Die meisten Rotlicht-Missachtungen misst die Baselbieter Polizei in Reinach Süd: Bei der Ein- und Ausfahrt der H18 fährt alle viereinhalb Minuten ein Auto über ein Rotlicht. Mit 215 Missachtungen pro Tag (gemessen wurde zwischen 6 und 22 Uhr) stellt Reinach Süd den Rekord im Baselbiet auf.

Für den TCS-Präsidenten beider Basel ist der Fall klar: Schuld seien in diesem Fall nicht die Autofahrer, sondern die Ampeln. «Man sieht sie nicht von weitem, da sie hinter einer Kurve stehen», kritisiert Christophe Haller. Davon hält der Baselbieter Polizeisprecher Meinrad Stöcklin nicht viel: «Diese Behauptung hören wir zum ersten Mal.» Weshalb in Reinach Süd besonders viele Rotlichter überfahren werden, weiss er nicht: «Über die Gründe zu sinnieren, wäre reine Spekulation und nicht seriös.»

«Nimmt Gefährdung in Kauf»

Klar ist für Stöcklin aber, dass eine Rotlicht-Übertretung kein Kavaliersdelikt ist: «Man nimmt einen schweren Unfall und somit eine Gefährdung von sich und anderen Personen in Kauf.» Laut Verkehrsunfallsstatistik ist Reinach Süd aber trotz der rekordmässigen Rotlicht-Übertretungen kein Unfallschwerpunkt. Deshalb sieht die Polizei davon ab, hier ein Blitzgerät fix zu installieren.

Dafür geht sie nächste Woche mit einer Schwerpunktaktion im ganzen Kanton gegen Rotlicht-Ignoranten vor. Der Auslöser dafür sind laut Polizei «erschreckende Zahlen»: Auf sieben ausgewerteten Kreuzungen hat sie insgesamt 700 Rotlicht-Missachtungen an einem Tag registriert. Mit der Ankündigung der Aktion erhofft sich die Polizei einen präventiven Effekt: «Es geht nicht um irgendwelche versteckten Kontrollen oder ‹Abzocke›, wie es am Stammtisch immer wieder heisst, sondern um Aufklärung der Bevölkerung.» Damit hat die Polizei auch den Autolobbyisten Haller auf ihrer Seite: «Alles, was der Verkehrssicherheit dient, finde ich gut.»

Wie die Baselbieter in Reinach Süd haben auch die Basler Polizisten ein Sorgenkind. Es ist ebenfalls eine Autobahnausfahrt: Süd City. «Hier huschen viele noch im letzten Moment über das Rotlicht», weiss der Basler Polizeisprecher Martin Schütz. Im Gegensatz zum Baselbiet sind Rotlichtübertretungen in Basel-Stadt derzeit kein Schwerpunktthema. «Wir machen aber immer mindestens wöchentlich gezielte Kontrollen auf dem ganzen Kantonsgebiet», sagt Schütz.

Zudem sind in Basel bei sieben Lichtsignalanlagen fixe Blitzgeräte installiert. Auf der Internetseite der Basler Polizei sind die Standorte in einer Karte eingezeichnet. «Wir wollen nicht möglichst viele Bussen, sondern dass anständig gefahren wird», begründet Schütz. Auch sein Kollege Stöcklin wird nicht müde, dies zu betonen. Eine Übersicht über permanente Blitzgeräte im Baselbiet existiert aber nicht. Auch der Polizeisprecher kennt deren Anzahl nicht.