Täglich stauen sich die Autos und Lastwagen auf der A 2 und der A 18, in der S-Bahn gibts kaum Sitzplätze – nicht nur zu Stosszeiten. Die Verkehrsinfrastruktur in der Region ist am Kollabieren. Was dagegen tun? Darüber zerbrachen sich am ersten, vom stellvertretenden bz-Chefredaktor Bojan Stula geleiteten Wahlstammtisch sechs Baselbieter Nationalratskandidierende den Kopf.

Immerhin in einem Punkt war sich die Runde auf dem Längehof in Schönenbuch einig: Es braucht sowohl einen Ausbau des Strassen- als auch einen des Schienennetzes. MIV und öV dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, wiederholte der Laufner FDP-Landrat Rolf Richterich mantraartig. Doch damit hatte es sich mit den Gemeinsamkeiten. Welches sollen die grossen Projekte sein, die beide Basel in Bern anmelden sollen? Klar ist: ohne Bundesbeiträge in Milliardenhöhe geht nichts.

Spatz in der Hand oder Pflästerli?

Für den Therwiler SP-Landrat Christoph Hänggi sollte sich die Region auf den Rheintunnel (Strasse) und das Herzstück der Regio-S-Bahn (Schiene) konzentrieren. Abgesehen von SVP-Landrat Hanspeter Weibel, der Fragezeichen hinter den S-Bahn-Ausbau setzte, gab es hier keinen Widerspruch. BDP-Präsidentin Marie-Therese Müller wies darauf hin, dass erst mit dem geplanten S-Bahntunnel zwischen Basler Bahnhof SBB und Badischem Bahnhof der Viertelstundentakt im S-Bahn-Verkehr möglich werde.

Die Kontroverse entzündete sich an der Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (Elba), über die das Baselbieter Volk am 8. November abstimmt. Hänggi plädiert für den «Spatz in der Hand», die mit 800 Millionen Franken viel günstigere Variante «Umbau», die Massnahmen in der Strassen- und öV-Infrastruktur vorsehe. Für Richterich ist dies Pflästerlipolitik: «Wir haben uns in eine Sackgasse manövriert, weil wir in den letzten 20 Jahren so gut wie nichts gemacht haben.» Deshalb sei die Variante «Ausbau», die eine 1,8 Milliarden teure neue Stadttangente beinhaltet, zu realisieren. Nur so würden die Probleme gelöst.

Nur eben: Wer soll das finanzieren? An die Elba-Stadttangente als kantonale Strasse dürfte der Bund wenig bis nichts bezahlen. Der Bottminger EVP-Vertreter Lukas Keller wies allgemein darauf hin, dass Neubau, Sanierung und Strassenunterhalt immer teurer würden. Um kostspielige Projekte zu finanzieren, müsste der Verkehr verteuert werden, findet Keller. Für die Bürgerlichen muss der Verkehr nicht zwingend teurer werden, aber die effektiven Kosten und die Nachfrage besser abbilden. Das Zauberwort hierzu lautet: Mobility Pricing.

Bis ein Grossprojekt realisiert ist, dauert es 10 bis 20 Jahre. Eine weitere Frage lautet daher: Was kann die Politik morgen gegen Staus und volle Züge tun? Weibel forderte, auf der A 2 abschnittsweise den Pannenstreifen für den Verkehr zu öffnen. Christoph Hänggi argumentierte, dass mit vermehrter Heimarbeit sowie flexibleren Arbeitszeiten die Spitzen am Morgen und abends gebrochen werden könnten.

«Hört auf mit Grabenkämpfen»

Behindert werde die Planung von der komplizierten politischen Struktur in der Region. Die vielen Körperschaften verfolgten zudem eine unterschiedliche Verkehrspolitik, gab Richterich zu bedenken. «Es gibt keinen Common Sense in Verkehrsfragen, auch fehlen gemeinsame Gefässe und Strukturen zur Planung», sagte er. Der Allschwiler CVP-Einwohnerrat Philippe Hofmann kritisierte, dass Basel-Stadt trotz des riesigen Potenzials im Bachgraben den Wasgenring rückgebaut habe. «Die Stadt hat nicht verstanden, beim Verkehr mit uns zu kommunizieren», schimpfte er. Weibel verstieg sich zur Aussage, dass die Verkehrsprobleme von Baselland die Stadt nicht interessierten. Dem hielt Keller entgegen: «Ich habe eher den Eindruck, dass Baselland klemmt bei gemeinsamen Projekten.»

Das Stadt-Bashing und Schwarz-Peter-Spiel ging einigen Zuhörern auf die Nerven. «Hört bloss auf mit diesen Grabenkämpfen. So kommen wir nie weiter», warf ein älterer Herr in die Runde. Dass Uneinigkeit Projekte hemmt, bestätigte Richterich indirekt, als er salopp sagte: «Wenn man so blöd ist wie wir in der Region, dann wird es in Bern heissen: ‹Die haben nichts anderes verdient›.»