Das Baselbieter Altersleitbild war eine wahre Zangengeburt. Jahrelang gefordert, musste die Fassung, die demnächst in den Landrat kommt, viel Kritik einstecken. Besonders bemängelt wird, dass das Strategiepapier, das die Baselbieter Alterspolitik der kommenden Jahrzehnte prägen soll, zu schwammig formuliert sei.

Es fehle an konkreten Massnahmen, kritisierte etwa jüngst die vorberatende Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission. Zumindest auf einen Punkt trifft dies jedoch nicht zu: «Älteren Frauen und Männern steht eine neutrale Ombudsstelle zur Verfügung», steht als eindeutiges Ziel fest.

Mitte 2014 soll es losgehen

Wie Recherchen der bz ergaben, dürfte dies denn auch die erste wirklich umgesetzte Massnahme des Altersleitbildes werden: Voraussichtlicher Start einer «Ombudsstelle für Altersfragen und Spitex» ist Mitte 2014, spätestens aber Anfang 2015.

«Wir sind auf der Zielgeraden», bestätigt etwa Lukas Bäumle auf Anfrage. Der Geschäftsführer des kantonalen Spitex-Verbandes (SVBL) zeigt sich erleichtert, dass es vorwärtsgeht. Nachdem die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) zusammen mit dem federführenden Gemeindeverband (VBLG) Vorgespräche geführt hat, ist es vor den Herbstferien zum ersten Treffen mit dem SVBL und dem Verband der Baselbieter Alters- und Pflegeheime (BAP) gekommen. «Wir sind uns einig», sagt auch BAP-Präsident Sandro Zamengo.

Konkret soll die neue Ombudsstelle nicht beim Kanton angesiedelt, sondern von den Verbänden – vorderhand BAP und SVBL – getragen und finanziert werden. «Damit die Neutralität gewährleistet ist, brauchen wir aber einen offiziellen Auftrag von Kanton und Gemeinden», betont Zamengo.

Momentan prüfe der VBLG noch verschiedene Varianten. Bis Ende Oktober soll ein Grobauftrag inklusive Kostenevaluation vorliegen. Ginge es nach Bäumle, würde die Ombudsstelle schon Anfang 2014 starten. Doch Zamengo winkt ab: «Alles muss von unseren Mitgliedern abgesegnet werden, und die Versammlungen sind nächstes Jahr erst im Frühling.»

Auch Gabriele Marty, Leiterin der Abteilung Alter und Gesundheit der VGD, geht von Mitte 2014 aus. «Die genaue Ausgestaltung überlassen wir aber dem VBLG und den Verbänden.» Als «schwierige Frage» bezeichnet Marty, ob ausschliesslich die gemeinnützigen Spitex-Organisationen des SVBL von der Ombudsstelle berücksichtigt werden sollen oder auch die privaten: «Eine Anlaufstelle für Betroffene, die alle Pflegedienstleister umfasst, macht grundsätzlich sicher Sinn.»

Arbeitstagung am Mittwoch

Das sieht auch Zamengo so, doch stellt er Bedingungen: «Die privaten Spitex müssten sich dann natürlich auch finanziell beteiligen. Da sehe ich gewisse Probleme.» Bis jetzt hat noch kein Kontakt stattgefunden. So erfährt Marcel Durst, Geschäftsführer des nationalen Dachverbandes der privaten Spitex (ASPS), durch die bz vom Projekt: «Wir gehören auf alle Fälle mit an Bord», fordert er. Er werde das Gespräch mit Bäumle suchen.

In Basel-Stadt sind die Privaten bereits Mitglied. Überhaupt hat der Stadtkanton einen Vorsprung. Schon seit 13 Jahren existiert die Ombudsstelle für Altersfragen und Spitex, die Fragen beantwortet und bei Konflikten vermittelt.

Laut Zamengo steht auch zur Debatte, die Baselbieter Stelle mit dem Nachbarn zusammen aufzugleisen. Konkreteres darf man bereits am kommenden Mittwoch erwarten: Dann findet im Liestaler Landratssaal die erste «Arbeitstagung Alter» statt. Laut Marty haben sich bereits gegen 100 Gemeindevertreter, Leistungserbringer und Organisationen angemeldet.