Im Oktober 2014 verurteilte das Strafgericht in Muttenz einen Physiotherapeuten wegen sexueller Handlungen mit Kindern zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Er hatte während seiner Sportmassagen mehrere Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren im Intimbereich befummelt und diese teilweise auch fotografiert. Der Mann bestritt die intimen Berührungen und zog das Urteil weiter.

Vor dem Kantonsgericht in Liestal kam er damit aber gestern nicht durch: Die drei Richter sahen bei seinen Opfern auch eine Widerstandsunfähigkeit als gegeben, was juristisch als Schändung gilt. Deshalb erhöhten sie das Strafmass auf 21 Monate bedingt. Die Staatsanwaltschaft hatte 24 Monate verlangt.

Während der Probezeit von drei Jahren gilt weiterhin die Weisung zur Therapie für den Mann sowie ein Verbot von Massagen an Patienten unter 18 Jahren. Auf ein zeitlich nur beschränkt mögliches Berufsverbot verzichtete das Gericht damals. Statt dessen meldete man den Fall dem Kantonsarzt, der langfristig ein Auge auf die Berufsausübung des Mannes werfen soll. Das Kantonsgericht bestätigte auch diesen Punkt, die Staatsanwaltschaft hingegen hatte ein Berufsverbot gefordert.

Medien nicht erwünscht

Ob der Mann die Taten immer noch kategorisch bestreitet, ist nicht bekannt: Das Kantonsgericht schloss gestern auch die akkreditierten Medienschaffenden von der Verhandlung aus. Gerichtspräsident Edgar Schürmann sagte dazu, der Angeklagte habe vor und nach der Berichterstattung um die erstinstanzliche Verhandlung im 2014 ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Der Ausschluss diene auch dem Schutz der Opfer, sagte Schürmann.

Gestern wurde allerdings keines der Opfer als Zeuge vor Gericht geladen. Das Kantonsgericht stufte die Aussagen der Opfer als glaubwürdig ein, der 40-Jährige hingegen habe sich widersprüchlich geäussert. Offenbar hatte er am Montag eingeräumt, es sei «möglicherweise» zu einigen Berührungen gekommen. «Sie haben ihre Vertrauenssituation als Physiotherapeut klar missbraucht», sagte Schürmann.

Der Mann hatte bislang betont, es habe keine sexuelle Motivation dafür gegeben, dass er intime Bereiche seiner Patienten fotografiert habe. Der Gerichtspräsident bemerkte dazu, dass man ihm dies nicht abnehme. Man hatte damals auf dem Rechner des Physiotherapeuten auch Kinderpornografie gefunden.

Die Würdigung der Beweise ist damit abgeschlossen. Der Verurteilte kann allerdings den Fall noch ans Bundesgericht weiterziehen, um dort reine Rechtsfragen klären zu lassen.

Zwei der Mädchen erhielten eine Genugtuung von 2000 und 1500 Franken wegen der Übergriffe zugesprochen. Bei einer weiteren jungen Patientin fotografierte der Mann heimlich ihr nacktes Hinterteil, das Gericht sprach ihr 500 Franken zu. Auch diese Summen bestätigte gestern das Kantonsgericht.