Die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) erfüllen zwar die Funktion eines Universalhafens, in dem alle Arten von Gütern umgeschlagen werden. Doch zwei der drei Standorte sind nicht in Basel, sondern in Birsfelden – Stahl, Mineralölerzeugnisse, Trockengüter und Container für die Nordwestschweiz – und Muttenz, wo im Auhafen Mineralölerzeugnisse, Chemie und Agrargüter wie etwa Dünger umgeschlagen werden. Die Mineralölversorgung der Schweiz läuft nach der Schliessung der Walliser Raffinerie Collombey zu einem guten Drittel über die beiden Baselbieter Häfen. Dafür und für andere strategische Güter ist es entscheidend, dass diese zuverlässig erreichbar sind. Dafür hat der Verwaltungsrat der SRH im Dezember den Aktionsplan Schifffahrt für die südlichen Häfen beschlossen, der gestern an einer Pressekonferenz vorgestellt wurde.

Vier wesentliche Massnahmen

Der Aktionsplan besteht aus folgenden Massnahmen:

  • Felsbuckel und Kiesbänke erschweren die Schifffahrt zwischen Dreirosenbrücke und Birsmündung vor allem bei Niedrigwasser. In normalen Jahren können deshalb die Schiffe rund zwei Monate nicht voll beladen die Baselbieter Häfen anfahren. Indem man die Fahrrinne punktuell um 30 Zentimeter vertieft, soll diese Zeit auf rund zwei Wochen reduziert werden. Der zulässige Tiefgang der Schiffe wird damit von 320 auf 350 Zentimeter vergrössert.
  • Bisher konnte man bei Pegelständen über 620 Zentimeter keine beladenen Schubleichter zu den Südhäfen bringen. Die Anschaffung eines neuen Schlepp- und Schubboots mit dem Namen «Wild Maa» soll ermöglichen, künftig Leichter bis 5000 Tonnen Ladung bis zum Pegelstand von 790 Zentimeter (Hochwassermarke) in die beiden Südhäfen zu bringen. Die «Wild Maa» wird die «Vogel Gryff» ersetzen. Sie kostet 4 Millionen Franken, ist speziell für ihre Aufgaben am Rheinknie konzipiert und soll Anfang 2017 ihren Betrieb aufnehmen.
  • Die Leistungsfähigkeit eines Hafens hängt nicht nur von der wasserseitigen Erreichbarkeit ab, sondern auch von der landseitigen Anbindung. Bisher war die gemeinsame Hafenbahn Birsfelden und Auhafen nur über ein einziges Gleis vom Rangierbahnhof Muttenz aus erreichbar. Neu wird nun für 35 Millionen Franken in Muttenz durch ein neues, 900 Meter langes Gleis die Hafenbahn mit den Gleisanlagen in Schweizerhalle verbunden. Das neue Gleis wird durch einen Tunnel unter der Rheinfelderstrasse hindurch dem Hardwald entlang geführt. Zwecks Grundwasserschutz wird es in eine Betonwanne hineingebaut. Damit hat erstens die Hafenbahn zwei Zu- und Wegfahrmöglichkeiten zum Rangierbahnhof Muttenz. Und zweitens ist das Industriegebiet Schweizerhalle so mit dem Hafen verbunden, dass durch einfache Rangierfahrten Fracht direkt zum Hafen gebracht werden kann. Auch das künftige strategische Entwicklungsgebiet Salina Raurica bekommt so einen direkten Gleisanschluss an die Häfen. Im November 2015 wurde das Plangenehmigungsverfahren für das Projekt «Südanbindung Hafenbahn» beim Bundesamt für Verkehr eingereicht.
  • Weiter wird die Organisation angepasst. So soll die Revierzentrale, welche den Schiffsverkehr überwacht, künftig auch am Wochenende besetzt sein. Zudem werden die bisher selbstständigen Lotsendienstleistungen in den Bereich Schifffahrt der SRH integriert, nicht zuletzt, um Synergieeffekte mit dem neuen Schlepp- und Schubdienst zu nutzen.

Parallel dazu arbeitet man in den SRH daran, die gesetzlichen Voraussetzungen zu schaffen, dass auch Schiffe mit einer Länge von 135 Metern die Südhäfen anlaufen können. Zudem will man in die Ausbildung investieren.