Etwas steht fest: Beschliesst der Kanton Aargau Ende 2019, dass er neu auch im Fricktal ein Gymnasium braucht, um die steigenden Schülerzahlen bewältigen zu können, kommt es zu einem Exodus der heute 300 Fricktaler Schülerinnen und Schüler, die das Gymnasium und die FMS Muttenz besuchen. Vor allem die Maturitätsabteilung würde stark ausgedünnt (bz von gestern). Das befeuert natürlich die Befürchtungen, die schon im Frühling aufgekeimt waren, dass die Gymnasiasten in Muttenz keine Zukunft mehr haben. Am Montag beruhigte die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind im Rahmen der Medienkonferenz zum ersten Schultag allerdings mit einer klaren Aussage: «Wir brauchen sicher weiter fünf Gymnasiums-Standorte.»

Maturitätsabteilungen werden überprüft

Nun stellt sich heraus: Gschwind hat Wortklauberei betrieben. Auf Anfrage der bz präzisieren die fünf Baselbieter Gym-Rektoren, was sie damit wirklich meinte. Und diese müssen es wissen, sitzen doch vier von ihnen in der Arbeitsgruppe, die über einem Bericht zur zukünftigen Mittelschul-Struktur des Kantons brütet. «Wir benötigen weiter fünf Mittelschul-Standorte», sagt Marc Rohner zwar auch. Der Rektor des Gym Oberwil sitzt als Leiter der Hauptabteilung Mittelschulen den Rektoren vor. Doch er fährt fort: «Es kann aber dennoch zu Verschiebungen der Angebote kommen.»

Und die Rektorin des Gym Muttenz, Brigitte Jäggi, sagt: «Wir prüfen, wie die verschiedenen Angebote wie Schwerpunktfächer, Berufsfelder, Maturitätsabteilungen und Fachmittelschulen sinnvoll auf die fünf Standorte verteilt werden könnten.» Auf ihr Gymnasium Muttenz gemünzt heisst das: Der Schul-Standort an sich mag gesichert sein, nicht aber zwingend der Erhalt der dortigen Maturitätsabteilung. Denn das Gym Muttenz besteht aus Gymnasium und FMS.

Liestal schon jetzt am Anschlag

Es sei die explizite Aufgabe der Arbeitsgruppe, verschiedene Varianten zu prüfen, so Rohner. Ende Jahr soll ein erster Bericht vorliegen. Rohner betont: «Am Ende kann auch der Status quo als das Richtige beurteilt werden.» Und noch etwas ist dem obersten Rektor wichtig: «Da die Angebotsmenge gleich bleibt und kein Mittelschulstandort geschlossen wird, müssen unsere Lehrpersonen keine Angst um ihre Jobs haben.» Es könnte also lediglich zu einem Wechsel des individuellen Arbeitsortes kommen.

Gleichwohl bringt die Präzisierung wieder Unsicherheit in die fünf Gymnasien. Thomas Rätz, der als Rektor des Gym Liestal als einziger nicht in der Arbeitsgruppe ist, sagt: «Alles ist möglich, der Status quo oder grosse Umwälzungen.» Da ein mögliches Gymnasium Fricktal nicht vor 2028 in Betrieb gehen würde, fehle zurzeit die Planungssicherheit.

«Wir in Liestal sind schon heute platzmässig am Anschlag.» Steigen die Schülerzahlen vor allem in den Naturwissenschaften weiter, müsste Liestal Räume dazu mieten oder bestehende für die Naturwissenschaften umrüsten, betont Rätz. Um das Fortbestehen der gymnasialen Abteilung fürchten muss sich Liestal allerdings kaum. Auch in Münchenstein, Oberwil und Laufen scheint dies unbestritten. Isidor Huber vom Gymnasium Laufental-Thierstein verweist etwa auf die Bedeutung der Verträge mit den Kantonen Solothurn und Jura, die gesetzt sind.

Muttenz eigentlich «sehr erfolgreich»

Anders eben in Muttenz: Jäggi sagt zwar, dass sie «zurzeit ruhig schlafen» könne. Doch inaktiv bleibt sie deswegen nicht: «Ich persönlich setze mich für den Erhalt der Maturitätsabteilung in Muttenz ein. Der Status quo ist sehr erfolgreich.» Man habe mit Muttenz, Pratteln und Birsfelden ein grosses Einzugsgebiet. Für Jäggi ist klar: «Der Bedarf ist gegeben.»