Die jüngste Baselbieter Partei ist immer wieder für eine Überraschung gut. Die Grünen-Unabhängigen (GU) um Landrat Jürg Wiedemann und alt Landratspräsidentin Esther Maag standen im Rennen um die überlebenswichtigen Listenverbindungen für die Nationalratswahlen im Herbst eigentlich schon im Abseits. Die Verbindungen von SVP und FDP, von SP und Grünen sowie von CVP, GLP und BDP stehen seit Ende Juni fest. Zudem hat sich die umworbene EVP für den Alleingang entschieden. Kaum gegründet, drohten die GU bereits wieder in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Wie die bz weiss, stehen sie nun aber kurz davor, sich doch noch der Mitte-Verbindung anzuschliessen. Zwar wollen die Parteipräsidenten erst nach den Sommerferien definitiv entscheiden, doch erste Gespräche fanden statt und verliefen positiv. Die GU wissen freilich, wie sie den anderen drei Parteien die Verbindung schmackhaft machen können: durch Arithmetik. «Bei einer Listenverbindung von CVP, GLP, BDP und GU liegt rechnerisch ein zweiter Nationalratssitz drin», sagt GU-Geschäftsleiterin Saskia Olsson.

GU glauben nicht an Maya Graf

Und die 22-jährige Nationalratskandidatin legt gleich die Berechnungen ihrer Partei offen: Die GU gehen davon aus, dass SVP/FDP zusammen 44 Prozent der Stimmen machen, SP/Grüne 29, CVP/GLP/BDP/GU 22,5 und die EVP 4,5 Prozent. In einer Erstverteilung stünden dann bereits 6 der 7 Baselbieter Sitze fest – 3 an SVP/FDP, 2 an SP/Grüne und 1 an CVP/GLP/BDP/GU. Für das Restmandat werden die erwähnten Parteistimmen nun durch die bereits errungenen Sitze + 1 geteilt. Das Päckli mit dem höchsten Wert erhält den Sitz. Und siehe da: Trifft diese Prognose ein, bekäme die Mitte das Restmandat zugesprochen.

«Diesen Sitz würden GLP, BDP und wir unter uns ausmachen, wobei die GLP die besten Chancen hätte», sagt Olsson. Damit gehen die Grünen-Unabhängigen auch davon aus, dass der Sitz der Grünen-Nationalrätin Maya Graf «so gut wie verloren ist», die SP also beide linken Sitze erhalten würde. Olsson: «Die Mitte-Listenverbindung wäre deshalb auch wichtig, um einen vierten bürgerlichen Sitz zu verhindern.» Tatsächlich geht die Prognose von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SVP/FDP und der Mitte um den siebten Sitz aus. Es kommt auf jede Stimme an.

Was spricht also noch dagegen? Ginge es bloss nach dem Kopf, stünde die Vierer-Verbindung längst fest. «Rein arithmetisch bin ich für diese Verbindung», sagt GLP-Präsident Hector Herzig auf Anfrage. Und auch CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter hält fest: «Listenverbindungen sind immer eine Frage der reinen Wahlarithmetik. Wir nehmen gerne Partner auf, die helfen, die Mitte zu stärken. Ich persönlich finde, dass nichts dagegen spricht.» CVP-Präsident Marc Scherrer und BDP-Präsidentin Marie-Therese Müller sind derweil in den Ferien und möchten sich noch nicht dazu äussern. Schneider hält aber vielsagend fest: «Wir von der CVP haben uns schon entschieden, wollen aber erst nach den Ferien offiziell kommunizieren.»

Mitte müsste für Sitz stark zulegen

Sie liefert aber auch gleich eines der Gegenargumente: «Die Frage ist halt, wie glaubwürdig die Verbindung mit den Grünen-Unabhängigen inhaltlich wäre.» Damit spricht Schneider zweifellos die Personalie Wiedemann an. Tatsächlich hatten sich CVP-Exponenten in der Vergangenheit immer wieder kritisch gegenüber dem Birsfelder Querkopf geäussert, der für die GU in den Nationalrat will. Und auch Herzig sagt: «Zurzeit herrscht unter den Mitteparteien eine sehr gute Stimmung. Das möchte ich durch meine Aussagen nicht gefährden.» Schneider weist allerdings darauf hin, dass zwischen einigen SVP- und FDP-Exponenten auch Welten lägen. Für sie rücken Personalien gegenüber der Arithmetik in den Hintergrund.

Dort liegt allerdings ein weiteres Problem: Die Prognose der GU ist äusserst optimistisch. Nimmt man die Parteistimmen der Nationalratswahlen 2011, kamen CVP, GLP und BDP auf 19,1 Prozent, bei den Landratswahlen 2015 sogar nur auf 17,3 – Welten zu den 22,5 Prozent. «Unser Zahlenspiel ist sehr optimistisch», gibt Olsson zu. Für die eigene Partei rechnet sie etwa aus dem Stand mit drei Prozent. Aber sie weist auch auf einen Fakt hin, der nicht wegzudiskutieren ist: «Zu viert stehen die Chancen sicher besser als zu dritt.»