in der Vergangenheit bereits klar, dass wir zwar mit der Stadt eng verknüpft sind, aber unsere Verantwortung selbst wahrnehmen wollen. Und, ehrlich gesagt, ist mein Traum, dass das Baselbiet punkto Zukunftswillen Basel-Stadt jetzt einfach mal überholt.

Kommendes Jahr sind im Baselbiet Wahlen, FDP-Regierungsrätin Sabine Pegoraro verlässt die Bau- und Umweltschutzdirektion. Sie als Grüner müssten doch jetzt ein vitales Interesse daran haben, Ihren Regierungsrat Isaac Reber auf diesen Sitz zu hieven.

Wir haben an der Nominationsversammlung der Grünen zur Kandidatur Reber recht frei über das Thema gesprochen. Es ist sicher nicht so, dass ich wöchentlich mit Isaac Reber zusammensitze und diese Frage diskutiere. Das wird nach den Wahlen passieren. Ich sehe es so, dass wir als Erstes einen Wechsel im Parlament anstreben müssen. Denn die Regierung ist jeweils nur so rückständig, wie sie vom Parlament rückständig zu sein gelassen wird und umgekehrt. Mit der aktuellen Mehrheit von FDP und SVP ist das Parlament weder fortschrittlich noch willens, die ernsthaften Probleme des Kantons anzugehen. Erst wenn der Landrat anders aufgestellt ist, können wir beginnen, über die Sitzverteilung in der Regierung zu sprechen.